Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

„Was, ihr habt 3.300 MitarbeiterInnen?“

Franz Kehrer, MAS, Direktor der Caritas in Oberösterreich weiß um die hohen Anforderungen an die MitarbeiterInnen im Sozialbereich. Er sieht die Caritas deshalb sehr bemüht, bestmögliche Rahmenbedingungen für die MitarbeiterInnen zu schaffen.

Groß ist oft das Erstaunen, wenn ich die Zahl unserer angestellten MitarbeiterInnen in Oberösterreich nenne. Denn es überwiegt die Ansicht, dass wir vor allem ehrenamtliche MitarbeiterInnen haben. Dabei ist vielen nicht bekannt, in wie vielen sozialen Feldern die Caritas tätig ist. An rund 370 Standorten in ganz Oberösterreich erbringen wir Hilfs- und Dienstleistungen für rund 40.000 Menschen jährlich. Ein großer Teil davon sind soziale Dienstleistungen, die wir in Auftrag und Kooperation mit staatlichen Stellen (Bund, Land oder Gemeinden) erbringen.

Pionierarbeit in verschiedenen sozialen Feldern

In vielen Bereichen, in denen wir arbeiten, haben wir langjährige Erfahrung und oft Pionierarbeit geleistet, lange bevor der Staat diese Aufgaben als sozialstaatliche Verantwortung gesehen hat. Mit der Durchführung sozialstaatlicher Leistungen werden Organisationen wie die Caritas beauftragt, weil sie meistens bereits Erfahrungen in dem einen oder anderen sozialen Feld haben und die Aufgaben daher professionell und mit hoher fachlicher Qualität erfüllen können.

Solche Leistungen sind bei uns in der Caritas OÖ unter anderem:

  • Mobile Pflegedienste,

  • Seniorenwohnhäuser,

  • Mobile Familiendienste,

  • Kindertageseinrichtungen,

  • verschiedene Wohn- und Betreuungsformen für Menschen mit Beeinträchtigungen oder psychischen Erkrankungen,

  • verschiedene Therapieangebote und Berufsqualifizierung für Menschen mit Beeinträchtigungen,

  • einzelne Einrichtungen für Obdachlose,

  • Quartiere und Betreuung von AsylwerberInnen und Angebote zur Integration von MigrantInnen.

Vom Staat finanziert

Die vertragsgemäße Leistungserbringung wird von Seiten des Staates finanziert. Die Abrechnung wird von unseren Partnern der öffentlichen Hand sehr genau geprüft und wir haben dafür umfangreiche Dokumentationen zu erbringen. Als gemeinnützige Organisation arbeiten hier wir selbstverständlich nicht gewinnorientiert.

Auf Spenden angewiesen

Auf Spenden angewiesen sind wir bei Hilfsangeboten, die nicht oder nur wenig von der Öffentlichen Hand finanziert werden. So wird zum Beispiel ein großer Teil unserer Arbeit für Menschen in Not in Oberösterreich und im Ausland aus Spenden finanziert. Das sind zum Beispiel 12 Caritas-Sozialberatungsstellen, acht Lerncafés zur Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien, ein „Help-Mobil“ und Krisenwohnungen für Obdachlose, ein Haus für Mutter und Kind und vieles mehr. Mit Partnern in Afrika und Osteuropa betreut unsere Auslandshilfe über 100 Hilfsprojekte jährlich.

In der Betreuung von Meschen muss genügend Zeit sein

Als Dienstgeber bemühen wir uns sehr darum, unseren MitarbeiterInnen, von denen rund 70 % in Teilzeit arbeiten, gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu bieten. Denn die Arbeit im Sozialbereich ist zwar sehr erfüllend, stellt aber auch hohe Anforderungen an die MitarbeiterInnen. Menschen in schwierigen Lebenssituationen professionell zu begleiten, sie in ihren Fähigkeiten zu fördern und ihnen neue Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen, erfordert neben fachlichem Know-how auch sehr gute soziale und emotionale Kompetenzen.

Die Herausforderung ist, den Wert sozialer Arbeit gegenüber unserer Gesellschaft sowie unseren staatlichen Auftraggebern zu vermitteln und das Bewusstsein zu schaffen, dass die Finanzierung der Leistungen auch gute Rahmenbedingungen für die MitarbeiterInnen ermöglichen muss. Die Bezahlung unserer MitarbeiterInnen liegt im Schnitt im Mittel der Sozialbranche. Wir haben aber immer mit sehr knappen Budgets auszukommen, was in einzelnen Bereichen viel Arbeit für wenige MitarbeiterInnen bedeutet. Gerade in der Betreuung von Menschen ist das allerdings hochproblematisch, wenn nicht ausreichend Zeit zur Verfügung steht.

Franz Kehrer, MAS
Direktor der Caritas in Oberösterreich