Mein Auslandseinsatz in Grodno, Weißrussland

Wer bin ich?

Mein Name ist David Feitzinger und ich durfte in den Jahren 2019/20 einige Monate als Freiwilliger bei der Caritas in der Stadt Grodno in Weißrussland tätig sein. Da ich generell gerne neue Sprachen und Menschen kennenlerne, entschied ich noch in der Schule meinen Zivildienst, wenn möglich, im Ausland zu leisten. Bei meiner Suche nach Möglichkeiten und Organisationen zum Absolvieren des sogenannten „Zivilersatzdiensts“, stieß ich auf die Caritas Österreich, die Projekte in der ganzen Welt unterstützt und Freiwillige in verschiedenste Länder schickt, die die örtlichen Caritaspartner unterstützen. Ich suchte eine Möglichkeit, eine neue Kultur und interessante Menschen kennenzulernen und gleichzeitig eine Weltsprache zu erlernen. So fiel mein Auge auf die Stellen der Caritas in Russland und vor allem Weißrussland.

Warum Weißrussland?

In Österreich wissen relativ wenig Menschen wirklich etwas über Weißrussland, dessen Bevölkerung und Geschichte. Gerade deswegen finde ich das Land umso interessanter. Obwohl Weißrussland geographisch nicht allzu weit von Österreich entfernt liegt, gibt es doch klare Unterschiede zwischen den Ländern. Typisch für ganz Osteuropa, findet man auch in Weißrussland eine lange und hochinteressante Geschichte und reiche Kultur, sowie liebenswerte Menschen, die jeden Gast herzlich empfangen und auch in den schwierigsten Situationen zu helfen bereit sind. Vor allem kulturell hat mir das Land sehr gefallen, denn Belarus und vor allem Grodno liegen auf einer kulturellen Achse, wo der Einfluss von Polnisch-Baltischer Seite genauso zu spüren ist, wie natürlich der von Russischer Seite. Geprägt von beiden Einflüssen bildete sich eine eigene weißrussische Identität mit ihren genauso interessanten Eigenheiten und Charakteristiken. Auch im sprachlichen Kontext ist dies zu spüren, denn neben der Alltagssprache Russisch gibt es auch die Weißrussische Sprache, die oft in Theatern und anderen künstlerisch-historischen Einrichtungen Platz findet. Die Menschen in Belarus besitzen ihren eigenen Charme, denn sie sind oft auf den ersten Anblick zurückhaltend, helfen aber jedem, der Hilfe benötigt und kümmern sich umeinander. Ich fühlte mich sofort Teil der Gesellschaft und konnte mich so gut integrieren.

Meine Arbeit bei der Caritas Grodno

Während meiner Zeit als Freiwilliger bei der Caritas Grodno hatte ich ein extrem umfangreiches Aufgabengebiet. Dies gefiel mir besonders, da ich jeden Tag etwas Neues lernen durfte und oft auch neue Menschen und Orte kennen lernte. Beispielsweise begleitete ich öfters Mitarbeiter der Caritas zu verschiedensten Projekten in und um die Stadt Grodno. So half ich etwa bei der Umgestaltung des Sommerlagers der Caritas für benachteiligte Kinder oder auch bei einem Altersheim im Dorf Sopotskino, nahe der Grenze zu Polen und Litauen. Auch fuhren wir manchmal zu Konferenzen nach Minsk, an der Vertreter aus verschiedensten Ländern teilnahmen. Auf solchen Treffen konnte ich den zweiten Österreichischen Freiwilligen aus Vitebsk treffen und mit ihm unsere Erfahrungen austauschen. Meine Tätigkeiten in Grodno waren genauso vielfältig. So arbeitete ich beispielsweise in der örtlichen Suppenküche der Caritas und unterstützte dort die Schwestern bei der Essensausgabe oder ich half dem Personal der Caritas bei der Organisation von ihren Projekten. Bei solchen administrativen Tätigkeiten konnte ich gut meine Sprachkenntnisse brauchen, denn ich musste oft Dokumente vom Russischen ins Deutsche/Englische oder umgekehrt übersetzen. Die weißrussischen Freiwilligen der Caritas unterstützten mich ebenso bei alltäglichen sowie organisatorischen Dingen, wie etwa bei bürokratischen Angelegenheiten.

Die Caritas als Partner

Während meines Aufenthalts in Weißrussland ergaben sich natürlich auch manchmal schwierige Situationen, in denen ich froh war, dass es jemanden gibt, der mich unterstützt und der sich für uns Freiwilligen einsetzt. Dank der Unterstützung der Caritas Oberösterreich, die für die Projekte in Weißrussland zuständig ist, konnte ich jegliche Notsituationen heil überstehen. Insbesondere Frau Sigried Spindlbeck, die die Freiwilligen in Weißrussland als Kontaktperson betreut, setzte sich immer für uns ein und kümmerte sich so gut wie nur möglich um unsere Anliegen. Auch auf die Mitarbeiter der Caritas Grodno konnte ich mich immer verlassen. Am Anfang meines Aufenthaltes halfen mir die Mitarbeiter der Caritas Grodno, mich gut an Land und Leute anzupassen. Vor allem aufgrund dessen, dass dies mein erster längerer Aufenthalt im Ausland war, war ich sehr froh, dass ich Unterstützung fand, wenn ich sie benötigte.

Sprachliche Aspekte

Leider beging ich damals in der Schule den Fehler, nicht Russisch als Wahlfach zu wählen und hatte so anfangs bei meiner Ankunft einige sprachliche Schwierigkeiten. Allerdings bereitete ich mich bereits in Österreich durch Selbststudium etwas vor und konnte in Grodno einen kostengünstigen Kurs an der örtlichen Universität finden. Auf diese Weise konnte ich mein sprachliches Niveau während meines Aufenthalts schnell verbessern. Dies zeigt, dass sprachliche Barrieren niemanden von seinem Aufenthalt im Ausland abhalten sollten. Auch nach meiner Rückkehr nach Österreich bleibe ich der Russisch-sprechenden Community verbunden und lese weiter Zeitungen oder schaue Filme und halte den Kontakt zu meinen Freunden und Bekannten in Grodno aufrecht. Natürlich ist Russisch alles andere als eine leichte Sprache, allerdings werden einem dadurch viele Türen geöffnet, vor allem in Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Deshalb lohnt sich ein Aufenthalt in Weißrussland alleine von sprachlicher Seite sehr! Im Notfall konnte ich mich immer an die Mitarbeiter der Caritas wenden, die mir halfen, wenn es sprachliche Probleme gab. Direktor Roman Raczko, der Leiter der Caritas Grodno, sowie einige weitere Mitarbeiter sprechen ausgezeichnet Deutsch und können, wenn nötig, bei jeglichen Fragen zum Sprachlichen beistehen.