Betreuuen und Pflegen

Ein Tag mit Claudia Markus, Fachsozialbetreuerin für Altenarbeit

In den eigenen vier Wänden alt zu werden ist der Wunsch vieler Menschen. Claudia Markus ermöglicht dies. Als Teil der Mobilen Pflegedienste der Caritas kommt sie zu SeniorInnen nach Hause, um ihnen den Alltag zu erleichtern. Ihr Credo: „Man muss die Menschen im Alter so lassen, wie sie sind.“

Der Arbeitstag von Claudia Markus beginnt morgens um 7 Uhr. Sie trifft am Stützpunkt der Mobilen Pflegedienste am Linzer Froschberg ein. Automatisch wird am Handy ihr Dienstplan aktualisiert und auf einen Blick sieht sie, wen sie an diesem Tag besuchen wird. Die 25-Jährige ist eine „Springerin“. Während andere KollegInnen großteils dieselben SeniorInnen betreuen, herrscht in Markus‘ Dienstplan mehr Abwechslung. „Ich mag diese Vielfalt. Mal ist ein Einsatz einfacher, mal schwieriger – es ist jedes Mal anders“, meint die gebürtige Salzburgerin. In die Mobile Pflege hat es sie eher per Zufall verschlagen. Bevor sie nach Linz zog, arbeitete sie im Krankenhaus in Salzburg. Die Mobile Pflege konnte sie sich damals nicht vorstellen. Beim Umzug ins Land ob der Enns gab sie ihr jedoch eine Chance. „In der Mobilen Pflege ist man überall unterwegs. So konnte ich Linz kennen lernen“, erinnert sie sich. Und sie blieb hängen. Mittlerweile kann sie sich nicht mehr vorstellen, wieder im Krankenhaus zu arbeiten. „In der Mobilen Pflege ist man eigenverantwortlich und übernimmt eine verantwortungsvolle Tätigkeit. Dadurch verfestigt man schnell sein Wissen und kann diese Kompetenz anwenden.“

Besonders wichtig ist ihr, dass der betreute Mensch im Mittelpunkt steht. Sie pflegt die SeniorInnen, wie sie es bei sich selbst wünschen würde. „Wir kommen in ihr Reich – wenn jemand den ganzen Tag einen Pyjama anhaben möchte, richte ich mich danach. Hauptsache, er fühlt sich wohl und kann so lange es geht seine Selbständigkeit erhalten.“ Hier sieht sie auch den großen Unterschied zur Arbeit im Krankenhaus. „Dort gibt das Pflegepersonal den Ton an und bestimmt, was geschieht.“

Von der Körperpflege übers Bandagieren bis hin zum Insulin-Spritzen und Frühstück herrichten – Claudia Markus unterstützt die SeniorInnen, wo immer sie Hilfe benötigen. Bis zu dreimal am Tag kommen die Mobilen Dienste je nach Bedarf in einen Haushalt. Die 91-jährige Ilse Wögerer bekommt täglich morgens und abends Besuch. „Ich will, so lange es möglich ist, hier in meinem ‚Schloss‘ bleiben“, meint sie mit Blick auf ihre 50m2-Wohnung. „Die Hilfe durch die Mobile Pflege hilft mir dabei. Die Betreuung tut Körper und Seele gut.“

Was SeniorInnen wie Ilse Wögerer täglich das Leben erleichtert, ist für viele jedoch nicht sichtbar – findet die Arbeit schließlich hinter „verschlossenen Türen“ statt. „Für das, was wir leisten, müssten wir eigentlich in jeglicher Hinsicht mehr gesellschaftliche Anerkennung und Unterstützung bekommen“, ist Markus überzeugt. „Viele denken sich, wir sitzen den ganzen Tag nur da und trinken Kaffee.“ Dass sie den Unterschied ausmachen, ob ein Mensch entgegen dem eigenen Wunsch ins Seniorenwohnhaus gehen muss oder weiter in den eigenen vier Wänden leben kann, wird oft unter den Teppich gekehrt. Dabei tragen sie zu etwas sehr Wertvollem bei: Lebensqualität im Alter.