Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Das war die Fachtagung 2019

Wie gelingt es, die Lebensqualität von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigung  im Alter so zu verbessern, dass für alle ein gutes Miteinander möglich wird? Welche Vorteile hat das mäeutische Pflegemodell? 220 TeilnehmerInnen aus dem In- und Ausland, VertreterInnen aller wichtigen sozialen Träger, verfolgten mit großem Interesse die Präsentation des EU-Projekts „Herzdenken“ und die Präsentation eines Praxisbuchs bei der Fachtagung an der FH Linz Ende September.

Internationaler Austausch

Im Projekt Herzdenken tauschten sich MitarbeiterInnen und Führungskräfte aus Rumänien, Polen, Deutschland und Österreich zwei Jahre lang aus, um Maßnahmen für die mäeutische Pflege von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen auszuarbeiten und Ziele zu definieren. Auf der Fachtagung wurden die 10 Jahre Entwicklungsarbeit nun erlebbar und erfahrbar gemacht. Die TagungsteilnehmerInnen erhielten einen Einblick, wie das Projekt in den verschiedenen Ländern umgesetzt wurde: So berichtete etwa Dr.in Gabriella Kiss aus Rumänien, dass im Altenheim Alba Julia der Caritas ca. 157 Personen leben. Vor dem Projekt war der Fokus eher auf die Probleme der BewohnerInnen gerichtet gewesen. Die TeilnehmerInnen lernten während des Projektes sehr viel, nun wurden vordergründig die Menschen hinter den Diagnosen gesehen und wahrgenommen. Viele MitarbeiterInnen hatten intuitiv schon nach dem Modell gehandelt – mit der Anwendung der Mäeutik wurden sie dazu ermächtigt und befähigt, ihr Wissen einzubringen. Seit 2018 gibt es einmal monatlich ein Alzheimer-Café mit ÄrztInnen, BegleiterInnen, Angehörigen, KundInnen und MitarbeiterInnen.

Lydia Simon aus Deutschland freute sich, im Projekt sehr viel voneinander gelernt und viele positive Kontaktmomente erlebt zu haben. Eva Baric aus Rumänien erzählte, dass sie durch das Projekt viele hilfreiche Instrumente in die Hand bekommen und die Wichtigkeit der Dokumentation erkannt habe. Durch die Maßnahmen des mäeutischen Pflegemodells hätten die BewohnerInnen eine gehobene Lebensqualität erhalten. Elisabeth Marton aus Rumänien sprach über die Werkzeuge der Biographiearbeit und der Bewohnerbesprechungen. Das Verhältnis zu den BewohnerInnen sei viel besser geworden. Die Sinnhaftigkeit der Mäeutik habe sich in der Praxis bewahrheitet. Vieles habe sich zum Positiven verändert.

Präsentation des Praxisbuchs „Komm doch mal in meine Welt“

Eine besondere Ehre war auch die Anwesenheit von Sophie Bakker - Tochter der verstorbenen Mäeutikgründerin Cora van der Kooij. Sie präsentierte voll Stolz das Buch, das Cora van der Kooij gemeinsam mit der Caritas für Menschen mit Behinderungen geschrieben und erarbeitet hatte. Wie schon der Titel "Komm doch mal in meine Welt"  verrät - geht es um viele Praxisbeispiele und Erfahrungsberichte, wie das Wissen um die Erlebenswelten von Menschen maßgeblich den Betreuungsalltag beeinflusst.

Fachvorträge begeisterten Publikum

Als Experte sprach der Neurologe und Psychiater Dr. Arthur Bernhard Brucker über "Altwerden ist etwas für Mutige". Die TeilnehmerInnen erfuhren von Dr. Wolf-Dieter Nagl, wie wichtig die Achtsamkeit im Umgang mit den Mitmenschen ist und wie sich Empathie von wahrem Mitgefühl unterscheidet. IMOZ-Dozentin Claudia Ensinger berichtete aus der Praxis für die Praxis und machte das mäeutische Pflegemodel für viele greifbarer.