Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Ansprache zur Diplomfeier

 

Sehr geehrte Festgäste, liebe Absolventinnen und Absolventen!

Erlauben Sie mir bitte, als Schulleiter ein paar Worte an Sie zu richten.

Ein  langer, drei Jahre dauernder Weg der Ausbildung liegt hinter Ihnen. Manche von Ihnen setzen diesen Weg an unserer Schule vielleicht sogar wieder einmal fort (BA-Modul)?

Ich möchte einen zeitnahen Rückblick auf die von Ihnen so erfolgreich absolvierten Diplomprüfungen machen.

Mir kamen – als ich Ihnen bei den Prüfungen zuhören durfte – einige Punkte in den Sinn, die ich an dieser Stelle aufgreifen möchte.

„Bildung beginnt mit Neugierde!“ schrieb der Philosoph und Pädagoge Peter Bieri einmal.

Schon vor einiger Zeit wählten Sie neugierig einen Themenschwerpunkt mit Blick auf Ihre mündliche Prüfung. Das fiel Ihnen am Anfang sicher nicht leicht. Es galt ja Verantwortung zu übernehmen, ein Thema zu suchen, dieses zu formulieren und auch mit den Prüfenden abzustimmen.

Das Ergebnis dieses Prozesses war jedoch ein wunderbares!

Diese in Ihnen geborene Neugierde zeigte sich quer durch alle Prüfungen zum Teil auch in Ihren Aussagen wie: „Das ist mein Thema!“

Der Soziologe Hartmut Rosa spricht mit Blick auf diese Neugierde als Basis für Bildungsprozesse von Weltbeziehungen.

Er meint, dass wir Menschen gefühlte Beziehungen zur Welt ganz allgemein, zu den uns umgebenden Menschen und vielleicht sogar zu den Dingen bräuchten.

Es geht also darum, mit dem Herzen dabei zu sein!

Diese gefühlte Beziehung erlaubt das Empfinden von Sinn! (Viktor Frankl)

MEIN AUTO, MEIN HAUS, MEINE FREUNDE, MEIN BERUF, MEIN THEMA (Diplomprüfung)

Man kann auch sagen, dass jede Beziehung von dieser inneren Beteiligung erst lebt.

Hartmut Rosa spricht von Resonanzbeziehungen. Resonanz kann man umschreiben mit: Etwas zum Klingen bringen!

Bei Ihren Diplomprüfungen brachten Sie etwas zum Klingen!

Zudem ist aber wichtig zu wissen was richtig ist. Es geht also in der Sozialbetreuung neben diesem gefühlten Zugang zur Welt auch um das Wissen um das Richtige!

Es ist eben nicht jedes Handeln richtig. Dazu brauche ich Wissen und die Bereitschaft auch weiterhin mich und meine Weltbeziehungen mit Wissen zu versorgen.

Das erst schafft Professionalität! Auch das fiel mir bei Ihren Diplomprüfungen auf. Sie können mit Wissen Situation beschreiben und in Situationen auch danach handeln.

Sie haben sehr schön in Verbindung mit ihrem Fallbeispiel angegeben, wie Sie die gefühlte Betroffenheit in unterschiedlichen praktischen Situationen zu kultivieren gedenken.

Auch dieser Zugang beeindruckte mich sehr.

Ich wünsche mir, dass Sie diesen Weg der Bildung weiter beschreiten:

A: Sich das Herz für die Welt, die Menschen die Dinge offen zu halten, neugierig zu bleiben!

B: Sich denkend mit der Welt, den Menschen, den Dingen weiter zu beschäftigen. Und Denken im Sinne von Hanna Arendt meint: „A still dialog with myself!“ Immer wieder Auseinandersetzung mit mir selbst!

C: Und: Bleiben Sie Leser/innen! So gewinnt man eine Außenperspektive.

Stellvertretend für meine Kolleginnen und Kollegen möchte ich auch sagen:

Danke, dass wir Sie auf diesem Weg auch ein Stück haben begleiten dürfen!

Ihnen alles Gute!

 

Dr. Helmut Rockenschaub, Direktor – im Juli 2016