Auch im Alter noch Farbe bekennen

Ungeahnte Fähigkeiten entwickeln die BewohnerInnen im Seniorenwohnhaus Schloss Hall in der Maltherapie. Margarethe Bermadinger ist seit einem Schlaganfall rechtsseitig gelähmt. Kurzerhand wechselte die Rechtshänderin zum Malen auf die linke Hand und tupft seitdem mit dem Pinsel bunte Landschaftsgemälde.

Zeit ihres Lebens hatte die 88-jährige Margarethe Bermadinger für ihren Mann gesorgt und ihn gepflegt, als er schwer an Alzheimer und Parkinson erkrankt war. 2012 erlitt sie jedoch zuhause einen schweren Schlaganfall. Ihr Mann konnte ihr aufgrund seiner Demenz nicht helfen und auch keinen Notdienst verständigen. So blieb sie hilflos am Boden liegen und erhielt erst Stunden später Hilfe. Als Margarethe zwei Monate später aus dem Krankenhaus entlassen wurde - mit einer bleibenden rechtsseitigen Lähmung, ohne Sprache, mit Sondenernährung - war klar, dass sie nicht mehr zu Hause für sich alleine oder ihren kranken Mann sorgen konnte. Deshalb kam sie direkt vom Krankenhaus ins Seniorenwohnhaus Schloss Hall, wo sie heute gemeinsam mit ihrem Mann lebt - in gegenüber liegenden Zimmern. Doch selbst diese "Distanz" kann nicht am täglichen Ritual des Ehepaars rütteln: dem allabendlichen Gute-Nacht-Kuss.

Die Malerei ist für die Seniorin dabei eine willkommene Abwechslung, sich einmal ganz auf sich selbst einzulassen und von der Fürsorge um ihren Mann auch einmal abzuschalten. Die Bilder aus der Maltherapie sind im Café von Schloss Hall ausgestellt.