Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Abheben mit dem Herbstwind

27.11.18

Bildtext: Hochkonzentriert arbeitet Elisabeth Watzek an ihren Bildern. Seit siebzehn Jahren ist sie Teil der Künstlergemeinschaft in St. Pius.

Oft bewegt man sich im Alltag in den stetig ausgetretenen Pfaden. Ein Ausbruch aus der Routine sorgt dann für frischen Wind – und neue Ideen. Einmal im Jahr bringt eine Workshopwoche beeinträchtigte KünstlerInnen dazu, sich mit neuen Materialien und anderen Techniken zu befassen. Sie beschreiten neue Wege, deren Ursprung schon zwei Jahrzehnte zurück liegt: Als man in St. Pius begann, das künstlerische Potential von beeinträchtigten Menschen gezielt zu fördern.

Ein Meer an Farben ergießt sich über die Wände. In Eisenregalen stapeln sich Papiere, Kartons und jede Menge Malutensilien. In der Mitte, in Reih und Glied, schmiegen sich vier Tische aneinander. Ein stimmiges Ambiente für die KünstlerInnen aus St. Pius, die sich eine Woche lang ganz ihrer Kreativität hingeben.

Draußen herbstelt es. Der Wind bläst über das sonnendurchflutete Land. Drinnen sitzt Christian Mitterlehner vor einem leeren Blatt und überlegt sich Motive. Künstlerin Andrea Hinterberger stößt zu ihm. Sie breitet eine Handvoll Papierschnipsel aus – sie haben die Form von Hüten. „Aber es könnten auch Blätter sein“, meint sie. „Die es durch die Luft bläst.“ Die Augen von Christian Mitterlehner leuchten auf. Plötzlich ist der Funke von Inspiration da, und seinen Geist zieht es hinaus mit dem Wind, der die Blätter durch die Landschaft treibt. Er hebt seine Arme und lässt sie durch die Luft gleiten. „Ja, Blätter!“, haucht er. Emotion pur. Die Freude an einer Idee, die sich langsam formt, erfüllt nicht nur den Künstler. Er strahlt seine Gefühle aus, so dass alle im Raum plötzlich motivierter sind, an ihrem Werk weiterzuarbeiten.

Andrea Hinterberger begleitet die beeinträchtigten KünstlerInnen in St. Pius das ganze Jahr hindurch in ihrem Schaffen. Sie schubst ihnen Ideen zu, wenn sie nicht mehr weiter wissen, und überlegt sich mit ihnen, mit welcher Technik und welchem Material die Einfälle am besten umsetzbar sind. Einmal im Jahr bekommt sie Unterstützung von externen Kunstschaffenden. Die Externen bringen frischen Wind in die künstlerische Routine, zeigen neue Herangehensweisen und fordern die St. Pius-KünstlerInnen von Zeit zu Zeit ganz schön heraus.

Routinen überwinden
Michael Wilhelm aus der Literaturgruppe hat eine Vorliebe für Gedichte mit Endreim. In dieser Woche sind Endreime jedoch verboten. Er muss stattdessen Geschichten schreiben – angeleitet von Schriftsteller Kurt Mitterndorfer, der die Gruppe auf humorvolle Art fördert und fordert. „Mit Endreimen wirken Gedichte oft erzwungen“, ist der 67-jährige Wortvakrobat überzeugt. „Die KünstlerInnen sollen sich auch einmal aus ihrer Komfortzone herausbewegen.“ Dazu gehört auch, dass die Literaten ihre Texte, selbst vorlesen. Für Herbert Schinko, der sich beim Sprechen schwer tut, fungiert Kurt Mitterndorfer dann als Übersetzer – lesen soll der Autor dennoch selbst. „Es macht dich demütig, wenn du Herbert lesen hörst. Das ist ein Ereignis“, so Mitterndorfer. „Herbert ist dann völlig in dem Text drinnen und…

Lesen Sie die vollständige Reportage über die KünstlerInnen von St. Pius in der aktuellen Ausgabe der „nah dran“. Kostenlos zu abonnieren bei der Caritas Information, Tel. 0732/7610-2020, information(at)caritas-linz.at