„Rooming in“: In der Nähe der Liebsten sein

Ein Mann und seine Mutter stehen im Freien für einem Baum und Sträuchern. Er hat den Arm um sie gelegt und schaut auf sie herab.

Seit 1. Juni 2015 bietet das Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna Angehörigen die Möglichkeit der Übernachtung im Kreise ihrer Liebsten an.
 
„In besonderen Lebenssituationen ist es für unsere BewohnerInnen oft hilfreich, wenn ihre Angehörigen ihnen nahe sein können. Deshalb bieten wir Angehörigen mit „Rooming in“ eine ordentliche Nächtigungsmöglichkeit, die über mehrere Tage hinaus in Anspruch genommen werden kann“, erklärt Heimleiter Michael Grabner den Hintergrund für dieses neue Angebot.

Bei Schwierigkeiten in der Eingewöhnungsphase, bei psychischen Krisen wie sie etwa im Rahmen eines dementiellen Schubes auftreten können oder in der Sterbephase wird „Rooming in“ ermöglicht. Das Angebot umfasst nicht nur die Bereitstellung eines Bettes, sondern auch die Verpflegung, Waschmöglichkeiten für die persönliche Wäsche usw. „Schon bisher konnten Angehörige insbesondere in der Sterbephase auch nachts in St. Anna bleiben, doch meist hieß dies: schlafen in einem Sessel und verunsichert zu sein, ob die eigene Anwesenheit tatsächlich erwünscht war“, bemerkt Grabner. „Mit „Rooming in“ möchten wir diesen Unsicherheiten vorbeugen und die Anwesenheit von Angehörigen über die reine Sterbephase hinaus ermöglichen.“

Die 90-Jährige Anna-Maria Kahr lebt seit knapp zwei Jahren in St. Anna. „Meine Lebensplanung hatte eigentlich keinen Heimaufenthalt vorgesehen – ich wäre gerne von meiner Tochter in Wien gepflegt worden“, erzählt sie wehmütig. Der rüstigen Seniorin ging es vor zwei Jahren von einem Tag auf den anderen akut schlechter – sowohl psychisch als auch physisch, so dass ein selbständiges Leben zu Hause nicht mehr möglich war. Da die Tochter die Pflege nicht übernahm, blieb nur der Heimeinzug. „Es ist schon schwer, auch wenn ich von allen gut versorgt werde“, sagt Frau Kahr, die bei schönem Wetter meist an einem schattigen Plätzchen im Garten anzutreffen ist. Am meisten freut sie sich über die regelmäßigen Besuche ihres Sohnes, von Tante Grete, Ausflügen nach Wien sowie über Besuche und Einladungen von langjährigen Freundinnen. „Ich organisiere es so, dass meine Mutter an mehreren Tagen der Woche Besuch bekommt oder ich nehme sie zu uns nach Hause mit“, sagt ihr Sohn Dr. Peter Kahr. „Meine Mutter bei uns daheim zu pflegen war alleine aufgrund meiner Berufstätigkeit und die meiner Frau nicht zu bewerkstelligen. Oft hatte ich ein Gefühl der Zerrissenheit, zu wenige Zeit für jeden zu haben - ich hätte nicht geglaubt, dass das Spannungsfeld zwischen Berufstätigkeit, eigener Familie und der Betreuung meiner Mutter so schwierig zu vereinbaren ist. Dank der Beratung durch die Caritas-Servicestelle Pflegende Angehörige wurde mir aber vieles klarer, und ich lernte mit der Situation besser umzugehen.“

„Er ist mein ein und alles“, verrät Anna-Maria Kahr mit einem liebevollen Blick auf ihren Sohn. Zu wissen, dass er in schwierigen Lebenssituationen bei ihr im Zimmer übernachten kann, bedeutet ihr viel. „Ich habe ein so inniges Verhältnis zu ihm, dass ich froh bin, ihn bei mir zu wissen, wenn es mir einmal nicht mehr so gut geht.“