Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Bioethik: Wie gehen wir als Gesellschaft mit Menschen um?

Die Abschlussklasse 4C von Mag.a Ursula Robausch-Weichhart stellt sich diesem Thema sehr offen bei einem Besuch der Gedenkstätte in Schloss Hartheim im Jänner 2020.

In der Schule für Sozialbetreuungsberufe am Linzer Schiefersederweg werden nicht nur praktische Aspekte der Pflege und Betreuung gelehrt. Die angehenden Fach-SozialbetreuerInnen werden auch angeregt, sich mit ethischen und moralischen Fragestellungen auseinander zu setzen. Um der Bedeutung dieses Themas Ausdruck zu verleihen, wurde die Gedenkstätte in Schloss Hartheim besucht. Mag.a Ursula Robausch–Weichhart hatte für die Klasse der Fachrichtung Altenarbeit einen Workshop mit dem Titel „Bioethik/Biomedizin: Menschenzucht“ gebucht.

„Wir haben in der Schule schon über viele Aspekte der Bioethik und Biomedizin gesprochen, aber hier wurde vieles zusammengeführt“, resümierte eine Schülerin. Es ist bedrückend und erschreckend, dass während des 2. Weltkriegs in Hartheim so viele Menschen systematisch getötet wurden. „Die persönlichen Besitztümer der Menschen, die hier gestorben sind, ihre Fotos und Biografien machen die unglaubliche Zahl der Toten fassbar“, bemerkte ein Schüler.

Die SchülerInnen setzten sich auch mit der Frage auseinander, wie es wohl den Menschen, die in der Umgebung wohnten, damit ging. Sie versuchten verschiedene Aspekte anzusprechen. Einerseits wurde von SchülerInnenn gesagt „Mutig wie ein Löwe muss man für seine Einstellungen und Haltungen eintreten“, andererseits mutmaßten sie, dass sich AnrainerInnen vor negativen Folgen für sich und ihre Familien schützen wollten. Nicht zu vernachlässigen sei, dass dieses Gedankengut schon Jahre vorher in der Bevölkerung verankert gewesen ist. Schloss Hartheim jedenfalls ist mit seiner Gedenkstätte ein wichtiger Ort gegen das Vergessen.

Einen Sprung in die Gegenwart gelang mit dem Lesen und Diskutieren von Artikeln über den Einsatz von Robotern in der Pflege, Euthanasie heute und den Einsatz von Reproduktionsmedizin. Auch die Tatsache, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben, wurde festgehalten, wobei nicht vergessen werden darf, wohin das schon einmal führen konnte.

Zeitlich fiel der Besuch in Schloss Hartheim mit der großen israelischen Befreiungsfeier für das KZ Auschwitz zusammen. „Wer vergessen wird, stirbt ein zweites Mal“, sagen die Juden. Und gerade auch deshalb ist es wichtig, sich mit den Geschehnissen der Vergangenheit auseinanderzusetzen und nicht zu vergessen.