Caritas Betreuerin mit Seniorin im Caritas Altenheim

Mit Musik gegen die Demenz

Isabella Gross leitet wöchentlich die Singerunden im Seniorenwohnhaus. Da Musik so stark mit Emotionen verknüpft ist, sprechen besonders Menschen mit Demenz darauf an.

Einmal pro Woche singt Musiktherapeutin Isabella Gross mit SeniorInnen, die an Demenzerkrankt sind. Die Musik weckt Erinnerungen, die oft schon verschüttet waren.

"Die Erinnerung, die bleibt mir stets gewiss", tönt es aus dem Gemeinschaftsraum. "Dass ich den Böhmerwald gar nie vergiss." Das Böhmerwaldlied ist ein alter Klassiker und klarer Favorit der Lieder-Hitparade im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus in Linz.

Am Tisch sitzen vier SeniorInnen und stimmen mit Musiktherapeutin Isabella Gross ein Lied nach dem anderen an. Die Klänge erfüllen alle Räume - und finden Anklang im ganzen Wohnbereich. Eine Bewohnerin schlurft mit dem Rollator vorbei und strahlt von einer Backe zur anderen. Als sie an der Singrunde vorbeigeht, beginnt sie die Hüften zu schwingen und will gar nicht weiter.

Im fünften Stock des Seniorenwohnhauses leben SeniorInnen, die an Demenz erkrankt sind. Einmal pro Woche kommt Isabella Gross hierher, spielt Gitarre und singt eine Stunde lang mit der Gruppe. Freude am Singen vermischt sich mit der Sehnsucht nach früher. Manche fühlen sich durch das Singen wieder jung. Andere werden traurig. "Alle Emotionen dürfen hervor kommen", meint Isabella Gross.

Eigentlich begann sie 2011 damit, Tanztherapie im Seniorenwohnhaus anzubieten. Mit der Zeit wurde das Singen jedoch immer gefragter - und übernahm schließlich den Hauptpart. "Im Gegensatz zur Bewegung kann beim Singen jeder mitmachen", erklärt Gross. Volkslieder, Schlager und Lieder aus früheren Jahren sind in der Musikpalette drin, vom "Petersbrünnele" bis zu "Kein schöner Land in unsrer Zeit".

Dass gerade bei Menschen mit Demenz die Musik eine beachtliche Wirkung zeigt, erlebt Isabella Gross in jeder Session. "Ich hatte einmal einen Mann in der Gruppe, der überhaupt nicht mehr sprechen konnte", erinnert sich die Grazerin. "Beim Singen waren die Worte aber wieder da." Auch wenn die Demenz weniger weit fortgeschritten ist, erlebt sie die Menschen nach dem Singen als wacher und klarer. Sie haben eine bessere Wahrnehmung, finden beispielsweise die Seitenzahlen im Liederbuch wieder und nehmen stärker auf das Hier und Jetzt Bezug. Für die Gemeinschaft ist das Singen ebenso förderlich. Oft bleiben die SeniorInnen noch länger sitzen, plaudern miteinander und erzählen von den Erinnerungen, die durch die Lieder gerade geweckt wurden. "Anfangs brauchte es viel Überzeugungsarbeit, damit sie mitmachen", weiß Gross. "Mit der Zeit trauen sie sich das Singen aber immer mehr zu - und spüren auch, wie gut es ihnen tut."