Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Junge Freiwillige erweitern den Horizont

14.08.19

Am Foto: stehend: José aus Spanien, Roswitha Reisinger, Bereichsleiterin invita Engelhartszell, Dinara aus Russland, Thomas Rathmayr, Bereichsleiter „Fähigkeitsorientierte Aktivität“ bei invita, invita-Leiter August Hinterberger und Deutschlehrer Mag. Karl-Heinz Rieger; Reihe vorne: Maria aus Spanien, Gemma aus Barcelona, Armagan aus der Türkei mit invita- EU/ESK-Freiwilligen-Koordinatorin Cornelia Osterberger

Fünf junge Menschen aus Spanien, Russland und der Türkei sind derzeit bei Caritas-invita in Engelhartszell im Einsatz. Sie unterstützen ein Jahr lang die MitarbeiterInnen und erhalten die Chance, Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zu sammeln. Den frischen Schwung, den die vier Frauen und der junge Mann aus ihrer Heimat mitbringen, genießen vor allem die BewohnerInnen am Caritas-Standort. Ermöglicht wird der Einsatz durch das Erasmus+-Programm der EU: „Jugend in Aktion – Europäisches Solidaritätskorps“ (ESK).

Gemma (21) aus Barcelona arbeitet jeden Nachmittag in der „Fähigkeitsorientierten Aktivität“, wo sie bei alltäglichen und beschäftigungfördernden Tätigkeiten hilft und die BewohnerInnen bei ihren Spaziergängen begleitet. „Gemma lockert den Alltag auf, indem sie spanisches Temperament mitbringt. Mit ihr ist es lustig und immer was los. Eine Bewohnerin liebt es, Englisch mit ihr zu reden. Alle sagen natürlich mit einem Schmunzeln ‚Gemma gemma‘“, erzählt invita-Mitarbeiterin Theresa Schlager, die in der Gruppe arbeitet. Auch Armagan, Dinara, Maria und José arbeiten bei den verschiedenen Förderungs- und Beschäftigungsangeboten oder in Wohngruppen am Standort mit.

Pensionierter Lehrer unterrichtet Deutsch

invita-Leiter August Hinterberger ist begeistert: „Es ist das zweite Mal, dass wir bei invita EU/ESK-Freiwillige haben und es ist für alle Beteiligten wirklich gewinnbringend. Es freut mich, dass wir auf diese Weise Menschen aus anderen Ländern kennenlernen dürfen. Das erweitert unseren Horizont sprachlich, kulturell und zwischenmenschlich. Außerdem fordert es uns auch - besonders sprachlich.“ Auch die fünf jungen Menschen im Alter von 21 bis 30 Jahren haben sich in dem Freiwilligenjahr zum Ziel gesetzt, ihr Deutsch zu verbessern. Der pensionierte Lehrer Mag. Karl-Heinz Rieger gibt ihnen einmal pro Woche Unterricht.

„Wir verständigen uns in Englisch, Spanisch, Russisch und Deutsch – sowie mit Händen und Füßen. Das klappt eigentlich sehr gut", erzählt Mag.a Roswitha Reisinger, Bereichsleiterin von invita in Engelhartszell.

Aus unterschiedlichen Lebenswelten

Die Gründe, warum die jungen Menschen hier sind, sind ganz unterschiedlich. Armagan (24) aus der Türkei, die in der Kreativwerkstatt arbeitet, erzählt: „Ich bin Ingenieurin und wollte nach meinem Studium noch ein Jahr als Freiwillige arbeiten. Außerdem wollte ich mein Deutsch verbessern, weil ich gerne den Master in Österreich machen möchte.“ Die Russin Dinara (30) hingegen war schon in ihrer Heimat im Sozialbereich tätig. Weil sie das Gefühl hatte, dass ihr Leben stagniere, wollte sie ins Ausland: „Die soziale Betreuung von Menschen, wie es in Österreich der Fall ist, war am Anfang ungewöhnlich für mich. Ich habe viel über Materialien, Geräte und Hilfsmittel in der Pflege gelernt. Ich arbeite in einer Wohngruppe, helfe beim Waschen, Essen oder Putzen. Manchmal Backen oder Basteln wir auch gemeinsam.“ Von Österreich habe sie zuvor so gut wie nichts gewusst. „Ich kam hierher und verliebte mich in dieses Land. In Engelhartszell sind alle so freundlich. Im Geschäft sind die Verkäuferinnen so nett und auch in der Post sind alle so hilfsbereit. Für mich ist es kein Problem, in einem kleinen Ort zu leben, da ich in Russland auch in einem Dorf lebe.“

Alle fünf jungen Menschen wohnen am invita-Standort in Engelhartszell. Neben der Freiwilligenarbeit bleibt ihnen natürlich noch genug Zeit, um Österreich und seine Nachbarländer kennenzulernen.

„Es gefällt mir sehr gut hier, obwohl es anfangs etwas schwierig für mich war. Hier sind das Essen, das Wetter und die Lebensart anders. Aber es ist gut, weil man lernt, toleranter und flexibler zu sein. Ich bin übrigens im Winter gekommen und war begeistert vom Schnee. Für mich war überall ein Winter-Wonderland, ein Traum!“, sagt Gemma aus Barcelona.