Elisabethsammlung 2019

Hilfe ist größer als Armut


Im November sammelt die Caritas wieder für armutsbetroffene und obdachlose Menschen in Oberösterreich. Oft ist sie für die Betroffenen die letzte Anlaufstelle, wenn es alleine nicht mehr geht.

Der Alkohol, die Schläge und diese ständige Angst. Schließlich wusste Frau K., dass es so nicht weitergehen kann. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion flüchtete sie mit ihrer Tochter aus der Wohnung ihres gewalttätigen Freundes. „Wir haben bei Freunden übernachtet, kurz bei meiner Mama und immer wieder in billigen Hotels“, erzählt die alleinerziehende Mutter. Von einem Tag auf den anderen schlitterten Frau K. und ihre Tochter in eine Armutssituation. Und sie ist damit nicht allein: Fast jede/r siebte ÖsterreicherIn war im Jahr 2018 armutsgefährdet. Das sind 1,2 Millionen ÖsterreicherInnen.

Neben langzeitarbeitslosen Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund sind vor allem Kinder und Jugendliche aus Ein-Eltern-Haushalten von Armut betroffen. 332.000 Kinder und Jugendliche in Österreich sind armutsgefährdet.

Obdachlosigkeit: Täglicher Kampf

Oft geht es rasch: Eine persönliche Krise, Kündigung, Überschuldung oder Delogierung drängt Menschen an den Rand der Gesellschaft. Sie verlieren ihren Wohnraum und damit auch ihren Schutz- und Erholungsraum. Sie müssen jeden Abend einen Winkel suchen, wo sie niemand findet, einen Platz, wo sie vor Wind und Wetter geschützt sind. Irgendwann ist die Verzweiflung zu groß, das Frieren unerträglich, die Ausgrenzung zehrt an Körper und Psyche.

Was Armut für die Betroffenen bedeutet

Armut bedeutet für AlleinerzieherInnen, am Monatsende zu entscheiden, ob sie etwas zu Essen kaufen oder die Wohnung heizen sollen. Armut bedeutet für Familien, einen großen Teil ihres Einkommens für Wohnen und Energie auszugeben. Armut bedeutet für Kinder, in feuchten, schimmligen Zimmern zu schlafen und zu spielen, weil die Wohnung nicht angemessen warmgehalten werden kann. Armut bedeutet für viele Haushalte, dass zusätzliche oder unerwartete Ausgaben finanziell nicht möglich sind: Keine Klassenfahrten, keine Reparatur der Waschmaschine oder der Heizung.

Egal, wie die konkrete Not aussieht – ob als armutsgefährdete Mutter oder als obdachloser Mensch - sie ist enorm belastend. Wer von Armut betroffen ist, verliert seine Freunde und zieht sich langsam aus der Gesellschaft zurück. Das Eingeständnis, kein Geld für einen Kaffeehausbesuch, einen Ausflug oder die Kinokarte zu haben, fällt auf die Dauer schwer. Extra-Ausgaben für kaputte Haushaltsgeräte, Geld für Schule, Kindergarten und Winterkleidung und der tägliche Kampf um die eigene Existenz bedeuten immensen Stress.

Wenn wir Not sehen, handeln wir

Als Caritas stehen wir für konkrete Hilfe. Von Mensch zu Mensch. Unser Ziel ist ein möglichst selbstbestimmtes und selbstverantwortetes Leben für alle in diesem Land. Meist braucht es nicht viel: Mit ein wenig Hilfe können wir Menschen in Not beistehen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und wieder auf die Beine zu kommen. Auch Frau K. hat sich mit ihrer Tochter an die Caritas gewandt. Gottseidank! „Als meine Tochter ihren ersten Geburtstag im Mutter-Kind-Haus gefeiert hat – mit Torte, Liedern und Geschenken – da haben wir beide vor Freude geweint“, erzählt sie heute.

Das Haus für Mutter und Kind und Krisenwohnungen in Linz oder der Hartlauerhof in Asten bieten verzweifelten Menschen eine Unterkunft und wieder Hoffnung und Kraft für einen Neuanfang.

In 12 Sozialberatungstellen in Oberösterreich steht die Caritas Menschen in Notlagen mit Beratung und finanzieller Überbrückungshilfe zur Seite.

SchülerInnen aus sozial benachteiligten Familien erhalten in sechs Caritas-Lerncafés kostenlose Lern- und Nachmittagsbetreuung, damit sie den Schulabschluss schaffen können.

Das Help-Mobil versorgt obdachlose Menschen und jene, die keine Krankenversicherung haben, medizinisch und mit warmer Kleidung, Schlafsäcken und Decken.

Wir bitten Sie auch heuer wieder, sich in Ihrer Pfarre mit der Elisabethsammlung für Menschen in Not in Oberösterreich einzusetzen!