Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Den sozialen Frieden sichern

Foto: Stiftinger

Ein Gastkommentar von Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar 2017 in den Oberösterreichischen Nachrichten.

Im Gespräch in unserer Familie, im Freundeskreis oder bei anderen Begegnungen kommt immer wieder die Sorge um eine gute Zukunft zur Sprache. Es wird immer eine gewisse Angst angesprochen, dass trotz aller Mühe vielen Menschen die Hoffnung  auf ein besseres Leben fehlt. Wird der Lohn des Engagements fair verteilt? Hier bei uns und global? Sehr deutlich sehen die Menschen, dass die Welt in eine extreme Schieflage geraten ist und zu den ökonomischen Herausforderungen auch viele politische Konfliktherde bis zu uns wirken. Die Wirtschaftskrise 2008 hat deutlich gezeigt, dass sich dringend etwas ändern muss. Doch geschehen ist seither kaum etwas, im Gegenteil: das soziale Ungleichgewicht hat sich vergrößert – die große Mehrheit der Armen und der Mittelschicht der Weltbevölkerung ist ärmer geworden und nur einige wenige schöpfen immer mehr Profite ab. Sehr deutlich haben sich dazu im Dezember 2016 die europäischen Bischöfe in einer Erklärung geäußert: „Die Ärmsten tragen die Konsequenzen einer Krise, die nicht auf sie zurückzuführen ist, sondern auf Spekulationen, Habgier und eine unzureichende Regulierung der Finanzmärkte“, heißt es dort.

Hans-Jürgen Jakobs, Ökonom und früherer Chefredakteur des Handelsblatts beschreibt in seinem Buch „Wem gehört die Welt?“ wie einzelne internationale Konzerne und Vermögensverwalter Billionen besitzen – und diese dann oft geschickt in „steuerfreie Zonen“ transferieren. Geld, das der Volkswirtschaft von Staaten entzogen wird und nicht für realwirtschaftliche Aktivitäten zur Verfügung steht. Die soziale Marktwirtschaft, die sozialen Ausgleich schafft, dürfen wir uns daher nicht schlecht reden lassen. Im Gegenteil, wir brauchen mehr Engagement für eine Neuausrichtung unserer Wirtschaft, die für möglichst alle Menschen Einkommen und Auskommen sichert. Damit kann die Armut auch bei uns wirksam bekämpft werden. Denn die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben motiviert die Menschen und von sozialer Stabilität profitiert nicht zuletzt auch die Wirtschaft.

Wir Christinnen und Christen müssen uns weiterhin stark für soziale Gerechtigkeit und eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Menschen weltweit einsetzen und vor allem die Politik zum Handeln fordern. Wir brauchen eine Globalisierung der Solidarität und des sozialen Ausgleichs. Nur das wird auf Dauer den sozialen Frieden sichern.