Interview mit Eirene Braden, Leiterin des Pflege- und Betreuungsdienstes im Seniorenwohnhaus St. Anna

Pflegedienstleiterin Eirene Braden freut sich mit den Gästen über die gute Stimmung bei einer Veranstaltung.

Eirene Braden arbeitet seit 11 Jahren im Seniorenhaus St. Anna am Froschberg in Linz. Dort leben 86 BewohnerInnen, großteils betagte und pflegebedürftige Menschen und sehr viele mit Demenz. Sie arbeitet dort als Leiterin der Pflege- und des Betreuungsdienstes. Sie hat das Wohlbefinden aller im Haus - BewohnerInnen, MitarbeiterInnen und Freiwilligen - im Blick. Ein besonderes Anliegen ist ihr, dass die BewohnerInnen im Haus so sein dürfen, wie sie sind.

Eirene Braden ist überzeugt, dass ohne dem unverzichtbaren Dienst der Freiwillige vieles nicht möglich wäre!

Wie ist die Freiwilligenarbeit im Haus enstanden?

Begonnen hat es damit, dass Freiwillige angefangen haben, bei uns zu helfen, sie waren einfach da und gingen wieder. Einige ehrenamtliche MitarbeiterInnen sind auch über die Pfarre über die zuständige Seelsorgerin Eva Huber zu uns gekommen. Manche blieben und die neuen MitarbeiterInnen wussten oft nicht mehr so ganz genau Bescheid, wer sie waren und was genau sie hier arbeiteten.

Diese wertvollen Freiwilligen waren glücklicherweise da! Was aber unbefriedigend war, war die Tatsache, dass die Begleitung nicht koordiniert war, keiner von uns den Überblick hatte, was ablief und Freiwillige oft keine Ansprechperson hatten.

Wie hat sich diese im Haus weiterentwickelt?

Wir haben dazu mehrere Anläufe gebraucht, damit wir Freiwilligenarbeit besser organisieren konnten. Wir bekamen teilweise gar nicht mit, was Freiwillige alles so tagtäglich leisteten. Wir haben Sabine Mörzinger, die das Haus und die BewohnerInnen wie auch die KollegInnen gut kannte, dafür gewinnen können, sich als Freiwilligenkoordinatorin anzunehmen. Sie absolvierte einen Lehrgang für diesen Bereich und fing an, die Freiwilligenarbeit zu koordinieren. Sie sorgt nun für klare Abläufe und Strukturen. Der Bogen ihrer Tätigkeit spannt sich vom Erstgespräch bis zur Begleitung. Eine Ansprechperson, die sich Zeit nimmt, ist vor allem dann wichtig, wenn etwas mal nicht so rund läuft. Außerdem geht es uns darum Freiwillige in unser alltägliches Handeln gut einzubinden und auch bei Festen zusammen mit ihnen zu feiern. Da Frau Mörzinger selbst jahrelang als Fachsozialbetreuerin in der Altenarbeit hier tätig war, ist sie mit ihrer Begeisterung für diese Aufgabe die optimale Besetzung.

Welche Aufgaben übernehmen Freiwillige im Haus?

Ausflug zur Landesgartenschau 2019

Wir gestalten zusammen Feste im Jahreskreis und wir machen Ausflüge! Es gibt durch das Kirchenteam regelmäßige Messen und Begleitung zu den Gottesdiensten, Handarbeitsrunden und vieles mehr. Dann gibt es noch die Tagesbetreuung in der Anna Stuben, wo unsere Freiwilligen fix mit Hauptamtlichen dreimal die Woche ein Angebot zusammenstellen.

Viele AsylwerberInnen kamen 2015 und helfen uns seither bei Haushaltsaktivtäten. Diese Hilfe von Menschen die nicht die selben Sprachkenntnisse wie Einheimische haben ist sehr wertvoll! Mittlerweile haben auch sie ihren festen Platz in unserem Betrieb. Besonders freut es mich, wenn dann, wie ich neulich erfahren habe, aus einer freiwilligen Tätigkeit die Zulassung zu einer Ausbildung im Pflegebereich resultiert!

Was würde den BewohnerInnen und euch (hauptamtlichen MitarbeiterInnen) fehlen, wenn es diese Unterstützung durch Freiwillige nicht gäbe?

Als Freiwilligenkoordinatorin Sabine Mörzinger grob überschlug, dass in St. Anna pro Jahr 2800 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet wird, war ich ziemlich beeindruckt. Ich fand es unglaublich! Daher habe ich mir vorgenommen, bewusster zu beobachten, was Freiwillige eigentlich im Haus für unsere BewohnerInnen und indirekt auch für uns Hauptamtliche leisten:

Einmal haben wir beispielsweise an einem Tag sämtliche Bettwäschen austauschen müssen, da haben unsere AsylwerberInnen toll angepackt und wir haben das tatsächlich geschafft. Es gibt Wohngruppen im Haus, wo sehr oft einE FreiwilligeR da ist. Unsere Feste und Ausflüge wären in dieser Form nicht möglich. Besonders wertvoll ist es, wenn Freiwillige im regelmäßigen Kontakt zu unseren BewohnerInnen Beziehungen aufbauen, die von einer persönlichen Anteilnahme geprägt sind, die unser Personal durch die intensiven beruflichen Anforderungen nicht aufbauen könnte. Ich hab das früher gar nicht mitbekommen, was die alles leisten.

Als ich mich dann bei einem Ehrenamtstreffen, bei dem ich erstmals teilnahm, mit einigen von ihnen unterhielt und sie näher kennenlernen durfte, war ich beeindruckt von ihren eigenen Lebensgeschichten, das sind sehr spannende Persönlichkeiten! Auch wie motiviert sie über ihre Arbeit erzählen und was sie alles von und über unsere BewohnerInnen wissen, hat mich tief beeindruckt.

Das Leben ohne sie wäre für unsere BewohnerInnen aber auch für uns hauptamtlichen MitarbeiterInnen wesentlich weniger bunt und vielfältig. Ohne diese tatkräftigen Unterstützung ginge vieles nicht! Daher hier an dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle!

Kürzlich machten sich 20 BewohnerInnen des Seniorenwohnhauses St. Anna mit ebenso vielen Begleitpersonen (MitarbeiterInnen, freiwilligen MitarbeiterInnen und Angehörigen) auf den Weg nach Aigen Schlägl zur heurigen Landesgartenschau.