Caritas Betreuerin mit Seniorin im Caritas Altenheim

Junge Flüchtlingsfrau hat in der Altenarbeit ihre Berufung gefunden

Am Foto: Tenzin Sedon Rutok floh aus Tibet und arbeitet nun als angehende Fach-Sozialbetreuerin für Altenarbeit im Seniorenwohnhaus St. Bernhard, wo auch Norbert Muezel wohnt.

Vor vier Jahren floh die Tibetanerin Tenzin Sedon Rutok, damals erst 19 Jahre alt, vor der chinesischen Regierung nach Österreich. Mit Mut, Fleiß und viel Unterstützung aus der Bevölkerung in Engelhartszell erfüllte sie sich einen Lebenstraum. Sie arbeitet mit alten Menschen im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Bernhard: „Es ist ein Beruf, der mit Herz gemacht werden muss. Zudem erinnert er mich an meine Großeltern in Tibet. Das ist einfach schön.“

Seit Anfang Juni ist Tenzin als angehende Fach-Sozialbetreuerin Teil des Caritas-Teams im Seniorenwohnhaus St. Bernhard. Der Weg dorthin war nicht einfach. Aufgewachsen in Tibet kannte die heute 24-Jährige keine Schule oder Berufsausbildung. Sie und ihr älterer Bruder wurden vom Großvater zu Hause unterrichtet. Denn die Familie wollte, dass die Kinder ihre Sprache – Tibetisch – lernten, und nicht Chinesisch. Die elterliche Landwirtschaft sorgte für den Unterhalt bis sich Tenzin entschloss, Zivilcourage zu zeigen und öffentlich gegen die unzähligen chinesischen Verbote zu demonstrieren. Mit dem Resultat, dass Tenzin fortan von der chinesischen Regierung verfolgt wurde. Um Tenzins Leben zu retten, legte ihre Familie alles Geld für die Flucht zusammen. Von Nepal dauerte es einen Monat, bis sie in Österreich ankam. „Ich wusste nicht, wohin ich gebracht werde. Ich hatte alles zurückgelassen in Tibet. Am schlimmsten war es, meine Familie zurückzulassen. Ich wusste nicht, wie es weitergeht. Ich war sehr traurig – und habe viel gebetet“, erzählt Tenzin von dieser schlimmsten Zeit in ihrem Leben.

Freiwilliges Praktikum bei der Caritas

Im Oktober 2014 kam Tenzin in Österreich an und wurde im Flüchtlingsquartier in Engelhartszell untergebracht, wo ein pensionierter Lehrer zum Deutschunterricht kam. „Doch die Tage waren so lange. Als dann in der Flüchtlingsbetreuung eine Freiwilligengruppe für verschiedene Tätigkeiten in den Caritas-Einrichtungen St. Bernhard und invita gesucht wurde, meldete ich mich sofort“, erzählt Tenzin. Und das Freiwilligenpraktikum in der „Fähigkeitsorientierten Aktivität“ von Caritas invita sollte ihr Leben verändern: „Mir gefiel die Arbeit mit Menschen so gut, dass ich unbedingt eine Ausbildung in einem Sozialbetreuungsberuf machen wollte.“ Doch ohne Schulzeugnisse und ohne Ausbildung war daran nicht zu denken. Deshalb holte sie in Linz in drei Semestern die Pflichtschule nach. Danach startete sie die zweieinhalb-jährige Ausbildung zur Fach-Sozialbetreuerin am BFI (Berufsförderungsinstitut).

 „Es war nicht leicht, dass ich diese Ausbildung bewilligt bekam, weil sie lange dauert. Mir wurde nahegelegt, doch eine andere Ausbildung - wie zum Beispiel Friseurin - zu machen. Doch schließlich konnte ich das AMS überzeugen.“ Mittlerweile hat Tenzin auch die Heimhilfeausbildung abgeschlossen, die Pflegeassistenzprüfung mit gutem Erfolg bestanden und den Abschluss als Fachsozialbetreuerin in der Altenarbeit wird sie in einem halben Jahr in der Tasche haben.

Eine zweite Familie gefunden

Dass sie das geschafft hat, verdankt sie vielen Menschen – allen voran aber Marianne (63) und Wolfgang (70) Hochgaderer. Das Engelhartszeller Ehepaar lernte Tenzin bei einem Spaziergang mit ihrer Hündin Bella kennen. „Ich liebe Hunde und als Bella zu mir lief, musste ich sie streicheln“, erinnert sich Tenzin. Das Ehepaar kam mit der jungen Frau ins Gespräch und aus dieser zufälligen Begegnung entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Nach 8 Monaten Aufenthalt in der Flüchtlingsbetreuung, zog Tenzin zu Familie Hochgaderer. „Die beiden sind jetzt meine zweite Familie“, sagt Tenzin, die mittlerweile einen positiven Asylbescheid hat, überglücklich.

„Wenn ich zurückblicke, was in meinem Leben in den letzten Jahren passiert ist, dann ist das Wahnsinn. Nun bin ich sehr glücklich und danke allen Menschen, die mich unterstützt haben, dass ich das erreichen konnte. Dass ich nun in einem so schönen Beruf arbeiten darf, ist einfach wunderbar. Zu sehen, dass sich die Menschen freuen und dass sie dankbar sind, wenn ich da bin, und mit einem Gefühl nach Hause zu gehen, dass ich heute wieder etwas Gutes gemacht habe – das ist das Schönste daran.“