Betreuuen und Pflegen

Verliebt, aber nicht mehr ganz so stürmisch

Nach mehreren Jahrzehnten Ehe verloren Maria Derntl und Willi jeweils ihre Partner. Was sie nicht zu hoffen wagten, geschah: Sie verliebten sich neu.

Wenn Maria Derntl und Wilhelm Weid sich Blicke zuwerfen, dann weiß man: Da sind zwei im Herzen plötzlich wieder ganz jung. Die Liebe traf sie unverhofft im Seniorenwohnhaus. 

Maria Derntl hatte ein Jahr zuvor ihren Gatten verloren, mit dem sie 58 Jahre verheiratet war. „Ich war todtraurig und wollte eigentlich sterben“, erinnert sich die 85-Jährige. Doch Wilhelm Weid hatte schon ein Auge auf sie geworfen – und begann sie zu umwerben. Bei Maria Derntl brauchte es etwas länger. „Wenn man schon älter ist, hat man nicht mehr so viel Platz im Herzen“, sagt sie und wirft einen zarten Blick auf ihren Willi. „Aber dann bin ich auch erwacht. Ich habe ich mich gefragt, warum ich so kühl bin – der Herr ist doch eigentlich ganz nett. Und er hat sich so um mich bemüht.“ Mit einer Rose kam Wilhelm Weid aufs drei Stockwerke höher gelegene Zimmer. Als dann auch die Altersfrage geklärt war, war es um Maria Derntl geschehen. „Ich dachte, er ist jünger als ich. Das wäre für mich gar nicht gegangen“, sagt sie. Und der 90-Jährige freut sich: „Sie ist die einzige Frau, die mag, dass ich älter bin.“

Eineinhalb Jahre später ist die Liebe frisch wie eh und je. „Dass wir uns gefunden haben, ist ein großer Reichtum“, betont Wilhelm Weid. „Ich freue mich schon, wenn ich nur ihre Stimme höre.“ Und umgekehrt genauso: Maria Derntl genießt es, wenn ihr Willi ihr vorliest. Sie gehen gemeinsam in den Garten und spazieren vom Schattenbankerl zum Sonnenbankerl. Auf die Frage, was die beiden am liebsten miteinander machen, grinsen sie sich jedoch nur verschmitzt an. Willis Augen funkeln schelmisch. „Ach, was Verliebte halt so miteinander machen“, sagt er. Und seine Liebste setzt grinsend nach: „Nur nicht so stürmisch.“