Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Was frühe Förderung möglich macht

Die ersten Lebensjahre legen den Grundstein für das weitere Leben. Manche Kinder entwickeln sich jedoch langsamer – oder fallen komplett aus dem „Vergleichen“ heraus, zu dem wir bei Kindern oft neigen. Der Heilpädagogische Kindergarten Bad Ischl fördert schwer beeinträchtigte Kinder. So manches Kind hat dadurch den Sprung in eine Integrationsklasse geschafft.

Vor Katie liegt rosa Plastilin. Die 4-Jährige nimmt eine zahnradförmige Scheibe und drückt sie in die Masse. Hebt sie, drückt sie wieder rein. Wieder und wieder. Und dann, als sehen ihre Augen das Plastilin zum ersten Mal, ruft sie voller Erstaunen: „Wow! Schau! Ein Muster!“ Ihre Augen strahlen.

„Machst du einen Bären aus dem Plastilin?“, fragt Ergotherapeutin Annette Seiringer und reicht Katie eine Form. Katie drückt das Plastilin hinein und holt den Bären heraus. „Fütterst du den Bären?“ fragt Seiringer. Katie nimmt bunte Plastikperlchen und drückt sie in den Bauch des Bären. Später sammelt sie die Perlen mit einer Pinzette wieder ein. Katie krabbelt eine Leiter hoch, um bunte Tücher an der Sprossenwand zu befestigen, und spielt Federball mit einem Luftballon und einer Fliegenklatsche. Dabei quietscht sie ohne Ende.

Katies Begeisterung kennt keine Grenzen. Auch ihr Abenteuerdrang nicht. Was manchmal ein Problem sein kann, denn: Katie ist sich Gefahren nicht bewusst, klettert dort, wo andere Kinder aufhören würden. Manchmal weiß sie bei einfachen Alltagshandlungen nicht, was sie tun soll – dass sie beispielsweise zum Waschen das Wasser aufdrehen muss. Auf Fotos kann sie ihre Mama und ihren Papa manchmal nicht benennen.

Katies Entwicklung ist schwer zu diagnostizieren – weil die übliche Diagnose sich stark auf das Sprachliche konzentriert. Und das ist bei Katie ganz durchmischt, da das Mädchen mehrsprachig aufwuchs. Sie spricht Deutsch, Englisch und Afrikaans. Ihre Mutter kommt aus Südafrika, ihr Vater aus Österreich. Als sie in den Kindergarten kam, erhärtete sich der Verdacht, dass etwas nicht stimmte – weil Katie noch Windeln trug. Sieben Monate dauerte es bis zum Diagnosetermin im Krankenhaus. Eine wirkliche Diagnose gibt es nach wie vor nicht. So kam Katie in den Heilpädagogischen Kindergarten Bad Ischl.

Weite Wege für gute Betreuung

Der Heilpädagogische Kindergarten Bad Ischl ist in der Region einzigartig. Sechs Kinder mit schweren Beeinträchtigungen werden von drei Pädagoginnen betreut. Einmal pro Woche kommen eine Ergotherapeutin und eine Logopädin, die einzeln mit den Kindern arbeiten. Manche der Kinder haben eine ADHS-Diagnose, andere Autismus, Trisomie oder das Rett-Syndrom. Für die Eltern ist der Kindergarten oft der erlösende Hafen, in den sie einschiffen können.

Schritt für Schritt zum Essen

Marie, 2, sitzt in ihrem Sessel und schreit. Vor ihr ein Fruchtzwerg. Maries Problem ist, dass sie nicht mit dem Schreien aufhören kann. Zwischendurch stoppt sie, keucht, schaut verzweifelt - sichtlich erschöpft vom Schreien. Dann schreit sie wieder. So geht das mehrere Stunden am Tag.

Auch Katie kämpfte mit dem Essen. Das war für ihre Mutter – Entwicklungsdefizite hin oder her – die größte Sorge: Mein Kind muss doch essen. Umso erleichterter ist sie, dass Katie im Kindergarten das Essen gelernt hat. Während Katie nur Joghurt aß, als sie in den Kindergarten kam, sind heute Spaghetti schon voll okay. Ein langer Prozess, der Jahre dauert. Dass der Prozess glückt und stetig weitergeht, ist den Pädagoginnen zu verdanken. Sie sitzen bei jedem Essen dabei und motivieren. Was ebenfalls hilft, ist die Gruppe. Als Katie im Kindergarten sah, dass alle beim Essen zusammensitzen, dachte sie sich: „Wenn alle anderen essen, sollte ich es vielleicht auch tun.“ Und langsam wurde es.

Lesen Sie die vollständige Reportage über den Heilpädagogischen Kindergarten in der aktuellen Ausgabe der „nah dran“. Kostenlos abonnieren bei der Caritas Information, Tel. 0732/7610-2020, information(at)caritas-linz.at