Betreuuen und Pflegen

Ein Tag mit Astrid Hoffmann, Krankenpflegerin auf der Langzeitbeatmung

Astrid Hoffmann hilft Menschen wie Ingeborg Bodinger dabei, wieder selbständig atmen zu können.

Astrid Hoffmann und ihre PatientInnen haben eins gemeinsam: Sie alle haben die Intensivstation hinter sich gelassen. Im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus pflegt die 40-Jährige Menschen, die nicht mehr selbständig atmen können.

 

 

Am schönsten ist es für Astrid Hoffmann, wenn sie sich von ihren PatientInnen verabschieden kann. Dann liegt meist ein langer Weg hinter ihnen. Viele haben monatelang auf einer Intensivstation verbracht. Auf der Station für Langzeitbeatmung geht Hoffmann mit ihnen den nächsten Schritt: Die Menschen sollen lernen, selbständig zu atmen und vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Bei manchen gelingt es. Andere können zwar nach Hause gehen, brauchen aber weiterhin eine 24-Stunden-Betreuung. "Uns ist besonders wichtig, dass wir alles tun, um die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen", betont Hoffmann. Das ist besonders bei jenen der Fall, die ihr ganzes Leben auf der Station verbringen werden. Wie bei Anton Krenn. Sein rechter Fuß wurde amputiert und er fährt im Rollstuhl. Obwohl er nicht mehr gehen wird, hat er eine Prothese bekommen. "Vor allem für sein Lebensgefühl ist sie wichtig. Er hatte so eine Freude damit, als er sie bekommen hat", erinnert sich Hoffmann. Hin und wieder geht eine Pflegerin mit Patienten neues Gewand kaufen. Kürzlich wollte eine Dame ihren Geburtstag zuhause feiern. Auch das wurde ermöglicht, indem eine Mitarbeiterin mit ihr für zwei Stunden nach Hause fuhr.

Diese intensive persönliche Betreuung ist es, was Astrid Hoffmann an ihrer Arbeit schätzt. 15 Jahre lang hat sie auf der Intensivstation gearbeitet. Vor drei Jahren wechselte sie auf die Langzeitbeatmung. "Hier habe ich den ganzen Tag Zeit für die Menschen", sagt sie. "Man kennt jeden Einzelnen und hat eine ganz andere Beziehung." Wenn jemand erst um 11 Uhr baden will, kann sie sich ganz auf ihn einstellen.

Begeistert ist sie auch von den Fortschritten. Wundmanager, Physio- und ErgotherapeutInnen sowie LogopädInnen arbeiten eng zusammen, was rasche Erfolge ermöglicht. "Es ist schön zu sehen, was die Menschen erreichen können, wenn sie von der Intensivstation kommen", sagt Hoffmann. Als die 63-jährige Ingeborg Bodinger auf die Station kam, wog sie nur noch 35 Kilo. Beruflich war die Ennserin ständig Papierstaub ausgesetzt gewesen, zusätzlich rauchte sie. Dadurch entwickelte sie eine chronische Lungenerkrankung. Bis vor fünf Jahren hatte sie ein aktives Leben geführt - Wandern und Bergsteigen standen regelmäßig am Programm. Ihre Lungenkapazität nahm jedoch so stark ab, dass sie schließlich nur noch zuhause sein konnte. "In den letzten zwei Jahren bin ich nicht mehr aus meiner Wohnung gekommen. Ich habe mich nur dahingeschleppt", erzählt sie. Seit fast einem Jahr ist sie nun auf der Station für Langzeitbeatmung. Hier lernte sie, mit dem Beatmungsgerät umzugehen. Sie nahm 16 Kilo zu, ist wieder mobil und hat gute Aussichten, wieder zuhause selbständig leben zu können. "Es gab Zeiten, da wollte ich einfach nicht mehr. Deswegen bin ich so dankbar über die gute Betreuung hier. Ich bin dadurch wieder fit geworden und habe Möglichkeiten, an die war vor zwei Jahren überhaupt nicht zu denken."