Betreuuen und Pflegen

Liebt in Taten!

Foto: Caritas/Wakolbinger

Gastkommentar von Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich, in den Oberösterreichischen Nachrichten zum Welttag der Armen am 19. November 2017.

„Liebt nicht in Worten, sondern in Taten!“ Das sagt Papst Franziskus zum ersten „Welttag der Armen“, den er heuer erstmals am Elisabethsonntag, dem 19. November, ausgerufen hat. Er soll jetzt jährlich Christinnen und Christen daran erinnern, Solidarität und konkrete Hilfe zu leisten.

Gerade in der heutigen Zeit sind solche Botschaften wichtig, denn Armut kann jeden von uns einmal treffen. Oft sind es unerwartete Lebenskrisen wie Krankheit, Trennung oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Dann werden u.a. die ständig steigenden Mietpreise zur Armutsfalle – wie zum Beispiel bei einer Alleinerzieherin, die wie viele andere in unsere Beratungsstelle gekommen ist, weil die Wohnkosten für sie nicht mehr leistbar sind. Sie musste mit ihren zwei Kindern vor dem gewalttätigen Lebensgefährten flüchten und hat sich schnell eine kleine Wohnung angemietet – nachdem allerdings der Preis der privat vermieteten Wohnung über 7 Euro pro Quadratmeter lag, erhielt sie nach den Vorgaben in Oö. keine Wohnbeihilfe und konnte sich die Wohnung auf Dauer nicht leisten.

Armut und generell Menschen in schwierigen Lebenssituationen gehen uns alle an – und wir alle müssen füreinander Sorge tragen. In vielen europäischen Ländern wurde das als zentrale Aufgabe des Staates angesehen. Zu Recht – denn ein gut ausgebauter Sozialstaat, der für das Wohl aller Sorge trägt, gibt uns allen Sicherheit und sozialen Frieden. In Österreich hat dieses Bekenntnis zum Sozialstaat die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrisen abgefedert. Denn gäbe es keine sozialen Leistungen für Familien, bei Krankheit, bei Arbeitslosigkeit und die Pensionen im Alter, wären drei Mal so viele Menschen armutsgefährdet – derzeit sind es 1,2 Millionen.

Aktuell plant die oö. Landesregierung neben Kürzungen im Sozialbudget, bei denen noch nicht klar ist, welche Leistungen betroffen sein werden, gerade wieder den Zugang zur Wohnbeihilfe und zu gemeinnützigem Wohnbau für einzelne Personengruppen einzuschränken. Eine „soziale Treffsicherheit“ im schlechtesten Sinn: sie trifft genau jene, die wenig haben. Es ist schon ein Phänomen: Kürzungen und Einschränkungen gehen schnell über die Bühne, bei wirksamen Maßnahmen, z.B. um Wohnen wieder leistbarer zu machen, heißt es: bitte warten!

Es ist zu kritisieren, dass nicht wirklich etwas unternommen wird, „solidaritätsflüchtige“ internationale Konzerne und Einzelpersonen daran zu hindern, Billionen von Geldern in Steueroasen zu bringen. Das sind für mich die wahren „Sozialschmarotzer“. Statt hier Solidarität einzumahnen wird eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ der sozial Bedürftigen gezeichnet: die „Leistungsträger“, die sich soziale Leistungen verdient hätten  - und die wertlosen „Sozialschmarotzer“, die unser System ausbeuten würden.

Unser Papst ruft dazu auf, Liebe in die Tat umzusetzen – als einzelner ebenso wie als Gesellschaft.