Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Tiefe Betroffenheit bei Exkursion

Während der zweijährigen Ausbildung zur Fachsozialbetreuung Altenarbeit werden die angehenden Betreuungs- und Pflegefachkräfte umfassend geschult. Neben pflegefachlichen Themen beschäftigen sie sich z.B. auch mit der Rolle der Pflegenden im dritten Reich. „Im Rahmen der Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Entwicklung der Pflege, haben wir auch versucht zu ergründen, in welchen Betreuungsbereichen und -situationen Gewalt entstehen kann und welche Risikofaktoren dazu beitragen“, erklärt Karin Bräuer, MBA, Lehrende für Gesundheitsberufe. „Denn unsere Studierenden sollen für sich entdecken und erkennen, was uns Menschen einlädt, anderen Menschen Leid zuzufügen. Das Ziel dabei ist, achtsam mit anderen, reflektiert mit sich und wachsam im Beruf tätig zu sein.“

Deshalb machte sich die Klasse 3C im Unterrichtsfach „Berufskunde und Ethik“ am 7. Juni 2017 gemeinsam mit Bräuer auf den Weg in das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen. Zwischen 1938 und 1945 waren etwa 190.000 Menschen aus mehr als 40 Nationen in den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen oder in einem der Außenlager inhaftiert. Mindestens 90.000 Personen wurden getötet.

Der Rundgang startete unterhalb der Lagermauer, an der Steinbruchkante und im Denkmalpark auf dem Gelände des ehemaligen SS-Lagers. Anschließend wurde das ehemalige Häftlingslager betreten. „Wir hatten eine sehr professionelle Führung, die kompetent auf alle Fragen eingegangen ist“, reflektiert Bräuer. „Die Klasse war tief betroffen. Viele Studierenden waren bereits in der Pflichtschule hier, haben aber diesen Besuch wesentlich intensiver wahrgenommen.“

Hier die Eindrücke der Studierenden:

  • Erst wenn man älter ist, kann man die Tragweite des Geschehens so richtig verstehen.
  • Ich finde, ich hatte und habe wahnsinniges Glück, dass ich so aufwachsen durfte, so leben darf und dass unsere Kinder in dieser Zeit leben dürfen.
  • Ich könnte mir mit keiner Faser meines Körpers vorstellen, solche Qualen ertragen zu müssen.
  • Es schmerzt nur bei der Vorstellung daran, was diese armen Leute durchmachen mussten.
  • In Bezug auf die heutige Zeit, gilt es die Demokratie zu wahren. So etwas darf nie wieder passieren!
  • Für meine berufliche Laufbahn nehme ich mir mit, Menschen stets so gut es mir möglich ist würdevoll zu behandeln.
  • Es fängt oft bei kleinen Dingen an. Man sollte sein Tun (oder Lassen) stets reflektieren und darüber nachdenken, wie man sich selbst an Stelle des anderen fühlen würde.

Niemand muss die ganze Welt verbessern, aber am Abend mit dem Gedanken sein Bestes gegeben zu haben nach Hause zu gehen, ist ein Anfang.