Eindrücke aus dem Alltag der Caritas-Sozialberatung

In die Sozialberatungsstellen der Caritas kommen Menschen, die Hilfe in existentiellen Notlagen suchen. Neben der materiellen Problematik kämpfen sie oft mit Schamgefühlen und Einsamkeit. Caritas-Mitarbeiter Günther Fischinger berichtet aus seinem Alltag in der Beratung.

Vöcklabruck, Sprechtag der Caritas-Sozialberatung. Es ist 9 Uhr, die erste Klientin, Alleinerzieherin, 2 Kinder, wartet bereits, hat aber den Termin erst in einer halben Stunde. Sie hat gerade die Trennung hinter sich und muss eine neue Wohnung anmieten. Die Kaution ist gezahlt, es geht um die Vergebührung vom Mietvertrag, die ist wichtig für die Wohnbeihilfe. Aufgrund der finanziellen Situation, die ich überprüft habe, komme ich zu dem Ergebnis, dass die Wohnung auch mittelfristig leistbar ist, und unterstütze deshalb die Frau durch die Finanzierung der Vergebührung und einer Überbrückung mit Lebensmittelgutscheinen, sie hat sonst nichts mehr.

Zweiter Termin – ein alleinstehender junger Mann, der vom AMS gesperrt wurde; er hat einen Termin übersehen und sich nicht gemeldet; er weiß, dass es sein Fehler war; die Miete leiht ihm sein Vater, aber er weiß nicht, wovon er Lebensmittel einkaufen soll, da er das Konto nicht überziehen kann, was auch gut ist; ich vereinbare mit ihm, dass ich mit Lebensmittel-Gutscheinen aushelfen werde; heute unterstütze ich ihn für 2 Wochen mit € 80, und vereinbaren einen weiteren Termin in 2 Wochen, um die nahen Zukunftsperspektiven zu besprechen.

Die nächste Klientin wartet schon. In der Zwischenzeit ein Anruf eines Kooperationspartners; kann ein Klient in die Notversorgung kommen, denn er hat keine Lebensmittel mehr zu Hause? Natürlich, denn dafür ist die Notversorgung da, KlientInnen kurz bis zum nächstmöglichen Termin mit Gutscheinen zu unterstützen.

In den Gesprächen zeigen die Caritas-MitarbeiterInnen auf, was Betroffene unmittelbar machen können, planen mit ihnen die nächsten Tage und mittelfristige Perspektiven. Schon das zeigt eine große Wirkung und die KlientInnen gehen oft gestärkt aus dem Beratungsgespräch hinaus. „Wir können das Problem nicht in einer Stunde beseitigen, aber gemeinsam mit den KlientInnen die ersten Schritte gehen und anfangen, Probleme zu lösen“, betonen Johannes Nagl (Sprechtag Perg) und Günther Fischinger (Sprechtag Vöcklabruck).

Not ist für die SozialberaterInnen der tägliche Alltag; für viele Betroffene aber Alltag nur mehr Not.