Ein Zimmer - vollgestellt mit Betten, auf einem sitzt eine indische Familie - Eltern mit einem jugendlichen Mädchen.

Mythen und Fakten zum Thema Asyl

 

1. Flüchtlinge bekommen jede Menge Geld vom Staat!

In einem Selbstversorger-Quartier erhalten AsylwerberInnen in Oberösterreich pro Erwachsenem täglich 5,50 € für Lebensmittel, das sind pro Monat 165 bis 170,50 €. Minderjährige erhalten pro Monat 121 €  Lebensmittelgeld.

Einmal pro Jahr erhalten sie pro Person Bekleidungsgutscheine im Wert von 150 € und 200 € Schulgeld für ein schulpflichtiges Kind. Für Babys bis drei Jahre gibt es monatlich 20 € „Windelgeld“.

Diese Unterstützung wird vom österreichischen Staat deshalb erbracht, weil er sich durch die Unterzeichnung der Genfer Konvention über Flüchtlinge (1955) dazu verpflichtet hat, asylsuchenden Personen ein faires Verfahren zur Klärung der Asylgründe zu ermöglichen und während der Dauer des Verfahrens für die Deckung der existentiellen Grundbedürfnisse zu sorgen.

 

2. Die Caritas zahlt AsylwerberInnen teure Handys!

Sei es am Stammtisch oder in Social Media-Kanälen wie Facebook: immer wieder kursieren Gerüchte, dass die Caritas Flüchtlingen Handys oder Handyrechnungen bezahlt. Es sind Geschichten, die zum Beispiel die Freundin einer Tante des Nachbarn gehört haben will. Meistens heißt es, dass der Handyverkäufer kein Geld, sondern nur eine Karte der Caritas vorgelegt bekomme und daraufhin dem Asylwerber ein teures Smartphone aushändige.

An diesen Geschichten ist allerdings kein Funken Wahrheit. Die Caritas bezahlt KEINE Handys oder verteilt Gutscheine für Mobiltelefone – weder für AsylwerberInnen noch für andere Personen.

Grundsätzlich haben Handys für Flüchtlinge aber eine höhere Priorität als andere Dinge, weil es für sie meist die einzige Möglichkeit ist, den Kontakt zu Familie und Freunden aufrecht zu erhalten. Der Vorteil eines Smartphones ist, dass sie über Skype oder Viber gratis mit ihren Familien telefonieren können. Daher wird das Geld für ein Handy auch manchmal zusammengespart, manche Asylsuchende konnten sich auch Erspartes auf die Reise mitnehmen. Viele hatten auch schon zu Hause ein Smartphone, das sie mitgenommen haben.

 

3. Die Caritas zahlt aber den Flüchtlingen die Gesprächsgebühren für die Handys.

Auch das ist falsch, die Caritas zahlt keine Gesprächsgebühren. Die Caritas-MitarbeiterInnen unterstützen nur beim Ausfüllen eines Antrages beim GIS (Gebühren Info Service) auf einen Zuschuss zu den Gesprächsgebühren. Die Prüfung und Genehmigung der Anträge erfolgt durch das GIS. Der Zuschuss von 10 € pro Monat kann dann für Wertkartenhandys bei bestimmten Telefonanbietern in Anspruch genommen werden. Als Caritas unterstützen wir auch andere anspruchsberechtigte Personengruppen wie MindestsicherungsbezieherInnen bei der Antragstellung.


4. Die Caritas zahlt Strafen für AsylwerberInnen

Es ist ein Grundprinzip in der Betreuungs- und Beratungsarbeit in der Caritas, dass niemals Strafen für betreute Personen bezahlt werden. AsylwerberInnen müssen wie alle ÖsterreicherInnen für Fehlverhalten selbst rechtsstaatliche Konsequenzen tragen.

 

5. Flüchtlinge haben aber offenbar Geld, um sich Markenkleidung zu kaufen…

Markenkleidung stammt fast immer aus Kleiderspenden. Speziell bei jungen AsylwerberInnen sind Markenkleider begehrt, weil sie sich erhoffen, von gleichaltrigen Einheimischen mehr anerkannt zu werden.

 

6. 80 Prozent der AsylwerberInnen sind Wirtschaftsflüchtlinge.

Die meisten Menschen, die in Österreich derzeit einen Asylantrag stellen, kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die „Anerkennungsquote“ ist bei diesen Ländern hoch – das bedeutet, dass die Menschen bei uns Asyl erhalten, weil sie aus Ihrer Heimat vor Krieg und/oder Terror flüchten. 2014 wurden in Österreich 39% der Asylanträge positiv entschieden. Die aktuelle Asylstatistik, die auch die Herkunftsländer der Asylsuchenden beinhaltet, ist auf der Homepage des Bundesministeriums für Inneres zu finden:  http://www.bmi.gv.at

 

7. AsylwerberInnen wollen sich nicht integrieren und auch nicht Deutsch lernen!

Auf Seite der AsylwerberInnen ist die Motivation meist sehr hoch, die sprachliche Hürde zu überwinden, um sich schneller integrieren zu können. Von der Caritas und anderen Organisationen werden kostenlose Deutschkurse – oft auch unter Mithilfe von Ehrenamtlichen – angeboten, weil die sonst angebotenen Kurse für AsylwerberInnen meistens zu teuer sind. Die leistbaren Angebote sind in der Regel stark überlaufen. Generell ist Integration natürlich ein Prozess, der nicht nur von einer Seite ausgehen kann, sondern auch die Bereitschaft des „Gegenübers“ und gegenseitiges Aufeinander-Zugehen erfordert.

 

8. AsylwerberInnen sind alle kriminell!

Flüchtlinge, die in Österreich ankommen, haben oft einen langen Fluchtweg und traumatische Erlebnisse hinter sich. Sie sind auf der Suche nach Schutz und Sicherheit für sich und ihre Familien. Sie sind in der Regel nicht bereit, dies durch Straftaten zu gefährden.

"Wir haben insgesamt in Österreich eine sinkende Kriminalitätsrate. Wir sehen hier gerade auch jetzt, angesichts von steigenden Asylantragszahlen keinerlei Erhöhung der Kriminalitätsrate. Insgesamt ist es ja so, auf Basis des Sicherheitsberichtes 2014: Der Anteil von Asylwerbern an der Gesamtkriminalität in Österreich beträgt zwei Prozent.", so Karl-Heinz Grundböck, der Sprecher des Innenministeriums, gegenüber der "Zeit im Bild" am 26.11.2015. Anmerkung: Hier sind angezeigte Delikte gemeint, aus keiner Statistik geht hervor, wie viele der verurteilten Straftäter Flüchtlinge und Asylsuchende sind.

Grünböck weiter: "Was wir aber sehen, ist, dass ein bestimmtes Feld von Kriminalität steigt. Das ist nicht die Kriminalität von Flüchtlingen, sondern die Kriminalität gegen Flüchtlinge. Mit den aktuellen Zahlen im Verfassungsschutz sehen wir eine Verfünffachung bei den fremdenfeindlichen und rassistisch motivierten Delikten."

 

9. Flüchtlinge schlitzen Sitze in ÖBB-Waggons auf, vergewaltigen Frauen, beleidigen die christliche Religion, behandeln FlüchtlingshelferInnen wie Dienstpersonal – und die Polizei sieht nur machtlos zu…

Diese Lügen entstammen der Feder des Chefredakteurs der steirischen „Krone“, Christoph Biró. Sowohl Polizei und ÖBB dementierten die angeblichen Vorfälle. Biró hat sich daraufhin öffentlich entschuldigt – er habe das „Augenmaß verloren“ und einen Fehler gemacht. Neben zahlreichen Beschwerden beim Presserat überprüft nun die Staatsanwaltschaft Graz, ob der Kommentar unter den Verhetzungsparagrafen (§ 283 StGB) oder unter die wissentliche Verbreitung falscher, beunruhigender Gerüchte (§ 276 StGB) falle.

 

10. Flüchtlinge lassen sich auf unsere Kosten die Zähne korrigieren!

Asylsuchende haben zwar eine Krankenversicherung, allerdings sind hier nur medizinisch notwendige Leistungen gedeckt. Das heißt, es werden keine medizinischen Sonderausgaben wie optische Zahnkorrekturen oder Gleitsichtbrillen bezahlt.

 

11. Die Caritas holt die Flüchtlinge ins Land.

Die Caritas holt keine Flüchtlinge ins Land, sondern setzt sich dafür ein, dass in Österreich bereits aufhältige AsylwerberInnen entsprechend der Menschenrechte behandelt werden.

Politische oder religiöse Verfolgung sowie Bürgerkriege und Katastrophen sind mögliche Auslöser, dass Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Menschen, denen Asyl zugesprochen wird, unterstützt die Caritas bei der Integration in Österreich. Nicht jeder hat ein Recht auf Asyl, aber jeder hat ein Recht auf ein faires, rechtsstaatliches und den Menschenrechten entsprechendes Asylverfahren.

Die Caritas hilft auch bedürftigen, rückkehrwilligen Flüchtlingen sehr erfolgreich bei der Rückkehr und Reintegration in die Heimatländer. Und die Caritas hilft Menschen in Not in ihren Heimatländern vor Ort, damit sie ihre Heimat nicht verlassen müssen. Eine positive Veränderung im Herkunftsland und das Vorhandensein einer Lebensgrundlage sind die Basis für den Rückgang von Migrationsbewegungen – niemand verlässt gerne sein Heimatland!

 

12. Die Caritas gibt für die Flüchtlinge so viel Geld aus.

Die Flüchtlingshilfe der Caritas in OÖ (Grundversorgung von AsylwerberInnen und Fremden in Form von Beratung und Betreuung in Unterkünften) wird im Auftrag der öffentlichen Hand erbracht und von dieser zur Gänze finanziert. Spenden werden in der Flüchtlingshilfe nur dann verwendet, wenn sie vom Spender / der Spenderin ausdrücklich für diesen Verwendungszweck gewidmet wurden. Daraus werden insbesondere Integrationshilfen finanziert, die von der öffentlichen Hand nicht abgedeckt werden. Aus der Caritas-Haussammlung wird kein Geld für die Flüchtlingshilfe verwendet.

 

13. Macht die Caritas mit dem Geld des Landes OÖ. hier ein gutes Geschäft?

Die Caritas macht kein Geschäft, ist ja auch nicht auf Gewinn ausgerichtet. Als Quartierbetreiber erhalten wir pro Person einen Tagsatz in Höhe von 19 € (Stand 2015). Davon muss den Flüchtlingen das Lebensmittelgeld von 5,50 € ausbezahlt und sämtliche anfallende Kosten gedeckt werden: Die Miete, Betriebskosten, die Kosten für das Personal (für eine gute Betreuung der AsylwerberInnen brauchen wir auch gut qualifiziertes Personal) sowie sonstige anfallende Kosten zur Erhaltung des Gebäudes und für die Verwaltung. Wir kalkulieren sehr knapp und kommen mit dem Geld des Landes gerade aus.

 

14. Wir werden von Flüchtlingen überrannt und werden selbst zu Fremden im eigenen Land.

2015 wird in Summe mit 90.000 Flüchtlingen gerechnet, die in Österreich einen Asylantrag stellen. Bei rund 8,5 Millionen EinwohnerInnen Österreichs wären das knapp über 1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dies bedeutet nicht, dass alle Ansuchen auch genehmigt werden. 2014 wurden rund 8.700 Asylverfahren positiv entschieden.

Als Caritas machen wir immer wieder die Erfahrung, dass durch persönliche Begegnung plötzlich die Menschen hinter dem Schlagwort „Asylwerber“ oder „Flüchtling“ gesehen werden. Dann wird auch entdeckt, dass es zwar kulturelle Unterschiede gibt, aber auch Gemeinsamkeiten - im Hinblick auf Werte ebenso wie auf alltägliche Sorgen, Interessen und Fähigkeiten.

 

15. Die Caritas hilft nur den Flüchtlingen.

Die Caritas unterstützt pro Jahr über 33.000 Menschen in Oberösterreich mit verschiedenen Hilfs- und Dienstleistungsangeboten. Mit vielen Einrichtungen und Projekten ist die Caritas OÖ. täglich im Einsatz für Menschen in Not, Wohnungslose, Menschen mit Beeinträchtigungen, Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, Familien und viele andere. Diese Hilfe führt die Caritas selbstverständlich neben der Hilfe für Flüchtlinge weiter. Und sie setzt sich anwaltschaftlich für benachteiligte Menschen ein.

Menschen in Not bietet die Caritas Hilfe und Beratung u.a. in 12 Caritas-Sozialberatungsstellen, in begleiteten Wohnprojekten wie z.B. dem Haus für Mutter und Kind, in Tageszentren und einer medizinischen Notversorgung für Wohnungslose etc. Kinder aus sozial benachteiligten Familien erhalten in den Lerncafés kostenlose Lernförderung. Die Mobilen Familiendienste leisten Unterstützung bei der Kinderbetreuung und Haushaltsführung in schwierigen Lebenssituationen. Für ältere Menschen sind die Mobilen Pflegedienste, Seniorenwohnhäuser und betreubare Wohnformen der Caritas da. Mit verschiedenen Angeboten steht die Caritas auch pflegenden Angehörigen zur Seite, das Mobile Hospiz Palliativ Care ist für Menschen in der letzten Lebensphase da. Für Menschen mit Beeinträchtigungen und ihre Familien ist die Caritas ebenfalls mit verschiedenen Angeboten im Einsatz – sie reichen von begleiteten Wohnformen über Ausbildungs- und Arbeitsvermittlungsprojekte bis hin zu Therapie und Beratung. In Kindergärten, Krabbelstuben und Horten werden Kinder und Jugendliche bestmöglich gefördert. Die Auslandshilfe der Caritas OÖ. engagiert sich mit zahlreichen Hilfsprojekten in Osteuropa und Afrika.

 

16. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben so viel Geld!

Der Tagsatz, finanziert von Bund und Land, beträgt 88 Euro pro unbegleiteten minderjährigen Flüchtling. Von diesem Betrag erhält der Jugendliche 7 Euro Taschengeld pro Tag (monatl. Ca. 210 Euro) ausbezahlt. Von diesen 7 Euro muss er Lebensmittel, Hygieneartikel oder Telefonkosten zahlen. Der Rest des Geldes dient zur Finanzierung von Unterkunft, Betriebskosten und Betreuungspersonal. Zwei Euro pro Tag sind für Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmittel kalkuliert, weil die Jugendlichen keinen Zugang zum Jugendticket haben.

Die Tagsätze für UMF sind erheblich niedriger als jene in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Für österreichische Jugendliche beginnen die Tagsätze bei 120 Euro.