DR Kongo: „Wir haben viel mehr Angst, an Hunger zu sterben als am Corona-Virus!“

Immer mehr afrikanische Länder melden Coronainfektionen, so auch die Demokratische Republik Kongo. Wurde Anfang März noch der letzte Ebola-Genesene gemeldet, gab es genau eine Woche später den ersten offiziellen Coronafall. Die schlechte Gesundheitsversorgung macht VirologInnen Sorgen. Die Pandemie könnte hier besonders viele Todesopfer fordern.

Hintergrund ist mitunter die desolate Gesundheitsversorgung in der DR Kongo, es gibt auf 10.000 EinwohnerInnen nur einen Arzt (im Vergleich dazu gibt es in Österreich auf die gleiche Zahl an EinwohnerInnen 50 ÄrztInnen). „Die Anzahl der im Land minimal verfügbaren Intensivstationsbetten ist nicht einmal dem Gesundheitsministerium bekannt“, sagt Dr. Minzemba, Direktor des Gesundheitsbüros der Diözese Kinshasa.

Vor allem in den Slums am Rande der Hauptstadt Kinshasa leben die Menschen auf engstem Raum, der Zugang zu sauberem Wasser ist – auch in Nicht-Krisenzeiten - ein Problem.

Die vergleichsweise noch geringen Infektionszahlen (134 am 3.4.) sind trügerisch, denn man geht davon aus, dass nicht unbedingt weniger Menschen erkrankt sind, sondern schlicht sehr wenig getestet wird. In der DR Kongo, einem Land so groß wie Zentraleuropa, gibt es zurzeit nur eine Handvoll Stellen an denen getestet werden kann. Und das bei einer EinwohnerInnenzahl von über 80 Millionen.

Zwei Drittel der Menschen in der DR Kongo wissen zudem am Morgen noch nicht, was sie am Abend essen werden, weil sie zuerst über Kleinhandel 1 bis 2 USD am Tag verdienen müssen, um die Familie zu ernähren.

Eine komplette Ausgangssperre kann nach Meinung von Andrea Fellner, Kongo-Länderreferentin der Caritas Oberösterreich, nicht durchgehalten werden. Es sind alleine durch die Ankündigung der Ausgangssperre einige zentrale Lebensmittel um das Doppelte oder Dreifache teurer geworden, was verheerende Folgen für das Land hat, in dem 70 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von weniger als zwei Dollar pro Tag leben.

Caritas-Mitarbeiter Corneille Ndalianga aus Kinshasa erklärt: „Die Menschen haben keine Angst davor, am Corona-Virus sondern am Hunger (als Folge der Corona-Krise) zu sterben. Wenn man sein Haus nicht verlassen kann, kann man nicht essen.“

Die Caritas Oberösterreich beteiligt sich an den Informationskampagnen zur Prävention der Ausbreitung des Coronavirus in Kinshasa und überall dort im Land, wo sie Projektstrukturen hat.

Länderreferentin Fellner: „Wir arbeiten mit der Caritas Kinshasa und dem Gesundheitsbüro der Diözese mitsamt seinen Gesundheitszentren. Die Zielgruppen der Kampagnen sind besonders gefährdete Gruppen wie BewohnerInnen von Altersheimen oder Menschen mit Behinderungen sowie Menschen in abgelegenen Vierteln, in denen es keinen Strom und meist nicht genug Trinkwasser gibt. Wir konzentrieren uns auch auf die Sensibilisierung durch die Freiwilligen der Caritas, MitarbeiterInnen der Gesundheitszentren und ProjektmitarbeiterInnen. Außerdem arbeiten wir mit Radio und Fernsehen und wir drucken mehrsprachige Plakate und Flugblätter, welche in den Armenvierteln und vor allem dort, wo Radio und Fernsehen nicht zur Verfügung stehen, aufgehängt werden.“

Die Einrichtungen und Stadtviertel werden von den Caritas-MitarbeiterInnen persönlich besucht, unter Einhaltung eines Mindestabstandes von 1,5 Meter. Desinfektionsmittel werden dort verteilt, wo es kein Wasser zum Händewaschen gibt sowie für besonders gefährdete Gruppen wie z.B. SeniorInnen in Altenheimen. 

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