Unsere Freiwilligen stellen sich vor

„Wir in Puchenau“ - ein Beispiel kommunaler Integrationsarbeit

Fünf Personen stehen im Frien beisammen und lachen in die Kamera

HelferInnen der ersten Stunde mit Vorstandsmitgliedern und Wolfgang Haderer (2.v.r).

 „Wir in Puchenau“ ist ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Integration der dort lebenden AsylwerberInnen und BürgerInnen, die diesbezüglich Hilfe benötigen, zu unterstützen. Der Zweck des Vereins ist, durch Begegnung und Austausch der Kulturen ein menschliches Miteinander und Integration zu fördern. Dabei wurde der Verein u.a. von den Caritas-MitarbeiterInnen vom Regionalen Kompetenzzentrum für Integration und Diversität (ReKI) unterstützt.

Wie entstand die Initiative „Wir in Puchenau“?

Als 2015 das Land OÖ die Bevölkerung auf die Unterbringung von AsylwerberInnen vorbereitet hat, gingen die Wogen - sowohl im negativen, wie auch im positiven Sinne - hoch. In der Folge haben ca. 100 Personen die Plattform „Wir in Puchenau“ gegründet. Bei der Vereinsgründung ca. ein Jahr später wurde darauf geachtet, dass auch Gemeinderäte aller Parteien im acht-köpfigen Vorstand vertreten sind. Im Hintergrund helfen derzeit an die 50 Personen regelmäßig mit.

Wie viele AsylwerberInnen waren zu Spitzenzeiten in der Gemeinde gemeldet? Und wie ist die Situation jetzt?

Wir hatten in drei Häusern an die 70 BewohnerInnen bei uns. Derzeit haben wir noch ca. 30 AsylwerberInnen, die in einem Quartier mobile soziale Betreuung erhalten bzw. im Flüchtlingshaus von den Caritas-MitarbeiterInnen betreut werden.

Wie sieht die Arbeit des Vereins aus?

Am Beginn haben wir in erster Linie das Kennenlernen ermöglicht, ebenso Deutsch-Lernen mit Hilfe von Freiwilligen und in weiterer Folge haben wir Patenschaftssysteme aufgebaut. Für uns stand im Zentrum, dass wir Integration als voneinander Lernen und wechselseitige Anteilnahme begreifen. Das Kennenlernen haben wir erleichtert, in dem wir regelmäßige Begegnungsabende organisiert haben. Um die Kommunikation zu erleichtern, den Unterstützungsbedarf kennenzulernen und eine vertrauensvolle Basis aufzubauen, haben wir sogar Leitfäden mit Fragen entwickelt. Im Laufe der Zeit war uns wichtig, dass nicht nur wir unser Brauchtum und unsere Lebensweise vorstellen und wir unsere neuen BürgerInnen einladen, mit uns „unsere“ Feste zu feiern, sondern auch ein Kennenlernen der Traditionen und Religionen ihrerseits möglich wurde – wir haben zum Beispiel das „Fastenbrechen“ und „ihre“ Geburtstage mitgefeiert. Wir ermöglichten Begegnung in Sprachcafés, Tanzkursen, wo man sich gegenseitig Tänze beibrachte oder in einer Strickrunde für Frauen. Wir haben den kulturell-kulinarischen Austausch gefordert und sogar die Rezeptesammlung „Erdäpfelkas auf Fladenbrot“ aufgelegt. Außerdem haben wir regelmäßig Benefizveranstaltungen und Spendenaktionen gemacht. Wir sind untereinander auch mit WhatsApp gut vernetzt und können Infos rasch austauschen. Auf der Homepage „Wir in Puchenau“ finden Interessierte ebenfalls aktuelle Veranstaltungen und Bedarfe, sowie wertvolle links.

Wie läuft die Integration auf kommunaler Ebene?

Wir freuen uns darüber, dass wir die Kinder gut in den Schulen integrieren konnten. Die Gemeinde beschäftigt am Bauhof einige AsylwerberInnen und ihre Arbeit wird von der Bevölkerung sehr geschätzt. Ganz wichtig war uns, dass AsylwerberInnen in den Vereinen, wie zum Beispiel Sportvereine, Pfadfinder, Verschönerungsverein ihr Engagement einbringen bzw. eingebunden sind. Der Ruderverein hat ermöglicht, dass die Fitnessgeräte benutzt werden können. Wir haben aber auch Unterstützung durch die Regionalen Kompetenzzentren des Landes OÖ erhalten. Im Sozialausschuss der Gemeinde, werden regelmäßig Anliegen thematisiert.

Wie hat der Verein die Freiwilligen unterstützt?

Ziel war, den Leuten, die sich engagieren wollten eine Plattform zu bieten, wo sie Wertschätzung und Motivation erfahren und ihre Fähigkeiten einbringen können. Wir haben ihnen signalisiert, dass wir sie nicht alleine lassen. Besonders wichtig war, dass wir von Anfang an, Patenschaften entwickelt und niederschwellige Begegnungsmöglichkeiten gewährleistet haben, sodass echte Bezugspunkte entstanden sind. Das war der Schlüssel für ein Gelingen des nachhaltigen Miteinanders! Wichtig ist, dass man auch selbst als Vorstandsmitglied anpackt und dadurch glaubwürdig ist.

Wie haben die Caritas-Mitarbeiterinnen in all den Jahren das Engagement der Freiwilligen begleitet?

Die Begleitung und Zusammenarbeit mit den Caritas-Mitarbeiterinnen vom Regionalen Kompetenzzentrum für Integration und Diversität (ReKI) war immer ausgezeichnet! Sie haben uns bei der Organisation der Schwerpunktsetzungen von Arbeitsgruppen, Informationsaustausch in Sachen Integration und durch ihre Teilnahme an Besprechungen unterstützt.

 

Die Koordinierungen der Spenden, Deutschkurse und Teilnahme bei Veranstaltungen wurden von den Betreuerinnen vor Ort durchgeführt. Der Infofluss und das Schnittstellenmanagement waren anfangs oft nicht ganz einfach zu managen. Manchmal gab es Doppelgleisigkeiten und Infodefizite. Durch das Nutzen kommunaler vorhandener Strukturen und die Teilnahme an unseren Treffen, hätte manches Missverständnis im Vorfeld rascher beseitigt werden können.

Welchen Stellenwert hat die Unterstützung durch Freiwillige bei der Integration?

Wir haben gleich von Anfang an Deutsch-Kurse angeboten, weil uns das gegenseitige Verstehen wichtig war. Wir wollten, dass AsylwerberInnen unsere Werte sehen, verstehen und respektieren. Durch kleine Schritte, die in erster Linie von Freiwilligen ausgegangen sind, sind Berührungspunkte entstanden. Das hat in der Bevölkerung geholfen, Ängste und Vorurteile abzubauen. Sie haben gesehen, was Sache ist! Sie haben gelernt, die anfängliche Ablehnung zu überwinden. Nach all den Jahren können wir sehen, dass viel weitergegangen ist: Aus Ablehnung ist bei manchen immerhin eine neutrale Einstellung geworden. Begegnungen und Patenschaften sind über die Jahre zu Freundschaften gewachsen. Diese wichtigen Fortschritte haben wir unseren Freiwilligen zu verdanken!

Strickrunden für Frauen