Rumänien

  • Portrait einer jungen Frau

    Eva Seebacher, Freiwillige in Rumänien

  • Vier Frauen mit Fahrrädern

  • Zwei Buben und zwei Mädchen stehen in einer Schulklasse

    Freiwilligeneinsatz in Rumänien

  • Kinder bemalen Steine.

    Freiwilligeneinsatz in Rumänien

  • Kinder bemalen Steine

    Freiwilligeneinsatz in Rumänien

  • Kinder mit geschminkten Gesichtern stehen in einer Schulklasse

    Freiwilligeneinsatz in Rumänien

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  • Vier Frauen mit Fahrrädern
  • Zwei Buben und zwei Mädchen stehen in einer Schulklasse
  • Kinder bemalen Steine.
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  • Kinder mit geschminkten Gesichtern stehen in einer Schulklasse

Im Winter 2014/15 habe ich die Caritas Linz kontaktiert um mich über freiwillige Einsätze in Osteuropa zu informieren, denn ich wollte nochmals eine Zeitlang im Ausland leben um neue Menschen, Kulturen und Länder kennen zu lernen und gleichzeitig einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen um ein Land nicht nur aus der Perspektive einer Touristin kennen zu lernen, sondern darüber hinaus auch zu mehr Miteinander in unserer Gesellschaft beizutragen. Schnellentschlossen konnte ich mich daraufhin Anfang Februar auf den Weg nach Rumänien machen um in einem Projekt zur Integration sozial benachteiligter Roma-Familien in der Gesellschaft mitzuwirken.

Mein Volontariat bei der Caritas in Târgu Mureş/ Marosvásárhely
In Târgu Mureş/ Marosvásárhely wurde ich gleich bei meiner Ankunft frühmorgens am Bahnhof sehr herzlich empfangen: meine Kollegin Orsi hat mich gemeinsam mit Áron, einem weiteren Kollegen im Hand in Hand-Projekt abgeholt, mit Frühstück versorgt und zu meiner Wohnung gebracht. Die Wohnung ist für eine Person geräumig, mit Bade-, Schlafzimmer sowie einer Küche mit Essbereich ausgestattet und verfügt über Internetzugang. Meinen Vermieter hab ich bei der Gelegenheit auch gleich kennengelernt, ebenso Csenge, eine der Freiwilligenkoordinatorinnen der Caritas. Auch Maria, die Projektleiterin des Hand in Hand-Projektes traf ich an diesem ersten Tag, sie hat mir die Räumlichkeiten der Caritas gezeigt und mir vieles über das Projekt erzählt. In den ersten Tagen lernte ich auch Tamara kennen, die aus Deutschland kommt und ein Jahr als Freiwillige bei der Caritas hier arbeitet.

Im Rahmen meiner Freiwilligentätigkeit bei der Caritas war ich hauptsächlich im Hand in Hand-Projekt aktiv, das die interkulturellen Beziehungen verbessern und sozial schwachen Familien den Zugang zum gesellschaftlichen Leben erleichtern möchte. Zu den sozial schwachen Familien zählen hier vor allem Roma-Familien. Das Projekt besteht aus unterschiedlichen Teilen: es gibt das Nachmittagsbetreuungsprogramm, in dem ich hauptsächlich eingesetzt war, aber auch Treffen mit Elterngruppen, ein interkulturelles Jugendfest und die Ausarbeitung einer gemeinsamen Strategie für eine gemeinsame Zukunft mit mehr Miteinander zwischen den unterschiedlichen Gruppen (Roma, RumänInnen, UngarInnen) in Sâint Georgiu de Mureș/ Marosszentgyörgy, dem Nachbarort von Târgu Mureş/ Marosvásárhely . Im Juli findet außerdem ein Sommerkindergarten statt, der Kinder auf Schule und Kindergarten vorbereitet – ich verbringe daher gerade  4 weitere Wochen hier. J

Mit Schulkindern im Alter von 5 bis 9 Jahren hatte ich bislang noch nicht gearbeitet, aber ich mochte es sofort. Wir verbrachten viel Zeit damit, die Kinder der ersten Klassen bei den Hausaufgaben zu unterstützen, da konnte ich auf Grund der sprachlichen Hürden (ich kann bis jetzt nur einige Wörter und Phrasen auf Ungarisch) bei den Mathematikaufgaben am besten helfen (Die Vorschulgruppe brachte mir gleich am ersten Tag das Zählen bis 5 bei und jetzt kann ich zählen und rechnen bis 100), aber auch beim Buchstaben lernen. Daneben gab es für die Kinder immer auch eine kleine Jause und meist bastelten wir oder spielten noch etwas um die Geschicklichkeit und feinmotorischen Fähigkeiten der Kinder zu stärken.

Neben der Nachmittagsbetreuung und deren Vorbereitung unterstützte ich die KollegInnen in der Vorbereitung der Eltern- und Jugendgruppentreffen, bei administrativen Aufgaben oder bei Kinderprogrammen an Festtagen in umliegenden Orten. Einen Tag in der Woche übernahm ich außerdem den Fahrtendienst für ältere Menschen, die zum Tagesheim Terez Anya (Mutter Theresa) kommen, um dort gemeinsam Deutsch oder Englisch zu lernen, einen Computerkurs zu besuchen, zu turnen, basteln oder gemeinsam zu feiern.

Viele Male dachte ich mir, der Spruch “expect the unexpected” trifft das Leben und Arbeiten hier sehr gut: es passiert immer etwas, das die Pläne durchkreuzt und die Menschen hier sind echte Meister im Ermöglichen des scheinbar Unmöglichen.

Eine große Herausforderung stellt die Sprachbarriere für mich dar. Oft zweifelte ich an meiner Entscheidung für das Projekt, da die Unterstützung der Kinder bei den Hausaufgaben wesentlich leichter und erfolgreicher ausfallen würde, wenn ich gut Ungarisch sprechen würde. Oft aber ging es gar nicht so sehr darum mit Worten zu helfen, sondern Aufmerksamkeit zu schenken. Ein paar Kinder in der Nachmittagsbetreuung und im Sommerkindergarten standen aber vor einem ähnlichen Problem, sie sprachen ein bisschen Ungarisch und ein bisschen Rumänisch und zuhause Romanes und konnten somit manche Dinge in keiner Sprache ausdrücken.

Anfangs versuchte ich Rumänisch zu lernen, aber da gerade im Caritasumfeld viele Menschen Ungarisch sprechen (und die MitarbeiterInnen zum Glück oft Deutsch oder Englisch neben Rumänisch als dritte Sprache), hatte ich wenig Gelegenheit zu üben. Dank www.ungarische-sprache.de konnte ich dann zumindest Einblicke in die ungarische Sprache gewinnen und anfangen zu verstehen wie sie funktioniert, sodass ich dann doch ein bisschen verstand.

Das Hand in Hand-Projekt ist in meinen Augen ein sehr wichtiges, da gerade die Bevölkerungsgruppe der Roma Unterstützung braucht – viele (Eltern) können selbst nicht lesen und schreiben, es fehlt daher oft das Verständnis für die Wichtigkeit von Bildung. Gleichzeitig ist der Anteil der Arbeitslosen sehr hoch, was nicht nur, aber auch an der großteils negativen Einstellung gegenüber Roma liegt.  Ich finde es wichtig, diese sozial benachteiligte Gruppe besser am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen - schön wäre es, wenn sie ihre Kultur und ihr Wissen nicht nur mit ihren Kindern, sondern auch mit uns teilen können. Natürlich besteht hier noch weiterer Bedarf an Unterstützung! Besonders  wichtig wäre es, die Kinder weiter als die ersten beiden Jahre durch das Schulleben zu begleiten, damit sie nicht frühzeitig die Schule aufgeben. Außerdem zählt die Schaffung von Arbeitsplätzen und sinnvollen Betätigungsmöglichkeiten für Erwachsene zu wesentlichen Maßnahmen, die in Angriff genommen werden sollten. Mit dem Hand in Hand-Projekt ist ein wesentlicher Anfang getan – es gilt die kleinen Erfolge und Schritte in die richtige Richtung wertzuschätzen und dran zu bleiben.

Das Projekt verfügt übrigens über einen eigenen Webblog, der laufend über das Projekt informiert: https://akharibo.wordpress.com/

 

Als Freiwillige in Rumänien
Târgu Mureş/ Marosvásárhely liegt in der Region Siebenbürgen/ Transsilvanien. Eine sehr interessante Region aufgrund der Geschichte, der Schönheit der Landschaft, der unterschiedlichen Menschen, die hier leben. Armut und Reichtum sind räumlich sehr nahe nebeneinander, die Kluft zwischen arm und reich ist aber noch viel größer als in Österreich. Eine große Herzlichkeit und Gastfreundschaft geht von den Menschen hier aus, gern geben sie Einblick in ihre Kultur und freuen sich über das Interesse daran. Es ist ihnen wichtig, dass die Menschen außerhalb ihrer Region erfahren, wie sie leben und was sie lieben (Musik, gutes Essen, Freundschaften,...).

Dankbarkeit ist ein weiteres Gefühl, das mich bewegt – dankbar, dass ich hier sein kann, dass ich so herzlich aufgenommen wurde, nette Leute kennen lerne, die sich ebenfalls gern engagieren, die die Natur, Begegnungen und Gespräche lieben und so vieles mit mir teilen. Gemeinsam mit Tamara und zwei weiteren Freiwilligen aus Deutschland bzw. unserer Mentorin Rózsa haben wir uns einige Sehenswürdigkeiten und traditionelle/ spannende Veranstaltungen in der Umgebung und in Târgu Mureş/ Marosvásárhely angesehen.

Zudem gibt es in Târgu Mureş/ Marosvásárhely einige nette Möglichkeiten unterwegs zu sein, Menschen kennen zu lernen. Zum Beispiel montags und mittwochs in Gizis “torna” Stunde, wo eine Mischung aus Gymnastik und Aerobic angeboten wird. Gemeinsam mit Tamara hab ich mich auch im ungarischen Volkstanzen versucht – eine große Herausforderung, aber auch sehr viel Spaß! Die Gruppe traf sich wöchentlich und hat uns auch vom sog. „táncház” erzählt, ihrem traditionellen Modell für die Weitergabe dieses immateriellen Kulturguts. Außerdem gibt es immer wieder kulturelle Angebote in der Stadt, wie etwa die Tage des britischen Dokumentarfilms, Lange Nacht der Museen und mehr.

Was es für mich bedeutet als Freiwillige hier zu sein
Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, die sich stark für ihre Werte, Projekte, Ideen und Mitmenschen engagieren. Ich hab diese schöne Gegend ein bisschen kennengelernt und Einblicke in die Kultur der Roma und UngarInnen gewonnen und ich werde davon erzählen. Und dass ist es, was meiner Meinung nach wichtig ist: einander kennen lernen. Denn das ist meiner Meinung nach eine wichtige Voraussetzung für ein friedvolles, gemeinsames Leben: die Welt entdecken, den Geschichten der Menschen zuhören, Begegnungen erleben, andere einladen, Ideen teilen und einander kennen lernen und unterstützen – und das alles durfte ich als Freiwillige hier erleben! Danke.

 

 

 

Gabriele Pöter, April - Juni 2015

Über den eigenen Tellerrand blicken, neue Menschen und Kulturen kennen lernen und sich dabei nützlich machen war die Motivation für meinen Auslandseinsatz in Rumänien!

Inspiriert von meiner Tochter, die drei Monate in einem indischen Kinderheim geholfen hatte, wollte ich auch noch einmal etwas neues wagen. Rumänien hat mich gleich begeistert, das Leben und die Kultur der  Romabevölkerung kennen zu lernen hat mich schon immer interessiert. Da ich auch beruflich mit Kindern arbeite, dachte ich auch, dass ich mich in diesem Projekt gut einbringen kann.
Die Anreise gestaltete sich ein wenig chaotisch, weil mein geplanter Zug einfach abgesagt worden war. Aber die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Rumänen, die mich kurzerhand ohne Ticket in den nächsten Zug setzten, um dann mit einem Bus weiter fahren zu können, fand ich großartig! So kam ich sogar früher als geplant an mein Ziel nach Targu Mures, wo ich herzlich von meiner Mentorin und Caritas - Mitarbeiterin Csenge und von meiner Quasi - Vorgängerin Eva empfangen wurde. Da sich unsere Einsätze um etliche Tage überschnitten, wohnten wir in dieser Zeit gemeinsam. So erfuhr ich schon im Vorfeld einiges über meine zukünftigen Aufgaben bei der Caritas und hatte auch Hilfe um mich in der Stadt zurecht zu finden, nette Lokale und gute Geschäfte und die anderen Freiwilligen, die hier auch arbeiten,  kennen zu lernen.
Meine Arbeit bei der Caritas gestaltete sich recht abwechslungsreich. Ich war überrascht, wie groß und vielfältig das Angebot der Caritas an die Bevölkerung ist. Da gibt es im Stammhaus Kindergruppen für Mütter mit ihren Kleinen, wo gemeinsam gesungen, geturnt und gespielt wird. Hier war Hilfe beim Putzen und Herrichten angesagt.
Dann gibts natürlich  das Romaprojekt, wo jeden Tag eine Nachmittagsbetreuung für  Schulkinder statt findet. Hierbei steht das Aufgabe machen im Vordergrund, da die Kinder zu Hause vielfach keine Hilfe bekommen können , da die Eltern teilweise selbst keine Kenntnisse vom Unterrichtsstoff haben. Um den Kindern manche Lerninhalte besser vermitteln zu können, werden immer wieder Hilfsmittel verwendet, wie zum Beispiel der Wurm mit den hundert Füssen. Die Kinder schnitten seine Beine aus, je zehn in einer Farbe.so bekommen sie eine bessere Vorstellung von den Zahlen.
Auch für das Üben von Buchstaben und Wörtern half ich bei der Herstellung von Hilfsmitteln. Außerdem gibt es eine kleine Mahlzeit für die Kinder, und oft noch etwas zum Mitnehmen für zu Hause. Zwischendurch wird natürlich auch gespielt oder im Garten herum getobt.
Die Kinder sind herzlich und ausgelassen und für Spiele mehr zu begeistern als für die Lerninhalte, so wie ich es auch von meinen Kindern kenne! Die Arbeit mit ihnen hat mir besonders viel Freude gemacht. Als großes Handicap habe ich allerdings meine sprachliche Unkenntnis empfunden. Zwar habe ich einige Wörter und nach und nach auch von den Kindern das Zählen von eins bis zehn gelernt Es tat mir aber ungeheuer leid, nicht bei den schriftlichen Aufgaben oder aber beim Lesen üben helfen zu können! Und um eine wirkliche Beziehung herstellen zu können, braucht man einfach  auch ein gewisses Sprachverständnis, das ist mir leider sehr bald klar geworden. So beschränkte sich meine Arbeit  aufs Esser richten, wegräumen oder eben einfache Handlungen mit den Kindern wie zeichnen oder andere Spiele, wo keine Sprache erforderlich ist.

Zum Glück gab es mit den Mitarbeitern des großen Caritasteams  keine Verständigungsprobleme weil doch alle entweder englisch oder manche sogar deutsch sprechen! Man kam mir sehr nett und freundlich entgegen und sah über manche meiner Unzulänglichkeiten gnädig hinweg.
Ich fühlte mich sehr wohl und habe die Zeit sehr genossen!
Es war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung, hier mithelfen zu dürfen. Ich bekam einen kleinen Eindruck vom Leben hier. Dass hier drei Volksgruppen, Rumänen, Ungarn und Roma mit ihrer jeweilig eigenen Sprache zusammen leben können, hat mich besonders beeindruckt!
Targu Mures selbst ist eine wunderschöne Stadt, mit sehenswerten Gebäuden, inmitten einer wunderschönen Landschaft.
Ich werde meinen Aufenthalt hier, die wunderschöne Landschaft und die liebenswerten und freundlichen Menschen und das Lebensgefühl hier, wo alles viel gemütlicher angegangen wird, in guter Erinnerung behalten - und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja eine Gelegenheit, noch einmal her zu kommen!

 

Gabriele Pöter

Lisa Grünberger, Sept.-Nov. 2014

Am 1. September 2014 am späten Nachmittag komme ich voll bepackt mit meinem Reiserucksack in Târgu Mureş an. Sehr nett, dass mich Orsi, die für die Koordination der Freiwilligen hier zuständig ist, und zwei weitere Volontärinnen direkt von der Bushaltestelle abholen und mich zu meiner Wohnung begleiten. An sich hatte ich mich auf eine eher schlichte Bleibe eingestellt, aber meine Wohnung für die nächsten drei Monate ist sehr freundlich und gemütlich eingerichtet.

 

Am nächsten Morgen holt mich Orsi von zu Hause ab und es geht direkt in die Caritas, wo ich den anderen MitarbeiterInnen vorgestellt und von allen sehr nett willkommen geheißen werde. Bei all der Herzlichkeit, die mir seit Anfang an von allen hier entgegengebracht wird, merke ich schon jetzt, dass ich mich sehr wohlfühlen werde. Orsi und auch die drei KollegInnen, mit denen ich in den nächsten drei Monaten zusammenarbeiten werde, sind stets darum bemüht, dass ich mich gut einlebe und aufgehoben fühle.


Das Projekt, in dem ich arbeite, heißt "Hand in Hand" und ist ein Programm für Kinder aus sozial schwachen Roma-Familien, deren Eltern nicht oder nur dürftig lesen, schreiben und rechnen können. Da die Eltern somit ihren Kindern bei den Hausaufgaben nicht behilflich sein können, bietet das Programm eine Lern- und Hausaufgabenunterstützung für den Nachmittag an. Die Kinder, die alle die erste Klasse besuchen, kommen also jeden Tag nach der Schule für ein paar Stunden zu uns in einen eigens dafür eingerichteten Raum in der Schule.

 

Nachdem sie angekommen sind, tanzen wir zur Begrüßung erst einmal im Kreis und singen Kinderlieder. Anschließend essen wir mit den Kindern zu Mittag und bevor wir schließlich mit den Hausaufgaben loslegen, wird sich im Hof noch ordentlich ausgetobt. Wie viel Hilfe die Kinder bei ihren Hausaufgaben brauchen ist ganz unterschiedlich. Manche schaffen das Meiste selbstständig, andere haben große Probleme beim Üben der Buchstaben und Zahlen und brauchen viel Unterstützung sowie eine gezielte Förderung.

 

Die Arbeit im Projekt mit diesen sehr lieben Kindern macht mir unglaublich viel Freude, genau so hatte ich mir das gewünscht. Allesamt sind sie sehr herzlich zu mir und gnädig mit meinen dürftigen Rumänisch- und Ungarisch-Kenntnissen. Ich habe auch den Eindruck, dass sie ihre Zeit gerne bei uns im Projekt verbringen und die Zuwendung und Aufmerksamkeit, die wir ihnen geben, sehr genießen.

 

Das Pensum und die Schwierigkeit der Hausaufgaben in Kombination mit den Schwierigkeiten, die manche Kinder haben, sind manchmal eine echte Herausforderung. Und doch sind die Tage voller erfüllender Momente. Wenn beispielsweise eines der Kinder mich ganz fest drückt, ein anderes fünf plus drei zum ersten Mal richtig ausrechnet oder die Augen strahlen, nachdem ein stolzes Lob ausgesprochen wurde, ist mir nach Luftsprüngen zumute.

 

Nun sind schon mehr als zwei von meinen drei Monaten um und sowohl die Arbeit im Projekt, als auch die Menschen, die ich hier um mich habe, sind mir in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen. Neben meinen KollegInnen in der Caritas, die ich sehr schätze, leben auch noch vier andere Freiwillige in der Stadt, mit denen ich viel unternehme und die ich sehr gern habe. An den Wochenenden dürfen wir uns oft ein Auto von der Caritas ausleihen, mit dem wir zum Beispiel Ausflüge in andere Städte oder zum Wandern machen.

 

Târgu Mureş selbst hat ein wunderschönes Zentrum und ein tolles kulturelles Angebot. Es gibt Buchmessen, letzte Woche fand ein internationales Filmfestival statt, Kunsthandwerksmärkte und allerlei anderes. Der Abschied von alldem hier, der in knapp drei Wochen auf mich zukommt, wird mir schwer fallen. Aber die einzigartige Zeit, die ich hier verbringe, wird es mit absoluter Sicherheit zu einem Auf Wiedersehen machen.

Maximilian Weinberger, März-Juli 2014

Maximilian Weinberger mit Kindern

Eine Auszeit aus dem Berufsleben nehmen, etwas Anderes sehen, neue Leute kennenlernen und vielleicht sogar etwas Gutes tun. Das waren meine großen Motivationspeitschen, die mich im Herbst 2013 zur Caritas Auslandshilfe trieben.
Rumänien selbst war kein Wunschland, es war eher Zufall, dass ich dazu gekommen bin. Dass ich mit Kindern arbeiten würde, war am Anfang ein bißchen befremdlich, da ich als gelernter Maschinenbautechniker ziemlich spärliche Erfahrung auf diesen Gebiet hatte.

In meinem Hauptprojekt geht es um Roma-Kinder, welche nach der Schule in unser Programm kommen. Dabei habe ich fünf Kinder mit fünf Jahren, mit welchen ich Kindergarten- Arbeitsblätter mache, spiele oder male. Ich hätte mir niemals gedacht wie anstrengend und doch zugleich fröhlich-machend die Arbeit mit Kindern ist.
Man erkennt auf den ersten Blick nicht aus welchen armen Wohnungsverhältnissen die Kinder kommen. Doch bei unseren Besuchen bei den Kindern zuhause öffneten sich wirklich meine Augen und es wurde mir bewusst auf welch hohem Niveau in Österreich gejammert wird. Da es oftmals in der Zigeunerkultur für Frauen verboten ist höhere Bildung zu erfahren, sind der Großteil der Mütter Analphabeten.

Was mir schnell klar wurde war, dass der Zugang zur Arbeit ein wesentlich anderer ist als bei uns. "Wenns heute nicht geht dann morgen, und wenns morgen nicht geht, nächste Woche oder vielleicht garnicht." Oft zehrt diese Einstellung sehr an den Nerven.
Ich lerne ungarisch, weil erstens in Tirgu Mures ca. die Hälfte der Leute Ungarn sind, und zweitens die Kinder im Projekt sowie alle Arbeitskollegen bei der Caritasstelle ungarisch sprechen. Vor 1918 war dieser Teil von Rumänien noch unter der Herrschaft der Habsburger. Es ist eine sehr geschichtsträchtige Gegend die von Faschismus bis Kommunismus alles erlebt hat. Die Landschaft ähnelt dem Mühlviertel, jedoch mit Unmengen Müll auf den Feldern und in den Wäldern.
Mein Abenteuer Rumänien erzählt mir eine Geschichte vom Leben in einem Land, welches ich mir persönlich ganz anders vorgestellt habe.
Jedem Zweifelnden empfehle ich es auch zu machen und jedem Interessierten erzähle ich gerne genauer von diesen saugeilen fünf Monaten.

Helmut Suschnigg, 2013

Ein Bild von Helmut Suschnigg

Ich habe in meinem Leben sehr viel Glück gehabt und nun möchte ich dieses weitergeben.

Durch meine selbstständige Tätigkeit als Handwerker habe ich das Privileg meine Zeit frei - und für mich sinnvoll -  zu nutzen.

Die Caritas gibt mir die Gelegenheit dazu, Gutes zu tun.

Nachdem ich mehreren Hilfseinrichtungen meine Hilfe anbot, kam es zu einer raschen Vereinbarung mit der Caritas. Im Sommer war es soweit, dass ich als  Handwerker für vier Monate nach Rumänien ging.

 

Zuerst wurde meine Arbeit in Georgheni gebraucht, wo ich gemeinsam mit anderen Handwerkern aus Rumänien für behinderte Kinder ein altes Gebäude renovierte. Die Arbeit war hart, da das Gebäude sehr baufällig war. Das Material war oft zu wenig und viel Bürokratie stand uns im Weg. Dennoch haben wir es geschafft, ein schönes Zentrum für Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigung zu bauen. Besonders hat mich gefreut, dass diese Kinder nun die Möglichkeit - eine für sie abgestimmte Therapie - zu bekommen. Bei einer Veranstaltung habe ich mich selbst davon überzeugen können, dass diese Kinder viel selbstständiger handeln können und aus dem heraus viel mehr Freude am Leben zeigen.

 

Ein weiteres großes Projekt, auf das ich besonders stolz bin, war der Einbau einer Wasserleitungen in einem Kinderheim - in Stremt in der Nähe von Alba Iulia. Die Kinder hatten bereits seit Monaten kein Wasser. Als ich davon erfahren habe, war mir klar, dass ich nicht wieder nach Hause fahre, bevor diese nicht eine funktionierende Wasserleitung haben und die Toilette benützen können. Und so war es auch. Es kostete mich einige Tage Arbeit, die alten Leitungen heraus zu stemmen und die Neuen fertig zu montieren.

 

Mehrfach habe ich meine Heimreise nach Österreich terminlich nach hinten verschoben. Als die Wasserleitung dann endlich an das zentrale Netz angeschlossen war, duschte ich mich und fuhr mit dem nächsten Zug nach Wien. Den Kindern habe ich versprochen wiederzukommen. Wenn die Leiterin die angeforderten Dachziegel bekommt, werde ich die Kinder wieder besuchen und ihr Dach fertig stellen. Es war eine unglaublich schöne Zeit.

 

 

Irene Lindorfer, Mai-Nov. 2009

Nach jahrelangem Hin und Her entschied ich mich im Frühjahr 2009 ein Voluntariat im Ausland zu machen. Nach einem Gespräch bei der Auslandshilfe der Caritas Linz entschied ich mich für die Stadt Petrosani in Rumänien.
Die 44 000 Einwohnerstadt befindet sich im Südwesten der Karpaten, in der ärmsten Region des Landes. Aufgrund des geschichtlichen Hintergrundes und der Schließung vieler Kohleberwerke, sind derzeit über 50% der Menschen arbeitslos und es herrscht neben einer großen Armut, auch viel Gewalt.

 

Die Caritas unterstützt Familien mit Nahrungsmitteln und Kleidung. Im Rahmen unterschiedlicher Projekte motivieren sie Familien wieder mehr Lebensmut zu finden und Lebenssituationen zu verändern. Sie helfen Frauen bei der Kindererziehung, beim Erlernen der Haushaltsführung oder bei finanziellen Belangen. Kinder haben die Möglichkeit eine Nachmittagsbetreuung zu besuchen. Dort bekommen sie warmes Essen, sie machen ihre Hausaufgaben und sie erlernen im gemeinsamen Spiel viel im Umgang miteinander.

Alte und kranke Menschen werden im Rahmen eines mobilen Dienstes von Krankenschwestern begleitet. Auch kleinere Projekte wie kostenlose Augenarzt Termine, "Christkind aus der Schuhschachtel", Müllsammelaktionen, diverse Spendenaktionen,… werden organisiert.

 

Als Österreicherin hatte ich große Schwierigkeiten mich anfangs an die Mentalität, die dortige Arbeitseinstellung und die dortige Pünktlichkeit zu gewöhnen. Ich bin 28 Jahre alt und stellte mir vor, bei diesem Einsatz anderen Menschen zu helfen und vielleicht auch etwas zu bewegen.
Leider gelang mir dies dort nicht. Ich war sehr enttäuscht, nichts verändern zu können und ich merkte, dass die Hilfe, nicht als Hilfe wie wir sie verstehen, angenommen wird.

Voluntariat heißt für sie, anwesend sein und von ihnen zu lernen, nicht aber,
sich helfen zu lassen, neue Wege und neue Ideen anzuhören und von den Freiwilligen und deren Kulturen zu lernen. Mich enttäuschte diese Einstellung, die allgemeine Arbeitshaltung, die Langsamkeit und die Unpünktlichkeit. Vieles passiert wenn nicht heute, dann morgen, oder nächste Woche, oder überhaupt nicht!

 

Aber all das, für mich Negative, bringt auch viel Positives mit sich. Die Menschen sind viel entspannter und sie strahlen mehr Zufriedenheit aus. Es gibt ein viel intensiveres Gemeinschaftsleben und es ist eine Selbstverständlichkeit sich abends zu treffen, Spiele zu spielen, zu quatschen oder zu spazieren.

 

Für mich war das Land, ein Land der Gegensätze.

  • Wunderschöne Natur und an vielen Stellen völlig vermüllt
  • Leute, die die teuersten Autos fahren und Leute die nichts zu essen haben  wohnen Tür an Tür
  • viele arbeitende Leute und faul herum sitzende Arbeiter die die Zeit absitzen
  • junge Leute die eine gute Schulbildung genossen und nun im Ausland Karriere machen und junge Leute im selben Alter die keine Schulbildung haben, da sie betteln gehen mussten
  • Frauen, die ihren Kindern alles bieten können und Frauen die ihre Kindern kaum ernähren können

 

Ich durfte in der ärmsten, aber für mich schönsten Gegend Rumäniens leben und am Leben einer Organisation, eines Freundeskreises, teilhaben.
Ich durfte viel sehen, viel kennen lernen und mich selber von verschiedenen Seiten neu kennen lernen.


Ich habe vor allem die Einfachheit und die Entspanntheit zu schätzen gelernt. Ich durfte über viel nachdenken und die Rumänen lehrten mich, dass vieles in unserem "westlichen" Leben es nicht wert ist sich Gedanken zu machen, wenn es viel grundlegendere Dinge gibt.

Vor allem lehrten sie mich umzudenken, anders zu denken und aufgeschlossener zu sein.