Homeschooling – Lerntandem - Hausübungsunterstützung geht auch online

Durch die Schließung von Schulen entstanden ungewohnte Herausforderungen für Familien mit SchülerInnen. Besondere Belastungen haben Kinder zu tragen, deren Eltern sprachliche Barrieren zu überwinden haben oder die gerade mit anderen Herausforderungen kämpfen. Um diesen zu helfen wurde ein neues Projekt gestartet: Sechzehn actionPoolerInnen von der youngCaritas, aber auch Freiwillige, die während der Corona-Krise ihre Hilfe anboten,  sind nun bei der Online-Hausübungsunterstützung engagiert. Und so gibt es inzwischen 10 funktionierende Online-Lerntandems!

Claudia Schlosser von der youngCaritas erzählt uns über das neue Projekt

Wie ist das Projekt entstanden?

In Gesprächen mit befreundeten LehrerInnen und Familien habe ich immer wieder gehört, dass einige SchülerInnen total entmutigt sind, weil sie die Hausaufgaben nicht meistern können. Nicht in jeder Familie haben die Eltern die Möglichkeit ihre Kinder ausreichend zu unterstützen. Oft sind die Rahmenbedingungen nicht optimal: Etwa eine kleine Wohnung, viele Geschwister oder auch das Fehlen der notwendigen technischen Mittel.

Daher hat mich der Projektvorschlag, der von unseren KollegInnen aus der Abteilung Integration kam, sofort begeistert. Wir haben ein Projektteam gebildet. Die Herausforderung, ohne persönlichen Kontakt etwas aufzubauen, hat uns natürlich auch in besonderer Weise beschäftigt. Zum ersten Mal haben wir, die wir alle im Homeoffice waren,  ein Projekt nur über Zoom-Meetings und Telefonieren aus dem Boden gestampft.

Wir haben dann einen Aufruf zum Mitmachen bei unseren actionPoolerInnen gestartet und Freiwillige, die Vorkenntnisse im pädagogischen Bereich haben, kontaktiert.

Was sind actionPoolerInnen?

Das sind junge Menschen zwischen 14 und 30 Jahre, die in unserer Freiwilligenplattform actionPool registriert sind. Wir kontaktieren sie regelmäßig per Mail und rufen zu Hilfsaktionen auf, wenn von Caritaseinrichtungen Hilfe benötigt wird. Sie melden sich zurück, wenn sie an dem jeweiligen konkreten, kurzfristigen Engagement interessiert sind.

Wie funktioniert die Hausübungsunterstützung?

Wir haben Eltern kontaktiert, die ihren Bedarf über unsere Kontakte zu MigrantInnen-Vereine genannt hatten, um sie auf das Unterstützungsangebot vorzubereiten.

Ebenso wurden die Freiwilligen in einer Videokonferenz zu einer ersten Austauschrunde, wo sie mit Informationen versorgt wurden, eingeladen. Sie wurden dabei auch über zu erwartende Schwierigkeiten, etc. informiert und konnten ihre Fragen ins Gespräch bringen.

Die Freiwilligen arbeiten nun weitgehend selbstständig mit den SchülerInnen über VideoChats, ZOOM oder WhatsApp.

Welche Begleitung bietest du den Freiwilligen an?

Ich biete jede Woche ein Video-Meeting für alle Freiwilligen an, um einen Austausch zu ermöglichen. Hier können Probleme, Ideen und hilfreiche Tipps besprochen werden.

Welche Erfahrungen werden dir da rückgemeldet? Gibt es auch Probleme?

Ja, es gibt auch Probleme. Jedoch waren wir darauf vorbereitet, weil wir die Schwierigkeiten, die das Lernen unter diesen erschwerten Bedingungen verursacht – auch dank der Caritas-Erfahrungen aus den Lerncafés - absehen konnten.

Zum Beispiel wurde uns aktuell von einer Freiwilligen mitgeteilt, dass ein Kind nicht am Video-Austausch teilnehmen will, obwohl die Eltern sehr bemüht sind. Sie wünschen sich, den Kontakt zu der Freiwilligen zu intensivieren, um die Ängste des Kindes abbauen zu können. Sie sehen diesen Kontakt zu der Freiwilligen als Ressource.

Wie geht ihr dann vor?

Wir fragen nach und schauen gemeinsam, wie wir weiterhelfen können. Wir ermutigen die Eltern, Probleme an LehrerInnen rück zu melden und eventuell auch fachlichen Rat zum Beispiel durch Schulpsychologen zu vermitteln. Und wir freuen uns, wenn wir auch der Schwester eine Unterstützung vermitteln können. Es ist uns wichtig Familien in schwierigen Situationen nicht alleinzulassen. Die Freiwillige in dieser Familie hat uns gesagt: „Gerade in Familien die Hilfe brauchen, soll man helfen!“
Diese Einstellung teilen wir und bestätigt unsere Projektidee.
 

Was gibt es sonst noch an Rückmeldungen?

Die meisten Freiwilligen berichten von guter Zusammenarbeit. Ich gebe hier ein paar Zitate weiter, die ich aus unseren WhatsApp Kontakten mitgenommen habe.

Klaus hilft einer jungen Frau aus Somalia in einer HBLA : "Die Zusammenarbeit mit Ikhlas ist angelaufen und verläuft aus meiner Sicht gut. Wichtig ist aber Ikhlas – ich hoffe, es passt für sie auch!

Oder von Lea: "Unser gemeinsames Lernen funktioniert super. Wir lernen jeden Tag gemeinsam. Ich kontrolliere die Hausaufgaben von meinem Schüler und erkläre alles, was er nicht versteht".

Wie ist der Ausblick für dieses Projekt? Viele Schulen beginnen wieder mit der Öffnung?

Mir haben bereits einige Jugendliche erzählt, dass sie die Hausaufgaben-Hilfe bis Schulschluss verlängern wollen, was ich toll finde. Ich denke das Projekt hat auch Potential für die Zukunft, da viele Familien auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen sind und die Bereitschaft zu helfen groß ist.

Wie ist deine Motivation dieses Projekt fortzuführen?

Die riesengroße Bereitschaft der Jugendlichen sich zu engagieren und hier ganz spontan und über einen längeren Zeitraum zu helfen, hat mich beeindruckt. Daher würde ich sehr gerne, wenn es weiteren Bedarf gibt, das Projekt fortsetzen.

Ich möchte mich an dieser Stelle besonders bei allen Freiwilligen bedanken, die bereit und mutig waren, sich auf dieses neue Experiment einzulassen!