Die Menschen flüchten vor Terror und dem nackten Elend

Referent Stefan Maier bei einem Einsatz in Syrieren. Er hockt inmitten einer syrischen Kinderschar in einem baufälligen Haus.

Am 11. Februar lud die Auslandshilfe der Caritas OÖ. den Caritas-Nahost-Experten Stefan Maier zu einem spannenden Vortrag über die Auslöser des Krieges und die aktuelle Lage in Syrien ein.

Maier koordiniert für die Caritas Österreich die Hilfsprojekte in Syrien und den Nachbarländern. Er kennt die Region seit langem von vielen Reisen. Der Ausbruch des Krieges in Syrien war deshalb auch für ihn überraschend. Denn nach der Machtübernahme von Baschar Al-Assad kam es zumindest zu einer wirtschaftlichen Öffnung des Landes. Politische Kritiker wurden zwar weiterhin mit Gewalt unterdrückt und inhaftiert, doch auf der anderen Seite war Syrien für ein tolerantes Zusammenleben der Religionen bekannt. Die medizinische Basisversorgung war sichergestellt und alle Kinder gingen zur Schule.

2011 brachen dann aber Proteste der Bevölkerung aus, nachdem 15 Jugendliche verhaftet wurden, weil sie regierungsfeindliche Parolen auf Mauern gesprayt hatten. Die zunächst friedlichen Proteste weiteten sich auf das ganze Land aus, nachdem die Regierung mit Gewalt dagegen vorging. „Später entwickelte sich der Krieg zu einem Kampf um die Vormacht zwischen den Schiiten und Sunniten im Nahen Osten. Es ist ein Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi Arabien, die die jeweiligen Milizen mit Geld und Waffen unterstützen“, so Maier.

Von den zuvor 22 Millionen Einwohnern Syriens sind inzwischen 7,6 Millionen innerhalb des Landes auf der Flucht. 4,6 Millionen sind bisher laut offiziellen Zahlen ins Ausland geflüchtet. Die meisten davon in die Türkei und die Nachbarstaaten Libanon, Irak, Jordanien und Ägypten. „Der Libanon ist etwa so groß wie Oberösterreich. Hier leben nun rund 1,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien“, so Maier. Dabei war Syrien früher selbst das weltweit größte Aufnahmeland an Flüchtlingen – denn hier wurden 1,5 Millionen Menschen aus dem Irak aufgenommen.

Gerade im Libanon sei die Lage aber inzwischen mehr als besorgniserregend, denn die Flüchtlinge müssen in katastrophalen Verhältnissen leben. Die immer noch völlig unzureichende internationale Unterstützung für die Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens sieht der Nahost-Experte als entscheidenden Auslöser für die Flüchtlingsbewegung nach Europa. Die beschlossenen Hilfsgelder wurden nur zur Hälfte ausbezahlt.

Die Caritas leistet seit Ausbrauch der Krise Hilfe vor Ort, nach den ersten Nothilfemaßnahmen steht nun die Unterstützung von Kindern im Mittelpunkt. Denn: „Sehr viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien können nicht mehr zur Schule gehen. Hier besteht die Gefahr, dass eine ,verlorene Generation‘ heranwächst“, warnt Maier.

Rund eine Million Menschen ist 2015 nach Europa geflüchtet. „Die Menschen flüchten nicht aus Jux und Tollerei, sondern nur dann, wenn sie wirklich mit dem Rücken zur Wand stehen. Das trifft auf jeden Fall zumindest auf die syrischen Flüchtlinge zu, in ähnlicher Form natürlich auch auf die Angehörigen der anderen Bürgerkriegsländer wie Irak oder Afghanistan. Diese Menschen flüchten vor Mord, Terror, Zerstörung und aus dem nackten Elend“, betonte Maier in seinem Vortrag.

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