Conny G. erzählt von ihrer Geschichte als pflegende Angehörige:

Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll.

ich glaube jeder mensch kann es nachvollziehen wenn man sagt: MEINE MUTTER IST DIE BESTE! 
 
ich hatte schon immer eine spezielle beziehung zu meiner mutter. schon von klein an, war sie immer für mich da mit bussis umarmungen und extra vorlese und rückenkratz zeit vor dem zu bett gehen. in der jugend war sei die coole mutter, die mir tipps fürs leben gab, anstatt mich mit hausarest zu hause zu halten. ich wurde früh selbstständig, ging studieren in eine stadt 4 stunden autofahrt weit weg von zu hause. doch der kontakt zu meiner mutter blieb über das telefon bestehen. ich verbrachte mal einen sommer zu hause und ging jeden tag mit ihr spazieren. der erste spaziergang war nicht länger als 20 meter. danach mussten wir umdrehen weil ihre knie so schmerzten. der letzte spaziergang war kilometerweit im mühlviertel rundherum ums haus. wir haben äpfel von den bauern stibitzt und über das leben gesprochen bis es dunkel wurde. dann mussten wir heim finden irgendwie. meine mutter und ich denken gerne an diesen sommer zurück. 
 
danach ging ich 4 jahre auf weltreise. mit meiner mutter im ständigen kontakt (meistens meldete ich mir wenn es mir schlecht ging oder ich liebeskummer hatte hihi) meine mutter sagte mir: wenn du dich nicht gemeldet hast wusste ich dass es dir soooo gut geht dass du nicht an zu hause denkst :)
 
im frühjahr 2016 bin ich nach hause gekommen und hab als kellnerin in sommer saison und winter saison gearbeitet. der moment den zu hause bestehenden bauernhof zu übernehmen lag noch in weiter ferne. mein vater ist 83 jahre alt, meine mutter 62. meine mum wollte damals noch nciht übergeben und ich hatte mich damit abgefunden, mein leben noch eine weile ungebunden zu genießen und geld zu verdienen. 
 
im oktober 2019 war es dann soweit. meine mum schrieb uns in die familiengruppe auf whatsapp dass man ihr 9 liter wasser aus dem bauchraum abgenommen hatte und die flüssigkeit untersucht wird. ich starrte damals auf einen 10 liter kübel und bekam angst. ich versuchte so schnell als möglich nach hause zu fahren (nicht so einfach wenn einem der chef nicht gehen lassen will) zu hause hielt meine mum meine hand und erzählte mir dass sie in der flüssigkeit krebszellen gefunden haben. und so begann unsere reise. 
nur eine woche danach musste ich sie wieder ins kh bringen und sie pumpten 8,5 liter ab. 
 
im akh besprachen sich die ärzte und beschlossen eine aufwendige operation durchzuführen.
wir wissen nicht ob Sie wieder aufwachen
 
wir wissen nicht wie schlimm die Situation ist und wir könnten auch gleich wieder zumachen 
es könnte alles gut gehen

es waren laaange schreckliche stunden die die op dauerte. doch meine mum hats gut überstanden. ich besuchte sie im kh. sie sah sooo zerbrechlich und klein aus. nicht mehr wie meine starke voller energie mama. ich war sehr erschrocken :( eine woche drauf schrieb sie in die familiengruppe dass sie eine notfallop hat weil der darm durchgebrochen ist. jetzt hat sie einen seitenausgang. 
 
für mich war klar, dass ich ab jetzt zu hause bleibe und auf den hof papa und katze aufpassen muss. alles nicht so einfach, denn ich komm mit meinem papa nicht klar. Zwischen uns liegt eine generation und die ansichten sind einfach sehr sehr sehr verschieden. es war soooo viel arbeit und eine nervliche belastung!!!. ich hab mama pflegebett und alles erdenklich notwendige besorgt um es ihr so angenehm wie möglich zu machen.
 
die erste chemo haben wir gut überstanden. ich hab ihr jeden tag in der früh frisch gepressten roterübensaft mit karotte und apfel gemacht. immer frisch und gut gekocht und mit ihr spaziergänge gemacht. ich musste dreimal am tag kochen .. denn papa isst nur hausmanskost und ich bin veganerin. es war und ist nicht einfach zu hause. Manchmal war ich so müde, dass ich zum schluss für mich nur noch Spaghetti mit tomatensauce gemacht hab. Aber trotz aller anstrengungen und bemühungen hab ich immer das gefühl es meinem vater und auch meiner mama teilweise nicht recht machen zu können. Das braucht dann nochmal doppelt soviel energie und guten zuspruch an sich selber, den ich mir aber leider nie gegeben hab.
 
wir beschlossen den hof zu übergeben sobald es mit mama schnell bergab gehen sollte. nach der ersten chemo bekam sie ihr mrt an meinem geburtstag 24. april zurück auf dem stand dass sie krebsfrei ist. wir fielen uns mit tränen in die arme. ich hatte mich soooo unendlich gefreut. irgendwie ist ihr bei den spaziergängen die luft immer weggeblieben. sie dacht dass es vielleihct die polen allergie ist. doch es wurde schlimmer. und wir landeten wieder im krankenhaus. sie pumpten 1,5 liter wasser aus dem rechten lungenflügel und fanden einen aggressiven krebs im pleuralraum. die welt zerbrach aufs neue und auf eine ganz andere weise. wir hatten dass gefühl dass alles umsonst war. die ganze anstrengung. dass es jetzt viel schlimmer ist.
 
wir meldeten uns bei der mobilen paleativ und sind echt froh so eine liebe betreuerin bekommen zu haben. spaziergänge gabs keine mehr. eine freundin borgte uns einen rollstuhl mit dem ich meine mama ein paar mal im haus herumschiebte. wieder chemo. mama gings so schlecht dass ich seither bei ihr im wohnzimmer schlafe. in der nacht fahr ich sie mit den rollstuhl zum klo zum seitenausgang leeren. manchmal ist sie so schwach dass ich ihn im bett leere. ich helf ihr beim duschen, seitenausgangwehcseln. ich koche ich wasche ich putze und versuche mit ihr wertvolle zeit im garten zu verbringen. wir hatte momente wo sie nicht mehr reden konnte und in panik aufgelöst nach der letzten ölung vom pfarrer schrie. ich wollte die rettung rufen. es ist alles nicht so einfach aber es geht ein wenig bergauf. jetzt steht der letzte chemo gang bevor und wir hoffen sooooo sehr dass es gut ausgeht und meine mama noch eine weile hier bleibt.
 
der hof wurde nach dem schock mit der letzten ölung übergeben und sorgte für Aufruh in der familie. Ich glaube, wenn in der familie jeder gesund ist, sind übergaben schon sehr schwierig. Bei uns jedoch wurde die mama, das herz der familie krank und alles wurde dadurch so extrem emotional. Ich kann nicht für meine schwestern sprechen. Ich denke dass es unglaublich schrecklich sein muss, zu wissen wie es der mama geht, aber nicht wirklich etwas tun zu können. Beide haben selber eine familie die ihre ganze energie und liebe brauchen. Der „segen und fluch“, den ich habe (mich um die mama 24 stunden hautnah zu kümmern und zeit mit ihr zu verbringen) geht für die zwei leider nur selten.

der hof ist alt und überall wo ich etwas anfange, begegnen mir gleich 20000 bis 50000 euro investition. ich bin alleine und diese verantwortung, den hof GUT zu führen, macht noch zusätzlichen druck. Ich war jetzt gott sei dank wegen corona arbeitslos aber fang ab september wieder als kellnerin beim dorfwirtn an (die ist toll und meldet mich nur mit 11 stunden an und meinte dass ich jederzeit nach hause kann wenn was mit meiner mama sein sollte) eine 40 stunden arbeit wäre schlicht UNMÖGLICH... 
 
ich bin gefühlt 10 jahre älter geworden als ich bin. die energie geht mir langsam aus. aber ich will meine mama nicht im stich lassen und kämpfe!!!!
 
eine auszeit bzw ein urlaub für mich und mama wäre ein tolles geschenk!! hauptsache mal weg von allem und abenteuer erleben und wieder lust am leben bekommen !!!!! 
 
ich drücke uns die daumen und einem jeden anderen denn WIR HABEN ES ALLE VERDIENT!!!! :)
 
eure conny"

Conny G. mit ihrer Mama