Hans Eidenhammer

Bild: Hans Eidenhammer mit Bundespräsident Alexander van der Bellen. „100 Jahre Österreich – eine Republik sagt Danke!“ Die Präsidentschaftskanzlei hat für den Abend des Nationalfeiertags 2018 eine große Zahl an freiwilligen Helferinnen und Helfer aus verschiedenen Organisationen und Vereinen in die Hofburg eingeladen - als Zeichen der Wertschätzung.

Wo und wie engagieren Sie sich derzeit als Freiwillige?

Mein Engagement begann damit, dass um 1978 ein Mann zu mir in meine Mechaniker-Werkstätte kam. Er wollte das Pickerl haben. Ich habe mir das Auto angesehen und festgestellt: Da ist „Gefahr in Verzug“. Ich konnte es nicht verantworten das „Pickerl“ herzugeben. Er hat beinahe zu weinen begonnen und mich gebeten, das irgendwie möglich zu machen. Wir haben dann vereinbart, dass ich ihn informiere, wenn ich ein günstiges Auto für ihn weiß. Ich bin dann mit einem Auto zu ihm gefahren. Da hab ich seine Lebensumstände gesehen: Die Kinder waren sehr ärmlich gekleidet, ein Kind litt an Epilepsie und musste immer wieder medizinisch versorgt werden, die Frau schwerkrank.

Zuerst haben wir eine Ratenzahlung vereinbart. Als ich schon am Heimweg war, habe ich mir gedacht, dass das nicht passt und bin nochmals zurückgefahren und habe ihm dann das Auto geschenkt.

Seit dieser Zeit bin ich auf diese Weise aktiv. Bis zur Pension habe ich nur ab und zu Autos repariert und sie an bedürftige Menschen weitergeschenkt. Jetzt bin ich seit einigen Jahre in Pension und habe mehr Zeit zur Verfügung. Mittlerweile ist das siebenundzwanzigste Auto samt „Pickerl“ an seinen neuen Besitzer übergeben worden. Von dieser Summe an Fahrzeugen habe ich drei Viertel geschenkt bekommen und Verschleißteile erneuert bzw. Teile repariert. Rund ein Viertel der Autos habe ich gebraucht gekauft.

Und es ist nicht bei Autos geblieben: Vor allem in der Zeit der Fluchtbewegungen ab 2015 habe ich zig Fahrräder repariert und übergeben.

Was motiviert Sie, sich für andere zu engagieren?

Für mich ist es jedesmal sehr berührend zu sehen, wie Menschen reagieren, wenn sie ein Auto geschenkt bekommen. Da sind Reaktionen dabei, die die Fassungslosigkeit bzw. Freude ausdrücken, z.B.: „Das kann nicht sein! Ich hab noch nie etwas im Leben geschenkt bekommen!“

Ich habe unter anderem den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung erhalten. Das Schöne an den Auszeichnungen, die ich für mein Engagement erhalten habe, ist, dass viele Leute durch die TV-Beiträge, Zeitschriften und Zeitungsartikel auf mein Engagement aufmerksam geworden sind und Autos sponsern - teilweise aus ganz Österreich. Auch Anfragen von diversen Hilfsorganisationen kommen, z.B. von der Caritas-Sozialberatungsstelle.

Meine Frau ist auch eine sehr große Stütze. Denn natürlich geht sehr viel Zeit drauf. Ich habe ihr versprochen, dass wir oft, wenn ich in der Pension bin, eine Spritztour mit dem VW-Käfer einen „Oldtimer“ machen werden. Daraus ist noch nicht oft etwas geworden…!

Welche Geschichte(n) möchten Sie gerne mit anderen teilen?

Was für eine Freude! Die erste Ausfahrt mit dem Auto zum Picknicken an den See.

Mobilität ist für viele Menschen, gerade am Land, eine wichtige Voraussetzung, damit sie ein Einkommen erwirtschaften können - besonders wenn lange Pendlerzeiten mit den Öffis zu bewältigen sind, Betreuungspflichten oder mehrere Kinder da sind, Zugang zu Hilfeleistungen erforderlich sind, z.B. Therapien. Aber auch um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und Freizeitaktivitäten machen zu können oder eine Entlastung im Alltag zu haben, z.B. bei der Beschaffung von Waren.

Eine Familie hatte eine Riesenfreude, als sie das erste Mal zu einem Picknick am See gefahren sind.

Oder ich könnte von einer Frau erzählen, deren Haus wir nicht gefunden haben, weil wir dieses mit einem, wie wir dachten, größeren Hühnerstall verwechselt haben. Einen Stromanschluss gibt es dort nur im Außenbereich. Als wir ihr das Auto überreichten, begann sie zu zittern und zu weinen und umarmte die Caritas-Mitarbeiterin.

Was haben Sie als besondere Herausforderung erlebt?

Sich mit dem Leid anderer zu konfrontieren ist nicht immer leicht. Geschichten zu hören, wo sich Leute überlegen, ob sie die Wohnung heizen oder eine Erdäpfelsuppe kochen, ist schon extrem hart.

Es kommt auch vor, dass Hilfe schiefgeht, dass nicht die Person, der man helfen wollte, von der Hilfe profitiert. Das sind oft Abhängigkeitsverhältnisse oder Teufelskreisläufe, die trotz Unterstützung nicht durchbrochen werden können, weil den Betroffenen die Kraft oder die Alternative fehlt, um aus diesen ungesunden Beziehungen auszubrechen.

Die Geschichten bleiben im Kopf. Meine Frau und ich haben immer wieder zu kämpfen, das alles zu verarbeiten.

Was ist das Schöne an Ihrem Engagement?

Wir trösten uns damit, dass wir wenigstens einen Beitrag geleistet haben und versuchen andere einzubinden, uns zu fragen: Wer kann noch helfen? Man braucht einen langen Atem! Auch wenn es Rückschläge gibt: Das Positive überwiegt!

Es entsteht auch ein Netzwerk von Leuten oder mit Vereinen, die begeisterungsfähig sind, die eine soziale Ader oder ein offenes Ohr haben, wie die LIONS zum Beispiel. An dieser Stelle darf ich ein Lob an die Caritas anbringen: Die prüft sehr gut, ob die Unterstützung Sinn macht!

Was mich besonders gefreut hat, war die Ehrung bei der Dankesfeier für die Freiwilligen anlässlich der 100 Jahr Feier der Republik Österreich. Ich wurde zum Empfang des Bundespräsidenten eingeladen. Wenn ich die Bundeshymne höre, habe ich immer die Erinnerung an diesen Tag, der etwas ganz besonderes für mich war!

Was raten Sie anderen Menschen, die sich engagieren möchten?

Ich würde mir an erster Stelle eine andere Sozialpolitik wünschen: Ich finde es gemein, dass ausgerechnet den Menschen, die ohnehin nichts haben, noch weiter Sozialleistungen weggenommen werden. Diese Leute haben keine Lobby, keine Macht. Mir fallen besonders die AlleinerzieherInnen auf, die es besonders schwer haben, erst recht, wenn ein Kind beeinträchtigt ist. Denen nimmt man ungeniert das bisschen weg, was sie noch haben, weil sie sich nicht wehren können.

Ich erlaube mir auch kritisch gegenüber Menschen zu sein, die sich der Kirche zugehörig fühlen. Oft fehlt es an Wertschätzung, wenn man sich für ihre Anliegen engagiert. Manche „Kirchgänger“ reden von Solidarität und tun wenig. Das ist sehr bitter.

Oder es gibt Pensionisten, die Zeit haben, die jammern, denen eh dauernd fad ist, und wenn man sie fragt, ob sie einen unterstützen würden, kommt außer einem Achselzucken nichts zurück. Ich frage mich, macht das glücklich?

Ich könnte Ihnen noch ganz viele Geschichten erzählen, Geschichten die auch das Leben von Bekannten verändert haben, Leute die sich selbst wegen ihrem Schicksal leidtun, frustriert und grantig sind. Dann erzähle ich ihnen Geschichten von den Menschen, denen ich helfe. Sie spüren auf einmal, dass ihr persönliches Leid einen anderen Stellenwert bekommt und sie sehr dankbar dafür sein können, was sie bereits Gutes erlebt haben oder immer noch haben.

Ich möchte ihnen Mut machen sich dort zu engagieren, wo sie jemanden kennen, der Hilfe braucht oder eine Sache unterstützt.

Freude teilen, helfen zu können, vom eigenen Glück etwas weitergeben zu können, das ist das Schönste für mich! Gemeinsam kann man viel bewirken!