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Ein kleinen Mädchen sitzt in einem Haufen mit Plastikbällen und spielt damit.

Fachkräftemangel in Kinderbetreuungs-Einrichtungen braucht dringend Gegenmaßnahmen

Kinder jausnen am Tisch und ein Bub gibt einer Frau etwas in die Hand

Träger von 350 kirchlichen Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen in OÖ fordern Politik zum Handeln auf, um Rahmenbedingungen zu verbessern und Berufsfeld attraktiver zu machen. 

Aktuell hat eine Befragung der über 2.000 MitarbeiterInnen in den kirchlichen Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen in Oberösterreich ergeben, dass sowohl die pädagogischen Fachkräfte als auch die Hilfskräfte hohe Motivation für die berufliche Aufgabe mit den Kindern und Jugendlichen mitbringen. Auch die Zufriedenheit mit den Arbeitgebern, den Trägern der kirchlichen Einrichtungen, ist im Schnitt sehr hoch. 90 % der MitarbeiterInnen vergaben die Noten 1 und 2 auf die Frage, ob sie ihre Einrichtung im Bekanntenkreis als Arbeitgeber weiterempfehlen würden.

Große Unzufriedenheit herrscht jedoch bei den Rahmenbedingungen, die gesetzlich vorgegeben sind. „Die Fachkräfte und Leitungen fühlen sich zunehmend überfordert, da die Anforderungen an die Berufsgruppe laufend steigen, ohne dass sich die Rahmenbedingungen im passenden Ausmaß ändern. Die MitarbeiterInnen müssen etwa zusätzlich die Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung organisieren und durchführen. BerufseinsteigerInnen sind den Erwartungen nicht gewachsen und verlassen das Berufsfeld schnell wieder. Ältere Fachkräfte tun sich immer schwerer, den Belastungen standzuhalten“, erklärt Pfarrer MMag. Klaus Dopler, Sprecher der „Erhalterkonferenz“ der kirchlichen Einrichtungen. Dieses Gremium vertritt die Träger Pfarren, Caritas, kirchliche Vereine und Orden, die insgesamt 350 Krabbelstuben, Kindergärten und Horte in Oberösterreich mit derzeit rund 20.000 Kindern im Auftrag der Gemeinden führen. 

Konkret beklagen die MitarbeiterInnen unter anderem, dass die vorgegebene Zahl der Kinder pro Gruppe zu groß ist und ihnen die Zeit fehlt, sich den einzelnen Kindern so zu widmen und sie individuell zu fördern, wie es notwendig und auch vorgeschrieben wäre. So vergaben zum Beispiel 52 % der MitarbeiterInnen die Noten 4 und 5 auf die Frage „Die Anzahl der Kinder in der Gruppe ermöglicht ein sehr gutes Arbeiten“. Und nur 8 % der LeiterInnen und 12 % der PädagogInnen haben angegeben, dass sie ausreichend Zeit zur Verfügung haben, um sich sehr gut auf ihre Tätigkeit vorbereiten zu können.

„Mit dem aktuellen Personalschlüssel in einer Regelgruppe im Kindergarten von einer Fachkraft und einer Hilfskraft für 23 Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren, ist es nicht möglich, die Kinder den heutigen fachlichen Ansprüchen der Elementarpädagogik entsprechend zu begleiten“, betont Dopler. In einigen Einrichtungen werde derzeit auf Druck der Gemeinden aus Kostengründen sogar eine Ausweitung auf 25 Kinder pro Gruppe praktiziert, das dürfe vom Land Oberösterreich nicht zugelassen werden. „Gleiches gilt für die Krabbelstuben – hier sind zwei MitarbeiterInnen für eine Gruppe von 10 Kindern zu wenig, weil auch der Betreuungsaufwand für Kinder unter drei Jahren ein wesentlich höherer ist.“

Appell an Politik zum „Tag der Elementarbildung“
Der Zeitmangel in Kombination mit den erhöhten Belastungen verstärkt den zunehmenden Fachkräftemangel, der auch dadurch stattfindet, weil aktuell viele Fachkräfte in Pension gehen. Viele AbsolventInnen der Elementarpädagogik-Ausbildung schlagen andere berufliche Wege ein, einige können dem Druck im Beruf zu Beginn nicht standhalten.

Anlässlich des bevorstehenden „Tages der Elementarbildung“ am 24. Jänner 2020 richtet daher die Erhalterkonferenz der kirchlichen Krabbelstuben, Kindergärten und Horte einen dringenden Appell an die Politik: „Der erforderliche Ausbau der Kindertageseinrichtungen kann nur bewältigt werden, wenn die Politik jetzt die Weichen stellt und die Rahmenbedingungen attraktiver gestaltet“, erklärt Klaus Dopler. „Als kirchliche Träger liegt uns die Zukunft der Kinder in Oberösterreich seit vielen Jahrzehnten am Herzen. Deshalb ist unser zentrales Anliegen, dass auch die Qualität der Betreuung und Bildung nicht unter die Räder kommt – es braucht ausreichend und gut qualifiziertes Personal, das sich den Kindern und ihrer Entwicklung widmen kann!“

Die Erhalterkonferenz fordert daher, dass sich Bundesministerium, Land OÖ und Gemeinden so rasch wie möglich auf ein Konzept einigen, um dem massiven Fachkräftemangel entgegenzuwirken. 

Wichtige Bausteine darin wären u.a.:

  • Senkung des PädagogInnen-Kind-Schlüssels in allen Gruppen- und Einrichtungsformen
  • Erhöhung der Vorbereitungszeit für gruppenführende PädagogInnen, um eine qualitätsvolle pädagogische Arbeit planen zu können 
  • Erhöhung der Leitungszeit für LeiterInnen als Schlüsselkräfte an den Standorten
  • Erhöhung der Leitungszulage und keine Aliquotierung der Leitungszulage entsprechend des Beschäftigungsausmaßes
  • regelmäßige, verpflichtende Supervision für alle Fachkräfte innerhalb der Dienstzeit
  • ein Praxisjahr für AbsolventInnen von Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (BAfEPs) ohne die Verantwortung allein eine Gruppe zu leiten
  • verpflichtende Nominierung einer Leitungs-Stellvertretung in jeder Einrichtung mit entsprechenden Ressourcen
  • Beratung und Begleitung von PädagogInnen in Fragen des pädagogischen Alltags, wie sie in Form der Pädagogischen Fachberatung in den kirchlichen Einrichtungen in OÖ. seit vielen Jahren durchgeführt wird. Finanziert wird sie hier aus Kirchenbeitrags-Mitteln.
  • regelmäßige und ausreichende Unterstützung durch multiprofessionelle Teams (z.B. PsychologInnen, ErgotherapeutInnen) 
  • gesetzliche Verankerung von Vertretungskräften je nach Einrichtungsgröße