Betreuuen und Pflegen

Ein Tag in der Elisabeth Stub’n

Foto: Das Leberkäse-Semmerl, das Mini Hinterberger (links im Bild) jeden Freitag beim Spaziergang über den Markt kauft, teilt sie gerne mit der ganzen Gruppe. Durch den Ausflug sollen Menschen mit Demenz in einer ungekünstelten Umgebung wieder unter die Leute kommen.

 

Dreimal pro Woche öffnet die Elisabeth Stub’n, die Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz, ihre Pforten. Untertags können Angehörige ihre an Demenz erkrankten Familienmitglieder in die Einrichtung bringen und sich ohne Sorgen um Angelegenheiten kümmern, die sonst ins Hintertreffen geraten.

Eine Gruppe Seniorinnen schlendert über den Linzer Südbahnhofmarkt. Jede von ihnen wird von einer jüngeren Frau an der Hand gehalten. Das Schlusslicht der Gruppe: Mini Hinterberger. Das Ziel der 91-Jährigen ist ganz klar – das Leberkäse-Standerl im Zentrum des Marktes. Als sie ihr „Stammlokal“ erblickt, geht sie zielstrebig zur Theke, vorbei an der Schlange an wartenden Menschen. Ihre Begleiterin ruft sie vorsichtig zurück. „Ich glaube, wir müssen uns hinten anstellen.“ Unschlüssig blickt Frau Mini zwischen der Schlange und der Gruppe, die schon weitergeht, hin und her. „Ach so“, meint sie konsterniert. „Dann nicht.“
Als Marjane Matic, Betreuerin in der Elisabeth Stub’n, sieht, dass die Seniorin mit leeren Händen weitergeht, wird sie stutzig. „Wolltest du nicht Leberkäse kaufen?“, fragt sie. „Doch, schon“, gibt die Seniorin zu. „Aber da muss ich mich anstellen.“ Die Betreuerin lacht und räumt ein, dass es jedem so geht. Frau Mini stellt sich an – nicht ohne sich dabei selbst auf die Schippe zu nehmen. „Ich dachte, ich komme gleich dran. Weil ich so klein bin“, erklärt die 1,50m große Frau.

Der Trip zum Südbahnhofmarkt ist in der Elisabeth Stub’n jeden Freitag fix im Programm. Nach dem Frühstück startet die Gruppe, lässt sich durch den Markt treiben und es wird gekauft, was gebraucht wird – Obst, Blumen und für Frau Mini das obligatorische Leberkäse-Semmerl. „Menschen mit Demenz werden aus der Gesellschaft oft völlig ausgeschlossen“, meint Marjane Matic. „Deshalb finde ich es wichtig, dass sie durch den Ausflug wieder unter Menschen sind und das Gefühl bekommen, dass sie dabei akzeptiert werden, wie sie sind.

Bis zu acht Menschen mit Demenz sind pro Tag in der Elisabeth Stub’n. Zwei Caritas-Mitarbeiterinnen machen mit ihnen Gedächtnisspiele, backen Kuchen, begleiten sie auf Spaziergängen und überlegen sich immer wieder neue Ideen, um den SeniorInnen einen schönen Tag zu gestalten. Für die Angehörigen ist das eine große Entlastung. Sie können in dieser Zeit alles erledigen, das während der Betreuung zuhause schwer möglich ist oder oft mit der Angst verbunden ist, dass in der Zwischenzeit daheim etwas passieren könnte – Arztbesuche, einkaufen gehen, sich mit Freunden treffen, etc. Die Mitarbeit von PraktikantInnen und Freiwilligen ermöglicht die gute Betreuung. Bei Ausflügen wie auf den Südbahnhofmarkt oder Spaziergängen muss jeder individuell begleitet werden. „Ohne Freiwillige geht das nicht“, so Matic. „Sonst ginge jemand verloren.“
Die Tagesbetreuung stellt aber nicht nur für Angehörige eine Auszeit vom Betreuungsalltag dar. Manche nutzen dieses Angebot weniger für sich selbst, sondern für die zu pflegende Person. „Soziale Kontakte sind unseren Tagesgästen sehr wichtig. Hier treffen sie immer wieder unterschiedliche Menschen und sie können sich mit ihnen austauschen und plaudern“, erzählt Matic.

Mithilfe von Freiwilligen unverzichtbar
Wer sich in der Elisabeth Stub‘n freiwillig engagieren oder das Angebot der Tagesbetreuung für eigene Angehörige nutzen möchte, kann sich direkt an Marjane Matic wenden. Kontakt: Tel. 0676/8776-2530, tagesbetreuung(at)caritas-linz.at