Den Lebensmut nie verloren

Als Seelsorgerin war Anneliese Linner viele Jahre in Linzer Alten- und Pflegeheimen für Menschen da. Heute genießt die knapp 91-Jährige die Rundum-Versorgung im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna.

Im August 1925 in Deutschland geboren und aufgewachsen, erinnert sie sich an die nicht einfache Zeit. Der Vater war ein arbeitsloser Maschineneinrichter – und musste sich deshalb Anfang der 30iger für ein ganzes Jahr lang verpflichten, östlich von Moskau in Russland zu arbeiten.
Den 2. Weltkrieg erlebte sie als junges Mädchen. Nach der Schule lernte sie bei einem Rechtsanwalt und arbeitete hier – bis sie mit knapp 20 Jahren am 28. Juli 1945 heiratete und Deutschland verließ. Denn ihr Mann war Ottensheimer – und mit der Heirat wurde sie Österreicherin.
In ihrer neuen Heimat war es für sie nicht immer einfach, aber sie ging offen auf die Menschen zu, und so fühlte sie sich bald wohl in Österreich.

Leider gab es einen sehr schweren Schicksalsschlag in ihrem Leben, denn mit 36 Jahren verunglückte eines ihrer vier Kinder tödlich. Trotzdem verlor sie nicht ihren Lebensmut. Selbst mit über 70 Jahren fing sie eine neue Aufgabe an - und legte mit 74 Jahren die Prüfung als evangelische Seelsorgerin ab. Regelmäßig besuchte sie Senioren und Seniorinnen in mehreren Linzer Heimen. Sie bildete sich zum Thema Demenz weiter, weil ihr gerade Menschen mit dieser Erkrankung ein großes Anliegen waren.

Vor 10 Jahren wurde ein Hirntumor diagnostiziert, der sie für einige Zeit an den Rollstuhl fesselte. Doch auch diesen Schicksalsschlag meisterte sie in bewundernswerter Weise. „Ich besuchte dann halt die Menschen mit meinem Rollator“, lächelt sie.

Als sie sich vor über einem Jahr den Fuß gebrochen hatte und mit einem Gipsbein im Krankenhaus lag, stand für sie fest, dass sie nun in ein Alten- und Pflegeheim übersiedeln würde. Innerhalb von vier Wochen fand sie Aufnahme im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna – und feierte am 15. Juni ihr „Einjähriges“.

In St. Anna schätzt sie vor allem, dass sie ihren Alltag – trotz Rollstuhl – selbst bestimmen kann. Ihrem Hobby- der Näharbeit – geht sie nahezu täglich nach: mit ihrer Nähmaschine repariert sie Handtücher, sie strickt Patchworkdecken und Polster. Letzte Woche reparierte sie beispielsweise den Hemdkragen für einen älteren Herrn, der im selben Wohnbereich wohnt.

„Ich bin sehr gerne hier und könnte es mir nicht anders vorstellen“, sagt sie begeistert: „Besonders genieße ich den herrlichen Ausblick aus meinem Fenster in den Garten und die dahinterliegenden Wälder. Und natürlich die abendlichen Plauscherl mit den Caritas-Mitarbeitern.“