Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Motor für Gemeinschaft und Balsam für die Seele

08.05.20

Ein Gastkommentar in den OÖ Nachrichten vom 9. Mai 2020:

Zusammenhalt leben und füreinander da sein – in Krisenzeiten wie jetzt erleben wir regelmäßig, dass das tatsächlich für viele Menschen bei uns nach wie vor einen hohen Stellenwert hat. Vor allem, wenn die Krise eine hohe Personenzahl „vor der eigenen Haustür“ betrifft und auch emotional „ans Herz geht“, sehen wir, wie sich Menschen ohne zu zögern für andere, auch für „Fremde“ einsetzen und anpacken. Das war beim Hochwasser nicht anders als bei der Versorgung der durchreisenden Flüchtlinge 2015 und auch in der Integrationsarbeit rund um die Flüchtlingsquartiere.

Es ist schön zu sehen, wie viele Initiativen und Einzelpersonen aktuell Nachbarschaftshilfe geleistet und Besorgungen für jene erledigt haben, die zu ihrem Schutz zu Hause bleiben sollten. Was sich hier zeigt, ist, dass nur dank des Engagements einer starken Zivilgesellschaft solche Krisen gemeinsam bewältigt werden können. Und auch abseits von Katastrophenszenarien wird unser Gemeinwesen wesentlich getragen von den zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich bei der Feuerwehr, den Rettungsdiensten sowie im sozialen, kulturellen, kirchlichen oder gesellschaftspolitischen Bereich engagieren.

Das Ehrenamt kann man also als „Motor“ für ein funktionierendes Zusammenleben bezeichnen. Aber das ist nicht alles: Die sozialen Beziehungen, die im Füreinander-Dasein geknüpft werden, sind „Balsam für die Seele“ und ein wesentlicher Faktor unseres Mensch-Seins. Deshalb ist die Nächstenliebe im Christentum ebenso wie in anderen Religionen auch ein zentraler Wert.

In unserer Arbeit als Caritas erleben wir das sehr deutlich. Wir erleben, worunter die Menschen – meist zusätzlich zu materiellen Not – leiden: an zerbrochenen Beziehungen, Einsamkeit, Ausgrenzung, fehlenden sozialen Netzen. Jede und jeder, die oder der sich für andere engagiert, weiß, wie Menschen wieder sichtlich „aufleben“, wenn sie sich angenommen fühlen. Wenn sie Anerkennung erhalten und ihnen vielleicht auch neue Chancen und Perspektiven eröffnet werden.

Und wie heißt es so schön? „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Engagement für andere macht also auch selbst glücklich. Eine Ehrenamtliche, die sich bei uns in einem Seniorenwohnhaus mit Besuchsdiensten bei BewohnerInnen engagiert, hat das einmal so formuliert: „Schon bei den ersten Besuchen habe ich gesehen, wie ihre Augen leuchten und wie sie sich freuen, jemanden zum Reden zu haben. Das hat mir selbst so viel Glück gebracht.“

Viele empfinden das Zeit-Schenken auch für sich selbst als Gewinn: indem Momente der Freude gemeinsam erlebt werden, neue oder erweiterte Kompetenzen erworben werden, der eigene Erfahrungshorizont erweitert wird oder man auch einfach nur das schöne Gefühl des „Gebraucht-Werdens“ erfährt. Oft hören wir, dass das Engagement für andere zu einem „erfüllten“ Leben dazugehört.

Allen Engagierten ein herzliches Danke für ihren Beitrag zu einer menschlicheren Welt!

Franz Kehrer, MAS
Direktor der Caritas in Oberösterreich