Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Caritas-Katastrophenhelferin aus Linz in Kenia

„Ich habe eine junge Nomadenfrau in ihrem Zelt besucht, auf ihrem Schoß ist ein dreijähriges Kind gesessen. Die junge Frau hat erzählt, dass ihr Mann mit den letzten noch lebenden Kamelen losgezogen sei, um eine Wasserstelle zu finden. Doch heute habe sie die Nachricht bekommen, dass es ihm und den Kamelen nicht gut gehe. Neben ihr liegt ihre Schwiegermutter im Sterben, weil sie seit Wochen nichts mehr zum Essen bekommen hat. Die alte Frau wird den morgigen Tag vermutlich schon nicht mehr erleben. Erst als sie es ausspricht, fällt es mir auf: Die junge Nomadin ist schwanger. In einem Monat wird das Kind kommen – hier in diesem Zelt. Der nächste Arzt ist hunderte von Kilometern entfernt. Ihr Mann wird bis dahin vermutlich nicht zurück sein und die Schwiegermutter tot. Sie kann nur hoffen, dass Hilfe kommt, dass sie die Geburt überlebt, so dass ihr Neugeborenes und ihr dreijähriges Kind nicht alleine sind.“

Caritas-Katastrophenhelferin Miriam Ebner (32), eine gebürtige Linzerin, ist vor wenigen Tagen von ihrem Einsatz in Ostafrika zurückgekehrt, wo derzeit die schlimmste Dürre seit 1945 herrscht! Bei der Verteilung der Lebensmittelpakete ist sie in die entlegensten Dörfer gekommen, wo die Menschen festsitzen und ihr Überleben von der Hilfslieferung abhängt.

Fotos: Jork Weismann

„Die Menschen sind bis auf die Knochen abgemagert. Ich habe viele Menschen getroffen von denen ich nicht weiß, ob sie noch den nächsten Tag erlebt haben oder schon verhungert sind. Die Alten und Kinder trifft es am schlimmsten. Eine Handvoll harter Mais ist das einzige, was sie am Tag zu essen haben. Für die Alten gibt es nichts, weil sie keine Zähne mehr haben und den harten Mais nicht essen können. Die Kinder sind klein und bestehen nur mehr aus Haut und Knochen. Wenn sie überhaupt überleben hinterlässt die Unterernährung irreparable gesundheitliche Schäden, die sie den Rest ihres Lebens spüren. Wir reden von einer ganzen Generation, die von den Folgen des Hungers gezeichnet ist.“

„Auf unserer Fahrt durch die Geröllwüste haben wir unzählige tote Kamele gesehen. Bei einer Dürreperiode sind Kamele die letzten, die sterben. Sie kommen normalerweise lange ohne Wasser und Nahrung aus. Rinder, Hunde oder Hühner sterben viel früher. Deshalb weiß man: ‚Sterben die Kamele, dann sterben auch die Menschen.‘“

Eine Folge der Dürrekatastrophe ist auch, dass die Schulen schließen, weil die Lehrer die Kinder nicht mehr mit Essen versorgen können. Die Kinder sitzen nun Zuhause und sind auch für das Wasserholen verantwortlich. Der weite Weg zu den Wasserstellen ist sehr gefährlich für die Kinder, es kommt immer häufiger zu Konflikten, weil jeder weiß, dass sein Leben in Gefahr ist.

Die Wege zu den Wasserstellen haben sich für die Menschen in den Dörfern verdreifacht. Waren es vorher schon durchschnittlich 30 Kilometer sind es jetzt oft 100 Kilometer, die sie zurücklegen müssten. Das ist für die Menschen nicht mehr zu bewältigen, weil sie selbst geschwächt sind und auch keine Tiere haben, die sie für den Wassertransport einsetzen können. Die Menschen sitzen in ihren Dörfern fest und warten auf Hilfe, weil sie sich selber nicht mehr helfen können.

Millionen Menschen in der Sahelzone, im Südsudan und Äthiopien sind aktuell vom Hunger-Tod bedroht. Wegsehen ist keine Option. Wir müssen jetzt dringend helfen!

Mehr zu unserer Hunger-Nothilfe in Afrika erfahren Sie hier: www.caritas.at/hunger