Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Zum Tag der Pflege: Wertschätzung für Pflegeberufe bewahren und Pflegesystem reformieren

11.05.20

Der „Tag der Pflege“ am 12. Mai soll jährlich auf die Leistungen der MitarbeiterInnen in diesem Berufsfeld sowie notwendige Verbesserungen im Pflegesystem aufmerksam machen. Die Caritas in Oberösterreich richtet anlässlich dieses Tages einen Appell an die Politik.

„Dieser Tag steht heuer wegen Corona unter einem besonderen Stern“, so Caritas-Direktor Franz Kehrer. „In der jetzigen Krise erfahren die MitarbeiterInnen in den Pflege- und Sozialbetreuungsberufen erstmals jene Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihnen auch sonst zustehen würde. Denn sie leisten enorm wertvolle Arbeit für unsere Gesellschaft, indem sie für jene da sind, die auf Hilfe angewiesen sind, und ihnen ein Leben in Würde auch im Alter ermöglichen.“ Diese neue gesellschaftliche Wertschätzung der Pflegeberufe gelte es zu bewahren und die Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in diesem Bereich attraktiver zu gestalten:

„Ganz entscheidend wird für die Gestaltung eines tragfähigen Pflegesystems der Zukunft sein, mehr junge Menschen sowie BerufsumsteigerInnen für die Pflege- und Betreuungsberufe zu interessieren. Dafür brauchen wir ein gesamtgesellschaftliches Bekenntnis dazu, verbesserte Rahmenbedingungen für diese Arbeit durch die solidarische staatliche Finanzierung sicherzustellen. Denn diese Leistungen sind sozialstaatliche Aufgaben und werden auch von der Öffentlichen Hand finanziert. Als Arbeitgeber können wir immer nur dann Verbesserungen umsetzen, wenn diese auch von Land und Bund finanziert werden“, erklärt Kehrer. Für den Einsatz der MitarbeiterInnen in der Corona-Krise fordert die Caritas ebenso wie andere Sozialorganisationen eine Belohnung in Form einer Corona-Prämie.

„Als Träger von drei Schulen für Sozialbetreuungsberufen in Oberösterreich und 18 Schulen in ganz Österreich leisten wir auch einen Beitrag dazu, die hochwertigen Ausbildungsplätze mit viel Praxisbezug für die Fachkräfte der Zukunft bereit zu stellen.“

Pflegesystem reformieren

„Darüber hinaus wurde uns in der Krise drastisch vor Augen geführt, dass es höchst an der Zeit ist, das Pflegesystem zu reformieren“, so Franz Kehrer. „Wir brauchen mehr Angebote, um pflegende Angehörige auch abseits der 24-Stunden-Betreuung zu unterstützen und zu entlasten. Viele haben jetzt wegen dem Ausfall der PersonenbetreuerInnen aus dem Ausland versucht, die Zeit mit Kurzzeitpflegeplätzen in Heimen zu überbrücken – davon gibt es aber in Oberösterreich viel zu wenige. Und dort, wo zwischenzeitlich Angehörige die Pflege übernommen haben, sind viele an die Grenzen ihrer Kraft gekommen.“ Daher hat die Caritas OÖ auch in Linz und Wels in kirchlichen Bildungshäusern in Kooperation mit der Stadt Linz und dem Land OÖ vorübergehende Betreuungsplätze eingerichtet. Darüber hinaus braucht es mehr betreute Wohnformen sowie Tagesbetreuungen in verschiedener Form, denn die Plätze in den Seniorenwohnhäusern sind beschränkt und inzwischen nur mehr Menschen mit einer höheren Pflegegeld-Einstufung vorbehalten.

„Für psychosoziale Entlastungsgespräche sind die MitarbeiterInnen unserer Servicestellen für pflegende Angehörige in Oberösterreich auch in der Krise telefonisch da. Sich hier die Sorgen und Ängste von der Seele zu reden und sich Tipps für die Herausforderungen des Alltags zu holen, ist eine wichtige Unterstützung.“ Die Telefonnummern sind unter https://www.caritas-linz.at/hilfe-angebote/service-fuer-pflegende-angehoerige/ zu finden.