Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Schütteln und Schlagen: Aus Rahm wird Butter!

Foto: Jonathan Burghofer

Ein einzigartiger Nachmittag erwartete die SeniorInnen des Sonnenhofs Lenaupark Anfang April. Denn der 26-jährige Simon Diendorfer, Studierender an der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe am Linzer Schiefersederweg, hatte sich für sein „Fachprojekt Altenarbeit“ etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Er wollte „Erinnerungsarbeit“ praktisch umsetzen. Mit seinem Projekt sollten sich die SeniorInnen an ihre Kindheit und Familie, an das aufwändige Arbeiten mit altertümlichen Haushaltsgeräten, an die geleisteten mühsamen Hausarbeiten und an die Bedeutung von Lebensmitteln sowie deren Herstellung im Alltag erinnern. Gleichzeitig sollten ihre Sinne sensibilisiert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, wollte er gemeinsam mit den SeniorInnen aus Rahm Butter erzeugen und anschließend verkosten. „Da ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, war es für meine Familie und mich alltäglich, die Hausarbeiten teilweise mit altertümlichen Haushaltsgeräten zu bewältigen“, so Diendorfer. „In jedem Gerät steckt eine Geschichte und jede Handbewegung wurde jahrelang verfeinert. Meine Eltern und Großeltern legten viel Wert auf die genaue Durchführung und erzählten gerne Geschichten aus ihrer Jugend. Mir gefiel immer die Vorstellung, dass ich einen Teil ihrer Geschichte zu meiner machen konnte und dieselben Handgriffe und Tätigkeiten erlernte wie sie vor vielen Jahren. Auch ich verbinde diese Gegenstände mit meiner Kindheit und dem Gefühl von meinem Zuhause. Ich wollte dieses Gefühl auch bei anderen hervorrufen und holte deshalb die alten Materialien zur Butterherstellung hervor.“

An besagtem Nachmittag warteten nicht nur die acht angemeldeten SeniorInnen auf Simon Diendorfer, sondern insgesamt 15 Personen. Jede Person erhielt von Diendorfer ein mit Rahm gefülltes Glas, mit dem die SeniorInnen ihre eigene Butter und Buttermilch durch Schütteln herstellen konnten. Diendorfer hatte allerdings auch ein altes Butterfass mit, das von allen begeistert begutachtet und schließlich gemeinsam verwendet wurde. „Das ist als wäre es 1940!“ sagte ein Herr, als er die Kurbel des Butterfasses in der Hand hatte. Dass sich nebenbei eine angeregte Unterhaltung ergab, sorgte zusätzlich für die Kurzweile des Nachmittags.

Am Ende der mühevollen Lebensmittelherstellung hatten alle SeniorInnen ihre eigene Butter und Buttermilch, die im Anschluss gemeinsam mit frischen Kartoffeln und Brot verspeist und aufgrund der vielen Handarbeit besonders gewürdigt wurde.

  • © Jonathan Burghofer

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