Familiärer Kompass aus der Sozialphobie

    21.08.20

    Mit 15 scheute Lukas Peitl die Menschen, zwei Jahre verbrachte er zuhause. Im Projekt „NAVI – Mein Weg zum Erfolg“ fand er Verständnis – und Menschen, die ihm halfen, eine neue Zukunft anzusteuern.

    Fast alle der Jugendlichen bei NAVI haben Mobbing-Erfahrung. Sie haben nie erlebt, dass ihnen wirklich zugehört wird oder sie sagen können, wie es ihnen geht, ohne ausgelacht zu werden. Und sie stehen vor dem Schritt, einen Job oder eine Lehre finden zu müssen – ungeachtet ihrer emotionalen Belastungen.

    Lukas Peitl ist einer von ihnen. Durch Mobbing in der Schule entwickelte er eine Sozialphobie. Zwei Jahre verbrachte er daheim, verließ teilweise nicht einmal das Haus. Verschiedene Projekte für Jugendliche mit psychisch-sozialen Problemen lehnten ihn ab – zu wenig konnte er sich in seiner Verfassung dem Projektumfeld anpassen. Ein Psychologe im Kinderkrankenhaus legte ihm schließlich das Caritas-Projekt „NAVI – Mein Weg zum Erfolg“ ans Herz.

    „Manche der Jugendlichen leiden an Depressionen, verletzen sich selbst oder werden aggressiv. Sie haben gelernt: Wenn ich laut werde, hört mich wer“, erzählt Caritas-Mitarbeiterin Sophia Witonsky. „Sie haben Lernschwächen und sind von Armut oder Gewalt in der Familie belastet. NAVI unterstützt sie auf dem Weg ins Arbeitsleben. Ein Jahr lang machen wir mit ihnen Berufsorientierung und Arbeitstrainings und vermitteln Praktika.“

    Schritte ins Arbeitsleben

    Als Lukas Peitl zu NAVI kam hatte er hier die Freiheiten, die er brauchte: Wenn ihm die Leute zu viel wurden, konnte er sich zurückziehen. Er durfte sein Hobby, das Modellbauen, ausüben. Das gab ihm Stabilität. Und er fand Leute, die ihn verstanden. Schritt für Schritt legte er seine Sozialphobie ab – und legte einen weiten Weg zurück, der ihn eineinhalb Jahre später ins Bezirksgericht Urfahr brachte. Im September startete er dort eine Lehre zum Verwaltungsassistent. Über diesen Sprung ist er unheimlich glücklich.

    Auch die meisten anderen Jugendlichen werden erfolgreich vermittelt. Ein Großteil startet eine Lehre oder ein Ausbildungsverhältnis am ersten Arbeitsmarkt. „Unsere große Stärke ist, dass alles sehr familiär abläuft“, betont Witonsky. „Dadurch fühlen die Jugendlichen sich willkommen. Oft sind wir der erste Ort, an dem ihnen zugehört wird.“