Augustsammlung 2020

Hunger und COVID-19: Die doppelte Not

Hinter uns liegen unwirkliche Zeiten. Nun stellen Sie sich vor, Sie hätten diese Zeiten nicht in Österreich verbracht, wo es ein soziales Netz, genügend zu essen und sauberes Wasser aus der Wasserleitung gibt – sondern in einem der ärmsten Länder der Welt: etwa im Senegal, in Kenia, in Äthiopien. In einem Land mit einem schlechten Gesundheitssystem und mangelnder Hygiene.

Die Folgen für den, der Hilfe braucht, sind verheerend. Daher ist es ein Gebot der Stunde, jene Menschen, deren tägliche Mahlzeit bereits jetzt nicht gesichert ist, nicht allein zu lassen. 

In Afrika und den ärmsten Ländern der Welt war diese unwirkliche Zeit schon vor der Corona-Krise tägliche Realität. Existenzängste, der andauernde Kampf ums Auskommen und Hunger als ständiger Begleiter. Hunger, der jetzt durch COVID-19 dramatisch verschärft wird.

 

Jedes 7. Kind kommt untergewichtig zur Welt

In Afrika südlich der Sahara leidet jeder fünfte Mensch an chronischem Hunger. Weltweit kommt jedes 7. Kind dabei untergewichtig zur Welt. Und das, obwohl dank internationaler Hilfe und Spenden bereits Unglaubliches bewirkt wurde: Seit 1990 hat sich der weltweite Hunger halbiert, u.a. durch die Unterstützung von bäuerlichen Familien bei der Landwirtschaft und Tierhaltung sowie durch konkrete Maßnahmen gegen akute Unterernährung von Kindern. Die Caritas unterstützt weltweit 70 Projekte gegen den Hunger. Davon profitieren 240.000 Menschen. Dadurch können Familien mehr Getreide produzieren, Gemüse anbauen und Tiere halten, die ihnen auch in schweren Zeiten Einkommen sichern. Einige Familien sind dadurch unabhängig von externer Hilfe geworden.

 

Ausgangsbeschränkungen verschärfen Hunger

In den letzten Jahren ist Hunger jedoch wieder gestiegen. Ein Hauptgrund dafür ist der Klimawandel, der durch Dürren und Überschwemmungen katastrophale Auswirkungen auf die ländliche Bevölkerung hat. Die meisten Menschen im ländlichen Afrika leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, von geringen Erwerbstätigkeiten, vom Verkauf ihrer Ware auf Märkten oder kleinen Geschäften und Restaurants. Das ohnehin geringe Einkommen fällt durch die Lockdown-Bestimmungen völlig weg. Dazu kommen große Preissteigerungen vor allem bei Nahrungsmitteln. Viele Menschen können sich das Essen nicht mehr leisten und haben aufgrund der geschlossenen Märkte keinen Zugang dazu. Die Ärmsten, die im normalen Alltag schon um ihre tägliche Mahlzeit kämpfen müssen, schlittern nun noch tiefer in die Armut.

Hunger droht nun zur nächsten Herausforderung der Corona Pandemie zu werden. Die UN befürchtet sogar eine Verdoppelung des akuten Hungers – von derzeit 135 Mio. Menschen, die in einer akuten Ernährungssituation sind, auf 265 Mio. Menschen.

Wenn die Corona-Krise nicht die einzige Katastrophe ist

COVID-19 verschärft den weltweiten Hunger. Und das Coronavirus ist es auch, das Länder, die ohnehin von (Natur-) Katstrophen und Konflikten getroffen sind, noch weiter bedroht. Ein Beispiel dafür ist derzeit Ostafrika, wo riesige Heuschreckenschwärme die Ernte zerstörten. Oder Mosambik, wo zwei Zyklone erst letztes Jahr das Land verwüsteten. Helfen wir diesen Menschen, die jetzt vor dem Nichts stehen und um ihr Überleben kämpfen.

 

Glocken gegen Hunger - Aktionstag am 31. Juli 2020

Wir freuen uns sehr, dass die österreichische Bischofskonferenz heuer bereits zum vierten Mal die Aktion „Glocken gegen Hunger“ beschlossen hat: Am 31. Juli werden um 15 Uhr in ganz Österreich in den Pfarrgemeinden die Kirchenglocken fünf Minuten lang läuten. Das Läuten soll – zur Sterbestunde Jesu - darauf aufmerksam machen, dass täglich Menschen an Hunger sterben. Gleichzeitig soll das Glockenläuten auch zur Solidarität mit allen Menschen, die weltweit unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden, aufrufen.

Auch wir als Caritas bitten alle Pfarren der Diözese Linz um Unterstützung!

Hilfe in der DR Kongo

Die Demokratische Republik Kongo zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit über 20 Jahren engagiert sich die Caritas Oberösterreich in diesem Land um die Situation der Menschen zu verbessern. Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort können wir jetzt helfen:

  • Wir helfen im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus: Durch lokale MitarbeiterInnen können wir auch in entlegenen Gebieten auf Corona aufmerksam machen, informieren, wie wichtig es ist, Hände zu waschen, große Ansammlungen zu vermeiden und auch Seife und Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen.
  • Wir helfen mit Saatgut und Werkzeug: Die Caritas unterstützt schon seit vielen Jahren vor allem auch Bauernfamilien beim Bewirtschaften ihrer Felder – sodass sie genügend Ernte haben und sich ernähren können. Wir stellen Saatgut und Werkzeuge zur Verfügung, führen Gespräche mit lokalen Behörden, damit die lokalen Märkte in den Dörfern unter Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen geöffnet bleiben können.
  • Wir helfen eine nachhaltige Landwirtschaft aufzubauen: Unsere laufende Arbeit mit den Familien zeigt gerade in dieser Situation große Erfolge. Die Familien, die mit den Spenden der letzten Jahre ihre Landwirtschaft diversifiziert haben, also nicht nur eine Getreidesorte, sondern auch Bohnen, Gemüse, Obst anbauen und Tierhaltung betreiben, haben nun genug, um zumindest einige Zeit von der Ernte leben zu können. Damit können sie die schlimmste Situation abfedern. Diese Unterstützung weiterzuführen, ist überlebenswichtig.
  • Wir helfen mit Lebensmittel: Zudem braucht es Hilfe für jene, die durch den Lockdown keine Einkommensmöglichkeiten mehr haben, (z.B. sind viele auch gleichzeitig Taglöhner). Um die Menschen vor dem Hunger zu bewahren, hilft die Caritas jenen Betroffenen, die in unseren Projekten unterstützt werden, mit Lebensmittelpaketen. Die Pakete bestehen aus Reis, Bohnen, Öl und Zucker und sichern die Ernährung einer sechsköpfigen Familie für drei Monate.
  • Wir helfen mit Schutzmaterialien: Zusätzlich stattet die Caritas Krankenhäuser in der Hauptstadt Kinshasa mit medizinischen Schutzmaterialien aus.

Spendenbeispiele

Mit 20 Euro erhält eine Familie in Afrika Nahrungsmittel für einen Monat und wird umfassend über Covid-19 und Hygienemaßnahmen informiert.

20 Euro sichern notwendigen Milchzusatzbrei für drei Monate für ein Kleinkind – als erstes überlebenswichtiges Aufpäppeln zum Beispiel bei Komplikationskrankheiten wie Dehydrierung oder Malaria.

40 Euro ermöglichen den Kauf einer Ziege im Rahmen eines Landwirtschaftsprojekts für Kleinbäuerinnen. 

Mit 50 Euro sichern Sie 10 Familien ein Hygienepaket mit Seife, Schutzmaske und Desinfektionsmittel.

 

Augustsammlung digital durchführen?

Wir möchten Sie auf eine digitale Möglichkeit hinweisen, wie Sie in Ihrer Pfarre die Augustsammlung (unterstützend) durchführen können. Auf der Caritas OÖ Website besteht seit neuestem für BesucherInnen die Möglichkeit in wenigen Schritten eine eigene Spendenaktion anzulegen. Pfarren können dieses Angebot nutzen um Sammlungen in ihrer Pfarrgemeinde kontaktlos und sicher durchzuführen.

Lebensmittelpakete bewahren vor dem Hunger

Zaina ist 20 Jahre alt und wohnt mit ihrer 5-köpfigen Familie in Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo. Seit sie an der Kinderlähmung erkrankt ist, kann sie nicht mehr gehen. Die Caritas ermöglichte der jungen Frau eine SchneiderInnenausbildung und sie bekam als Starthilfe Nähmaschinen. Darüber hinaus erhielt sie medizinische Versorgung und Physiotherapie. Mit ihrem Beruf als Schneiderin hat sie bis jetzt, mit etwas Unterstützung ihrer Mutter, ihren Lebensunterhalt verdienen können. Doch die Corona-Krise änderte alles.

„Als Schneiderin habe ich Schwierigkeiten, Kunden zu finden, weil viele zuhause sind und nicht mehr arbeiten. Es gibt Tage, da habe ich keinen einzigen Kunden, keine Bestellung oder Reparatur-Auftrag. Vor COVID-19 haben wir das Beste aus den uns zur Verfügung stehenden Mitteln gemacht, aber die Zeit der Pandemie hat alles durcheinander gebracht. Das Leben ist so schwierig geworden, wir können uns kaum ernähren und überleben.“

Damit Zaina und ihre Familie keinen Hunger leiden muss, erhalten sie von der Caritas Lebensmittelpakete bestehend aus Reis, Bohnen, Öl und Zucker. Damit kann sich die Familie drei Monate lang ernähren.

Saatgut und Werkzeug für Gemüsebäuerinnen

Gladis ist eine Kleinbäuerin in einem Armenviertel in den Hügeln der Hauptstadt Kinshasa. 90 Prozent der Menschen leben dort an oder unter der Armutsgrenze und müssen monatlich mit 40 Euro pro Person über die Runden kommen. Die meisten ernähren sich von dem, was sie im eigenen kleinen Garten anbauen, da nur wenige ein geregeltes Einkommen haben.

Durch Covid-19 hat sich die Situation für sie und die anderen Kleinbäuerinnen enorm verschärft. Gladis kann ihr Gemüse nicht mehr verkaufen, weil keine Leute mehr zu ihr kommen.

„Das Überleben meiner Familie hängt von unserem Gemüseanbau ab. Wenn ich im Haus bleibe und nicht verkaufe, kann ich meine Familie nicht versorgen. Daher gehe ich lieber raus und versuche etwas zu verkaufen, um meine Familie zu retten“, erzählt Gladis.

Wir unterstützen sie und viele weitere Kleinbäuerinnen mit Saatgut, Werkzeugen, landwirtschaftlichen Schulungen und schaffen mit dem Bau von Trockentoiletten nicht nur bessere Hygienebedingungen sondern auch organischen Dünger. Die Ernte ist dadurch ertragreicher und die Gemüsepflanzen sind nahrhafter.