Unsere Freiwilligen stellen sich vor

Im Einsatz in St. Pius

Helga Frey mit Manfred Schusterbauer beim Filzen

Helga Frey arbeitet als freiwillige Mitarbeiterin in den Werkstätten in St. Pius in Peuerbach. Sie unterstützt MitarbeiterInnen mit Beeinträchtigungen dabei, ihre Kreativität zu entfalten.

Wo und wie engagieren sie sich derzeit als Freiwillige?

Ich engagiere mich im Bereich der Kreativwerkstätte von St. Pius - einer Einrichtung der Caritas für Menschen mit Behinderungen. Dazu gehört das Nähen, das Gestalten mit selbstgeschöpftem Papier, mit Natur- und anderen Materialien. Jährlich findet auch ein Adventmarkt statt, auf den wir uns gemeinsam schon Monate vorher vorbereiten und wo die erstellten Produkte verkauft werden. Ein jährlicher Höhepunkt, für den wir viel Zeit und Energie in der Vorbereitung und Durchführung investieren.

Was motiviert Sie, sich für andere zu engagieren?

Seit 1989 bin ich verwitwet und nachdem mein einziger Sohn den Zivildienst im Ausland verbrachte, suchte ich nach einem sinnvollen Ausgleich und einer Aktivität.

Da ich desöfteren Ausstellungen und den Einkaufsbereich der Werkstätten besuchte, kannte ich St. Pius bereits und erkundigte mich eines Tages, ob es die Möglichkeit gäbe, mitzuarbeiten. 2001 begann ich mit meinem regelmäßigen Engagement.

Ich selbst war als unterernährte Halbwaise 1949 zu Pflegeeltern nach Spanien geschickt worden. „Butterkinder“ wurden wir genannt. Die sogenannten Kinderverschickungen in verschiedene europäische Länder war ein UNO-Programm, das im Nachkriegsösterreich die Erholung der Kinder zum Ziel hatte. Viele Jahre später erfuhr ich, dass mein Transport damals von der Caritas organisiert wurde. Auch dies hat mich motiviert, meine Dankbarkeit in dieser Form auszudrücken.

In meiner Caritas-Freiwilligenmappe habe ich mir einen Text von Albert Schweitzer aufgehoben. “Schafft Euch ein Nebenamt, tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch Zeit und Teilnahme an der Gesellschaft braucht…“

In meinem Leben habe ich erfahren, dass es für das Zusammenleben wesentlich ist, einander im Blick zu haben, sich gegenseitig zu unterstützen, sei es in der Familie, in der Pfarre oder in der Gesellschaft. Und zu dieser gehören auch die Menschen in St. Pius Peuerbach.

Welche Geschichte(n) möchten Sie gerne mit anderen teilen?

In der Gruppe erlebe ich die Entwicklungen und Fortschritte, aber auch, wie Menschen durch Beeinträchtigungen leider oft schon sehr früh kognitiv abbauen.

Rosi, eine Mitarbeiterin in den Werkstätten war meist reserviert, manchmal schlagfertig, oder aber empfindsam und unsicher. Sie hat sehr viel Mitgefühl, vermisst sofort jeden, der aus dem Raum rausgeht und erinnert mich rechtzeitig an die jeweiligen Geburtstage der KollegInnen. Unvermittelt meinte sie einmal: „Helga, ich mag Dich“.

Dieses „Helga, wo bist Du letzte Woche gewesen?“ wenn ich verhindert war. Es geht vor allem um Beziehungen und herzliche Begegnungen, die ich schätzen lernte.

Diese kleinen Momente sind es, die nun in meinem Leben so wesentlich werden. Diese Realität, das Teilnehmen, die Erlebnisse, Zufriedenheit, ja auch Gelassenheit, stärken mein Selbstwertgefühl und die Lebensfreude.

Was haben Sie als besondere Herausforderung erlebt?

Der Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung fällt mir eigentlich nicht schwer. Die Kommunikation ist immer wieder eine Herausforderung, da die Möglichkeiten dafür andere sind, als wir es aus unserem Alltag gewohnt sind. Manchmal gehen bei jemandem die Emotionen hoch, dann versuche ich ruhig zu bleiben, so kehrt von selbst wieder Ruhe ein. Ich nehme die Menschen mit ihren ausgeprägten, individuellen Bedürfnissen wahr. Dies zu tun und auf diese entsprechend einzugehen bleibt für uns alle eine stetige Herausforderung.

Was ist das Schöne an Ihrem Engagement?

Ich fehle, wenn ich einmal nicht kommen kann. Ich spüre, ich bin hier willkommen und werde immer freundlich begrüßt. Ich erlebe, dass ich einen Beitrag leisten kann. Die Geburtstagsfeiern und die kleinen Geschenke, die ich jeweils mache, sind eine liebgewordene Gewohnheit.

Ich konnte über die Jahre Vertrauen zu den Menschen aufbauen und die vielen herzlichen Begegnungen schätze ich sehr. Ich erlebe, dass sich Menschen mir anvertrauen und ihr Herz ausschütten, denn es geht bei meinem Dasein als Freiwillige vor allem um die persönliche Beziehung, weniger um den professionellen Rahmen, Aufgaben und Regeln.

In den ersten Jahren war ich eine der wenigen, die sich als Freiwillige engagierte, heute sind wir viele, die regelmäßig kommen, das ist schön zu erleben wie unsere Freiwilligen-Gruppe wächst, geschätzt und gut betreut wird.

Was raten Sie anderen Menschen, die sich engagieren möchten?

Bei Interesse sollte man vor allen Dingen überlegen: Was mache ich gerne? Was kann ich gut? Das spürt man am besten, wenn man bereit ist, einen Tag zu „schnuppern“. Man spürt sehr gut, ob man hier am richtigen Platz ist und ob das eine Aufgabe ist, die man gerne macht, bzw. auch länger machen möchte.

Die Menschen in St. Pius sind ein Teil meines Lebens, das ist ein besonderes Geschenk, das ich auch anderen wünsche.