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Ein kleinen Mädchen sitzt in einem Haufen mit Plastikbällen und spielt damit.

Die digitale Welt im Kindergarten: Wegwischen oder liken?

Bereits im ersten Lebensjahr kommen Kinder mit Tablets und Smartphones in Kontakt. Die Fachtagung für KinderpädagogInnen (KIFO) setzte sich am 17. und 18. Februar in der Welser Stadthalle damit auseinander, wie sich die digitale Welt in den Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen integrieren lässt – und wie die Kinder davon profitieren.


Unter dem Motto „wischen.klicken.staunen“ beschäftigte sich die KIFO 2020 damit, was Kinder brauchen, um sich später in einer digitalen Welt gut zurecht zu finden. „Die frühen Kinderjahre sind eine Zeit des intensiven Lernens. Sie legen den Grundstein für das gesamte Leben. Diese Zeit des Lernens umschließt alle Bildungsbereiche – und dazu gehört auch die digitale Welt“, leitete Mag.a Edith Bürgler-Scheubmayr, Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche, die Tagung ein.

Die Fachtagung, die von der Caritas für Kinder und Jugendliche organisiert wird, dient nicht nur als zeitgemäße Fortbildung für PädagogInnen, sondern soll auch Auftaktveranstaltung für einen fachlichen Diskurs. Denn das Thema wird Kinderbildungseinrichtungen noch länger beschäftigen. So ging es primär darum, welche Fertigkeiten es auch in einer digitalen Welt braucht, um gut aufzuwachsen, und wie der Kindergarten das Digitale handhaben soll. Eine Frage, die durchwegs kontrovers diskutiert wird, wie HR Mag. Dr. Alfred Klampfer, BA, Bildungsdirektor für Oberösterreich hervorhob: „Es gibt dazu zwei Sichtweisen – die einen sagen ‚Weg mit dem Zeug‘, die andere Seite überlegt sich, wie man Kinder behutsam an die digitale Welt heranführen kann. Die Aufgabe der Elementarpädagogik ist es, sich darüber Gedanken zu machen, wie es funktionieren kann.“


Den Bogen in die weitere Zukunft spannte Landesrätin Mag.a Christine Haberlander: „Die Digitalisierung wird die Lebenswelt der Kinder von Grund auf verändern. Sie wird maßgeblich beeinflussen, wie ihr Arbeitsleben aussehen wird.“ Dass im Kindergarten dafür auch die Grundbedingungen für eine gute Betreuung stimmen müssen, hob Mag. Klaus Dopler, Sprecher der Erhalterkonferenz, hervor. „Unsere Verantwortung ist es, dass Kinder gut wachsen können“, sagte er. „Bei einer Befragung im Herbst haben wir eine Einschätzung bekommen, wie zufrieden die MitarbeiterInnen der kirchlichen Kinderbetreuungseinrichtungen sind. Es zeigte sich die hohe Motivation und das Potentialwissen, aber die Befragung ergab auch deutlich, dass Mängel in der Struktur vorhanden sind und die Personalsituation angespannt ist. Daher haben wir einen Forderungskatalog vorgelegt, um die Rahmenbedingungen zu verbessern, und wir bedanken uns bei Landesrätin Christine Haberlander dafür, dass sie offen für Gespräche ist.“

Vernetztes Denken statt Faktenwissen
In seinem Vortrag zeigte Watchado-Gründer Ali Mahlodji eindrücklich anhand seines eigenen Bildungswegs auf, dass gängige Lebensentwürfe in der heutigen Zeit keine Erfolgsgarantie mehr sind. Als Flüchtlingskind und Schulabbrecher attestierte man ihm, dass er froh sein könne, überhaupt einen Job zu haben. Sein Glück war ein umsichtiger Lehrer, der ihm trotz schlechter Noten den Tipp gab, sich auf das zu konzentrieren, was ihn interessierte: der Informatik. So gab er dem Lernen eine zweite Chance und holte neben seiner Berufstätigkeit nicht nur die Matura nach, sondern hängte noch dazu ein Studium an – trotz diagnostizierter Lernschwäche und Stempel als ADHS-Kind. „Um unser Potential zu entfalten, braucht es ganz grundlegend eine bedingungslose Akzeptanz für den Menschen, der wir sind, mit Blick nicht auf unseren Schatten, sondern auf unser Licht“, bekräftigte er. Wer gestern noch als unvermittelbar galt, kann genau die Fertigkeiten haben, die es in der Welt von morgen braucht. So stelle die Firma IBM gezielt Autisten ein, da sie die Fähigkeit haben analytisch und hochkonzentriert zu arbeiten. „65 Prozent der Jobs, die wir in sieben Jahren haben werden, gibt es heute noch nicht. Aber wir wissen, welche Fertigkeiten es braucht, um in dieser Welt zurecht zu kommen – allen voran vernetztes Denken.“

Antje Bostelmann, Gründerin der Klax-Pädagogik, stimmte dem zu. „Wichtig ist, dass Kinder lernen zu kooperieren. Beim ‚Design Thinking‘ geht es darum, mit den Kindern Lernprojekte anzugehen, die sie gemeinsam bewältigen.“ Bostelmann setzt sich dafür ein, das Digitale in den Kindergarten-Alltag zu integrieren, dabei aber gezielt vorzugehen. „Die digitalen Geräte sind Teil unseres Alltags. Wir kommen nicht umhin, sie zu benutzen“, sagt sie. „Aber wir müssen sie so nutzen, dass wir vom Konsumenten zum Produzenten werden. APPs programmieren statt APPS kaufen.“ Als Beispiele zeigte sie eine Kindergarten-Gruppe, die jeden Morgen mittels Greenscreen ihren eigenen Fernseh-Wetterbericht produziert. „Schon im Kindergarten müssen die Kinder einen mündigen Umgang mit den digitalen Medien lernen“, betonte sie. Auch Urteilsvermögen, die globale Perspektive und Selbstregulation stehen hoch im Kurs. „Im Kindergarten ist es normal darüber zu reden, was mich wütend macht, statt es einfach herauszulassen. Es ist wichtig, dass Kinder lernen diese Fähigkeit auch auf die digitale Welt zu übertragen.“

Als Tagesabschluss zeigten Praxisbeispiele aus Pfarrcaritas-Kindergärten in Linz und St. Florian, wie ein niederschwelliger Einstieg ins Digitale gelingen kann – beispielsweise mit der Sprachförderungs-APP „Der Sprachforscher“ oder Tablets, die zur Fotobearbeitung und Filmerstellung verwendet werden. Insbesondere für Fotografie zeigten Kinder ein großes Interesse. Mit einer Foto-Schnitzeljagd könne man sich langsam daran herantasten, was mit einem Tablet in der Gruppe möglich ist. Und auch die PädagogInnen wurden während der Tagung behutsam daran herangeführt, das Digitale in den Alltag zu integrieren: Über eine interaktive Meinungsabfrage per www.mentimeter.com und einem Gewinnspiel mittels QR-Code wurden sie dazu motiviert, sich aktiv zu beteiligen.

Für Auflockerung während der Tagung sorgte Kinderliedermacherin Mai Cocopelli mit ihren anregenden und interaktiven Performances – und berührte damit die rund 1300 KindergartenpädagogInnen aus den oö. kirchlichen Kindertageseinrichtungen, welche die Fachtagung besuchten, mitten im Herz.

KIFO 2020

Caritas für Kinder und Jugendliche setzt digitale Impulse für den Kindergarten